felderbriefe.at - Josef Feuerstein http://felderbriefe.at/taxonomy/term/75/0 de AN JOSEF FEUERSTEIN IN BEZAU http://felderbriefe.at/brief/josef-feuerstein-bezau-7 <div><span class="date-display-single">2. April 1869</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <div> <p>Lieber Freund!</p> <p>Mein Gesundheitszustand hat sich bisher nicht gebeßert, er gleicht wohl schon einem Krankheitszustand, wie du schon daraus siehst, daß ich eine fremde Hand an dich schreiben lassen muß. Ich liege im engen dumpfen Gado, hustend, frierend, schwitzend, raisonirend u. dann wieder schwach zum Versinken. Es soll mir an der Lunge fehlen, u. das Dökterle will mich in kurzer Zeit wieder herstellen. Das ist gut, denn das Kranksein behagt Keinem, am wenigsten aber dem, dem schon gesund so viel fehlt und dem Unthätigkeit Verzweiflung wird.</p> <p>Ich habe übrigens ziemlich guten Appetit, kann ungeduldig sein u. glaube daher durchaus nicht, daß ich jetzt hier in diesem Loche den Geist aufgeben werde. Habt also keine Sorgen um mich. Dein Bericht über die Versammlung vom letzten Montag war mir sehr interessant. Ob ich bei der nächsten Versammlung sein werde, ist mehr als zweifelhaft. Da müßt ihr euch schon anderweitig decken u. abwarten ob mir überhaupt das Glück eurer Gesellschaft so bald wieder gegönnt ist. Die erwähnte Sennerei f. d. Verein ist nun gesichert.</p> <p>So - und jetzt habe ich recht genug dictirt. Es steckt nichts mehr in meinem wirbeligen Kopf, als ein Gruß an Deine Frau, u. das Gefühl, daß ich in Hunger u. Kummer, in Noth und Tod verbleibe</p> <p>Dein treuer Freund Franz Michael Felder</p> <p>&nbsp;</p> </div> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Schoppernau Josef Feuerstein Thu, 02 Apr 2015 07:00:00 +0000 st 727 at http://felderbriefe.at AN JOSEF FEUERSTEIN IN BEZAU http://felderbriefe.at/brief/josef-feuerstein-bezau-6 <div><span class="date-display-single">16. März 1869</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <div> <p>Lieber Freund!</p> <p>Es hat etwas Tröstliches für mich, daß du meine Liederlich = und Vergeßlichkeit in ihrem negativen Ausdruck vielleicht als Genie­streich bezeichnest. Diese Nachsicht thut wohl, macht mich aber doch nicht so kühn, daß es mir gleichgültig wird, wie ich eine Arbeit in fremde Hände übergebe. Leider fand ich am Montag keine Zeit u. keine Gedanken mehr für den Schluß meines Aufrufs. Es ist euch wohl ein Leichtes, ihn beizufügen und mir bleibt die Beschä­mung dich herzlich darum bitten zu müssen. Hätte ich die Arbeit hier, so wollte ich sie gern vollenden, so aber, da sie mir nicht mehr ganz im Gedächtniß ist, wage ich nur einen Vorschlag zu bringen. Höre!:</p> </div> <p>„Ein Rundschreiben des Herrn u s w Grafen von Belrup[t] nennt es eine heilige Pflicht jedes freien Staatsbürgers u s w Ich hoffe daß jeder Bregenzerwälder die Wichtigkeit der Sache einsehe und in seinen Kreisen für eine so zahlreiche Betheiligung wirke, wie sie unseres Landes würdig und seinen Interessen gemäß ist.</p> <p>Bizau den N N."</p> <p>Heim gekommen bin ich glücklich und mein Befinden hat sich wenigstens nicht verschlimmert. In Au traf ich geistliche Gesell­schaft und erlebte interessantes. Hier soll es vielen öd gewesen sein ohne mich. Gestern hab ich wieder gefederfuxet. Meine Tage spinnen sich nun wieder ruhig und gleichmäßig ab. Mit herzlichem Gruß an Margreth und euch alle dein Freund</p> <p>F M Felder</p> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Schoppernau Josef Feuerstein Mon, 16 Mar 2015 08:00:00 +0000 st 717 at http://felderbriefe.at VON FRANZ MICHAEL FELDER AUS AU AN JOSEF FEUERSTEIN IN BEZAU http://felderbriefe.at/brief/von-franz-michael-felder-aus-au-josef-feuerstein-bezau <div><span class="date-display-single">25. Februar 1869</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <div> <p>Lieber Freund!