VON FRANZ VON SCHOLL AUS STUTTGART
Lieber Herr Felder!
Die Stunde, die ich in Ihrem ansprechenden Umgang in Schoppernau verleben durfte, steht frisch in meinem Gedächtniße und es gehört diese Stunde zu den interessantesten Episoden meines dießjährigen Aufenthalts im Walde. Nach meiner Heimkunft beschäftigte ich mich - sobald ich wieder Herr meiner Zeit war, mit Ihrem Wunsche, für Ihre zukünftigen Producte, womöglich, einen Verleger hier zu finden.
Zunächst wollte ich den Kritiker Wolfgang Menzel dahier, der ein Literaturblatt herausgiebt und den ich zu meinen Freunden zähle - zu einer Kritik über Ihr „Ein Lebensbild aus dem Bregenzerwalde" veranlassen; ich gab ihm das Buch zu lesen; er äußerte sich aber dahin: das Buch möge ein treues Bild aus dem Walde geben, aber es enthalte zu wenig Eigentümliches; er vermisse Naturschilderungen, treffende Bemerkungen über Glauben, Aberglauben u.s.w. so daß kaum ein größeres Publicum - dem der Wald ferner stehe - für dasselbe zu gewinnen wäre.
Meine Begeisterung für den Wald und seine intelligenten biedern Bewohner ist groß - aber nach ruhiger Überlegung glaubte ich dennoch den Ansichten meines Freundes beistimmen zu sollen: ich habe daher vorerst keine weitern Schritte gethan.
Lassen Sie Sich aber hiedurch nicht abschrecken; die besten Schriftsteller haben für Ihre Erstlinge oft kaum einen Verleger finden können und, wie herrlich ist es ihnen später gegangen!
Hat Ihre Muse einmal wieder Etwas geschaffen und glauben Sie, daß ein größeres Publicum sich dafür interessiren dürfte, so bin ich gerne bereit, eine Vermittlung für Sie zu versuchen. Gott schenke Ihnen aber feste Gesundheit und frohen, frischen Muth auf dem betretenen Wege vorwärts zu schreiten! Erhalten Sie mir Ihre Freundschaft Ihr ergebenster
Director v. Scholl