</p> <p>Also Seppel will gehen - für immer von hier weg und ich soll ihm noch fort helfen. Er möchte von dir die Unterschrift zu einem Wechsel und glaubt, daß er sie durch einige Zeilen von mir eher gewinne. Du würdest jedenfalls durch seinen Grundbesitz gedeckt, und es scheint auch noch die Schwester einstehen zu wollen. Du kennst Seppels Verhältnisse schon aus meinen Mittheilungen und wirst nichts zu wagen fürchten. Ich wollte dich freilich lieber um etwas anderes bitten, als was mir ihn für immer nimmt! aber seine Lage wäre schon eine schlimme, wenn ihm nicht geholfen würde, weil schon alles von der Sache weiß. Du kannst ihm vielleicht helfen und in diesem Fall bitte ich dich es zuthun. Er glaubt nun einmal daß dieser Handel zu seinem Vortheil sei.</p> <p>Ich bitte dich mir gelegenheitlich zu schreiben, wie du dich mit Seppel abgefunden. Ich hoffe daß geschieht was für ihn das Beste, und ihm einen häuslichen Herd giebt.-------</p> <p>Es grüßt dich</p> <p>dein Freund</p> <p>F M Felder</p> <p>im Rößle Abends 10 Uhr</p> <p>&nbsp;</p> </div> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Au Josef Feuerstein Wed, 25 Feb 2015 08:00:00 +0000 st 705 at http://felderbriefe.at AN JOSEF FEUERSTEIN IN BEZAU http://felderbriefe.at/brief/josef-feuerstein-bezau-5 <div><span class="date-display-single">24. Februar 1869</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <div> <p>Lieber Freund!</p> <p>Das Sammeln der noch ausgeliehenen Bücher für den Leseverein hat bereits begonnen. Bis ersten März hoffe ich das Meiste bei­sammen zu haben und werde dann die erste Gelegenheit zur Uebersendung benützen. Jetzt leide ich an Kopfweh, doch nicht so, daß es mich am Arbeiten hindert. Ich zweifle aber, ob ich bei der nächsten Versammlung erscheinen werde, wenn dieselbe noch in diesem Monat oder in nächster Woche abgehalten wird. Den von dir ausgesprochenen Erwartungen des Ausschusses könnte ich jetzt ohnehin nicht entsprechen. Ich war in letzter Zeit zuviel mit Lebenserinnerungen beschäftigt um ernstlich an Anderes zu denken. Ich liege in der Selbstbiografie bereits im Wasser beim Salzbachersteg u. muß diese Woche wohl dort liegen bleiben, weil der Abschreiber da ist u. früheres mit mir ins Reine bringt. Ich hätte gern etwas über das Befinden deiner Frau erfahren um die ich recht besorgt war. Da du nichts erwähntest glaube ich das Beste annehmen zu können.</p> <p>Ich kam nach unserem Abschied glücklich über den Berg. Die Gesellschaft war mir nicht ganz uninteressant u. ich bin ihr zu dankbar um dir schwarz auf weiß eine Schilderung derselben zu geben wie ichs müßte, wenn ich einmal den Anfang machte. Wie diese Leute vorsichtig sind u. vor lauter Vorsicht zu nichts kommen.</p> <p>Scharttenlos ist euer Schwert noch, Weil ihr feig zum Schwerte grifft nie.</p> <p>Willst du diesen Vers von Platen verstehen und das folgende lesen so sehe nach im zweiten Band seiner gesammelten Schriften Seite 25. Du kannst das auch dem Dr. Greber sagen u. ihn mir grüßen lassen. Dem Karl wünsche ich Unglück, Schwefel u. Pech, feindliche Basen u. alles Böse in seine Liebschaft, die ihm so den Kopf verrückt, daß er mir die Zukunft wieder stets abzugeben vergißt. Mehreres mit Gelegenheit mündlich; heute müssen wir nun wieder an anderes denken.</p> </div> <p>Lebe wohl u. schreibe gelegenheitlich wie es geht.</p> <p>Es grüßt dich u. deine Frau herzlich</p> <p>dein Freund Franz M Felder</p> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Schoppernau Josef Feuerstein Tue, 24 Feb 2015 08:00:00 +0000 st 704 at http://felderbriefe.at AN JOSEF FEUERSTEIN IN BEZAU http://felderbriefe.at/brief/josef-feuerstein-bezau-4 <div><span class="date-display-single">23. Januar 1869</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <div> <p>Lieber Freund</p> <p>Heute in aller Eile nur die Mittheilung daß nun mein Mündel ungedultig wurde.Ich habe daher nach Dornbirn an einen Schuhmacher geschrieben und einen Platz bekommen u. Karl hat also nur noch für den Schneider zu sorgen u. ich hoffe, daß das jetzt um so schneller geschieht. Vergiß doch die fliegenden Blätter nicht. Ich arbeite wieder wie verrückt, um melancholische Gedanken ferne zu halten. Für heut,&nbsp; obwol&nbsp; ich dir noch etwas sagen&nbsp; möchte,&nbsp; muß ich schließen.</p> </div> <p>Mit herzlichem Gruß auch an deine Frau</p> <p>Dein Freund</p> <p>Felder.</p> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Schoppernau Josef Feuerstein Fri, 23 Jan 2015 08:00:00 +0000 st 693 at http://felderbriefe.at AN JOSEF FEUERSTEIN IN BEZAU http://felderbriefe.at/brief/josef-feuerstein-bezau-3 <div><span class="date-display-single">13. Januar 1869</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <div> <p>Lieber Freund!</p> <p>Vor allem herzlichen Glückswunsch zum neuen Jahre dir, deiner Frau und allen deinen Lieben.</p> <p>Es freut mich, wieder Gutes von euch zu hören. Euer Unternehmen wird doch jedenfalls ein gemeinnütziges sein. Ich erwarte so bestimmt, euere Bibliothek sei fürs Land, daß ich mein früher gegründetes Institut damit zu verschmelzen wünsche. Freilich hab ich dir das schon gesagt und, offen gestanden - ich habe euere Einladung bereits erwartet. Da sie aber nicht kommt muß ich mich an euch wenden bevor ihr mit dem Anschaffen von Büchern be­ginnt.</p> <p>Wir besitzen doch Dieß und Jenes was ihr jedenfalls auch anschaf­fen müßt. Vor einem Jahr hatte ich noch für mein Unternehmen zu kämpfen. Damahls würde ich um alles nicht gewichen sein. Jetzt aber betrachte ich die Verschmelzung nicht als ein Weichen, sondern als einen Sieg. Hier würde ein Zweigverein des Euern bleiben. Dadurch bliebe mancher Gulden erspart oder könnte besser verwendet werden, als für Werke, die bereits schon im Lande sind.</p> <p>Freilich müßtet ihr unsern Handwerkerverein ein wenig schadlos halten. Er hat im Ganzen 50-60 fl. ausgelegt, eine Summe also, die schon Pierer's Universal-Lexikon, welches wir haben, bei jedem Antiquar kosten würde.</p> <p>Am nächsten Montag feiern wir unser Vereinsfest. Solltet ihr auf meinen Gedanken eingehen wollen, so müßte ich dann meinen Antrag stellen und dann zu euch kommen um mit euch zu verhandeln. Bringe Herrn Dr. Greber Herrn Bezirksförster und dem ganzen Comittee meinen Gruß, theile den Inhalt dieses Briefes mit und sorge ja dafür daß ich am Sonntag Antwort habe d. h. schreibe am Freitag an mich und las den Brief gleich auf die Post bringen. Ich hoffe, daß mein Antrag freundliche Aufnahme finde und verbleibe in Erwartung der versprochenen Fliegenden Blätter u. einer Antwort</p> </div> <p>dein Freund F M Felder</p> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Schoppernau Josef Feuerstein Bibliothek in Bezau Leihbibliothek Tue, 13 Jan 2015 08:00:00 +0000 st 689 at http://felderbriefe.at AN JOSEF FEUERSTEIN IN BEZAU http://felderbriefe.at/brief/josef-feuerstein-bezau-2 <div><span class="date-display-single">21. Dezember 1868</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <div> <p>Lieber Freund!</p> <p>Heute in aller Eile nur die Meldung daß mir nun auch Bergmann schrieb und vom Schillerverein erzählte, ja mich zur Einreichung einer Bittschrift aufforderte und sie zu befördern und zu unterstüt­zen versprach. Er äußert sich dabei, daß mir Muße zur vollen Entwicklung geschaft werden müsse.</p> <p>Reich und Arm hat ihm sehr gut gefallen, auch will er bei Hofe sehr günstiges über mich gehört haben, was - nebenbei gesagt ­vielleicht der Grund seines plötzlich erwachten Eifers sein mag. Ich will mich jedoch gern getäuscht haben.</p> </div> <p>Meine Auffassung des Briefes von Hamm und meine Schlüsse hast du so ziemlich errathen. Laß Du mich einmal frei stehen für die ersten Jahre, dann kann ich vielleicht anderes erringen oder ertrotzen. Der Schillerverein hat aber nur noch bis 69 Wien zu seinem Vorort. Vielleicht waltet dann 5 Jahre wieder ein mir fremder Verwaltungsrath in einer Stadt, in der mir alle Verbindun­gen fehlen. Die von Dir erwähnte Berechnung lag mir daher sehr nahe und ist nicht einmal besonders schlau. Wenn Meßner nach Bregenz geht, soll er ja meinen jungen Schuster nicht vergessen und auch des Schneiders gedenken. Ihr aber gedenket meiner in alter Treue! Wie weit seid ihr mit Reich und Arm? Was macht Lisabeth? Gehst du noch zum Agader. O ich sehe unser frohes Leben wieder vor mir. Die Biografie wächst und wird mit einer Liebe behandelt, die mich zuweilen breit macht. Recht frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr wünscht Dir Margrethen und allen euren Lieben</p> <p>euer Freund F M Felder</p> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Schoppernau Josef Feuerstein Sun, 21 Dec 2014 08:00:00 +0000 st 680 at http://felderbriefe.at AN JOSEF FEUERSTEIN IN BEZAU http://felderbriefe.at/brief/josef-feuerstein-bezau-1 <div><span class="date-display-single">10. Dezember 1868</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <div> <p>Lieber Freund! Freigesprochen. Juhui!</p> <p>Diesen frohen Laut hast Du lang nicht mehr von mir gehört aber wenn einmal Wunder für Eins geschehen, darf man sich wol aus seiner Werktagsstimmung erheben.</p> <p>Das Kasino in Au ist endlich über Reich und arm zu gericht gesessen und hat mich ziemlich gut gehen lassen.</p> <p>Wenn Du den Roman gelesen hast, wirst Du sehen, welches Opfer hier der Berechnung gebracht, welche Zugeständnisse der - Furcht vor mir und meinem Anhang in Au gemacht wurden. Es hieß: das Buch habe Hiebe, wie vom Verfasser der Sonderlinge zu erwarten sei aber im Ganzen ein großer Fortschritt. Viele neue Gedanken seien geradezu Perlen, die Schreibfehler wolle man dem Autor vergeben.&nbsp; (Hildebrand hat sie auch stehen lassen) und übrigens stehe das Ganze auf katholischem Boden und sei weder zu empfehlen noch zu verbieten. Siehst Du sagt ichs nicht!</p> <p>Seit die Herrn die sociale Frage in die Hand nehmen möchten, wagen sie sich nicht und können nicht mehr hinter mich. Drei Kapitel meines Buches, das 11 te 13te und 18te haben sie gegen ihre Gewohnheit ganz mit dem Mantel der christlichen Liebe be­deckt.</p> <p>Seyffertitz hat mir auf ein Schreiben brieflich und seine Frau mit einer großen Schachtel voll Kinderspielsachen u. Büchern geant­wortet.</p> <p>Auch Hamm hat geschrieben ich lege den Brief bei. Sei aber so gut, ihn für Dich zu lesen und bald wieder zu schicken. Ich sollt ihn schon nächste Woche haben und möchte Dich auf diese Weise zum Schreiben zwingen.</p> <p>Meine Antwort kannst Du Dir denken. Ich bath, er möchte sich an die Schillerstiftung wenden. Wir wollen sehen. jetzt lese ich Bornes Schriften die ich mir-aus-angeschafft habe. Du weißt schon warum.</p> </div> <p>Meine Selbstbiografie wächst auch gewinne ich wieder mehr Lust zu freien Gestaltungen. Ich fühle meine Kräfte wachsen. Meine Kinder sind bei Mariannen gut versorgt und ich auch. An Bezau denk ich noch gern und bitte mir alle Bekannte zu grüssen Reinhardt, Förster, Cärbers Lisabeth, die Stülzo Mari u. besonders Deine Frau. Der Lisabeth - so heißt sie doch - werd ich etwas zu lesen schicken durch Dich. Lebe wol und vergiß nicht</p> <p>den besten Freund Dein Franz M Felder</p> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Schoppernau Josef Feuerstein Casino Reich und Arm Wed, 10 Dec 2014 08:00:00 +0000 st 670 at http://felderbriefe.at VON FRANZ MICHAEL FELDER AUS LEIPZIG AN JOSEF FEUERSTEIN IN BEZAU http://felderbriefe.at/brief/von-franz-michael-felder-aus-leipzig-josef-feuerstein-bezau-1 <div><span class="date-display-single">9. Juli 1868</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Nachschrift</p> <p>Es scheint, daß meine Briefe nach der Heimat und die von dort wieder zum Teufel gehen wie im Letzten Jahr. Sei also doch so gut, gleich - augenblicklich an den Uhrenmacher Felder in Schoppernau folgendes zu schreiben, oder dieses Blatt zu über­senden. Ich habe schon mehrere Briefe nach Schoppernau geschickt und noch keine Antwort erhalten. Ich wünschte Nach­richt von daheim und wünschte das alte Passionsspiel, welches ich vom Heuer habe, zu erhalten.</p> <p>Man soll mir doch schreiben aber den Brief eigens auf die Post geben und das Passionspiel auch. Etwas werd ich dan wol bekommen.</p> <p>Solltest Du es vorziehen, an meine Frau zu schreiben so adres­siere den Brief: An Franz Michel Felders Wible in Schoppernau, damit der Bothe Simplicisimus Bescheid weiß. Ich hoffe daß doch daheim nichts fehlt und eben darum ists mir unbegreiflich, daß das Wible nicht schreibt u die gewünschte Schrift nicht schickt. Ich wollte sie am Sontag einer gelehrten Gesellschaft vorlegen. Ihr Besitzer soll sich keine Sorgen machen, daß er darum um seine Sache kommt.</p> <p>Sei so gut, mir den Inhalt dieses Blattes zu übermitteln u frag allenfalls auch auf der Post nach.</p> <p>Mit Gruß</p> <p>Dein Freund</p> <p>Felder Windmühlen</p> <p>29 bei Dr Hildebrand in Leipzig</p> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Leipzig Josef Feuerstein Wed, 09 Jul 2014 07:00:00 +0000 st 470 at http://felderbriefe.at VON FRANZ MICHAEL FELDER AUS LEIPZIG AN JOSEF FEUERSTEIN IN BEZAU http://felderbriefe.at/brief/von-franz-michael-felder-aus-leipzig-josef-feuerstein-bezau <div><span class="date-display-single">7. Juli 1868</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <div> <p>Lieber Freund!</p> <p>Ich werde nun eilen müssen, daß mein Brief Dich noch in deiner Heimat antreffe. Sonst kam ich wol noch nicht zum Schreiben. Ich komme wenigstens nur selten dazu und wenn ich einmal festzusit­zen meine, werde ich gleich wieder auf die angenehmste Weise unterbrochen. Du aber sollst nun Deinen Brief haben weniger weil ich viel Besonderes weiß als um auch von dir eine Antwort zu bekommen. Mein Reisebericht muß leider kurz werden, obwol es viel des Interessanten zu melden gäbe, was ich für einen der schönen Abende zurücklege, wo wir wieder mitsammen plaudern können. In München traf ich Feurstein war in seiner Wohnung und verdanke seiner Freundlichkeit einen schönen Tag. Am Sonntag flog ich von dort bis Leipzig und seitdem bin ich hier. Leider will das Wetter bisher größere Spaziergänge nicht begünstigen dafür aber komme ich um so mehr in der Stadt herum. Auch die beiden Gesandten der Turner in Dornbirn, Luger und den Lehrer Thurnherr hab ich endlich gefunden. Die beiden scheinen sich gegenseitig satt bekommen zu haben denn jeder ist alein abgereist. Thurnherr war es auch, der die herrlichen Artikel über Leipzig ins Volksblatt schrieb. Mir wich er scheu aus, während Luger sich an uns anzuschließen suchte. Hier ist viel von den Zuständen unseres Vaterlandes die Rede. Die Leute hier stehen unseren Zuständen so fern, daß man mit den neuen Gesetzen schon alles gewonnen glaubte. Nun kommt der hinkende Bothe. Doch ich soll nicht über Kirche und Staat, sondern einen schlichten Bericht von meinem Hiersein schreiben. Aber wo anfangen. Der Verkehr mit Gleichstre­benden thut mir wol. Daheim muß ich einen großen Theil meiner Kraft verwenden, mich in mich selbst zu verschließen und unemp­findlich zu scheinen auch wenn mich etwas recht schmerzlich trifft. Daß ich aufthauen konnte, kam selten vor. Doch zuweilen, z. B. wenn ich bei Dir bin, ists auch der Fall und dagegen giebts auch hier genug solche Kreise wo ich es nicht kann. In etwa 14-20 Tagen denke ich in meine Heimat zurück[zukeh­ren]. Wärsda nicht möglich, daß wir, wenn du von Wien kommst, in München zusammen träfen und mitsammen heimführen? Ich bitte, mir Genaues darüber zu schreiben. Um deine Reise nach Wien beneide ich dich ordentlich. Ich möchte schon auch einmal hin, doch nicht zu einer Festzeit, wo alles aus dem Gleis kommt. Wenn du Keßlern triffst, so frag ihn doch, warum er mir nicht mehr schreibe. Bergmann laß mir grüßen und alle die mir etwa nachfra­gen sollten. Mein Roman wird jetzt gedruckt. Ich werde schon etwas davon mitbringen. Dein Plan übrigens bei uns in deinem Verlag so kleine Volksschriften herauszugeben, gefällt mir immer besser, jemehr ich mir auch ins Geschäftliche einen Einblick verschaffe. Wir müssen jedenfalls von der Sache reden. Leipzig hat sich seit letztem Sommer bedeutend erweitert. Das Johannisthal wird immer mehr verbaut. Die Kluft zwischen arm und reich, gelehrt und ungelehrt ist hier viel, viel größer als bei uns und fast vergeht einem die Hoffnung, daß sie bald gelöst werde, jene Frage, die ich für die wichtigste halte und in der ich alle ändern sehe. Überhaupt scheint mir, ob man in unseren Bergen viel muthiger, hoffnungsvoller bleiben könne, als da, wo man entweder nur den glatten Boden und die sorglos hintanzende Menge oder nur den gähnenden Abgrund mit seinen Verlorenen sieht. Doch davon mündlich mehr und viel viel.</p> </div> <div> <p>Herzlichen Gruß und Handschlag allen in und außer unserem Verein die für Selbständigkeit und wahre Befreiung unserer wak­kern Landsleute wirken. Besonders auch den Kristian, Greber in Au Reinhardt und natürlich auch Deiner Frau.</p> <p>Ich erwarte bestimmt ein Schreiben von Dir zu erhalten und recht viel zu erfahren. Meßnern würde ich auch grüßen lassen, aber der könnte es so deuten, ob ich ihn an die versprochene Pfeife mahne und das will ich nicht - sag es ihm nur - obwol ich gestern die Meine zerschlug und heute eine Neue kaufen muß. Lebe recht wol. Es grüßt Dich&nbsp;&nbsp;&nbsp; Dein Freund</p> <p>Franz Michael Felder</p> </div> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Leipzig Josef Feuerstein Tabakpfeife Mon, 07 Jul 2014 07:00:00 +0000 st 587 at http://felderbriefe.at