felderbriefe.at - Josef Feuerstein http://felderbriefe.at/taxonomy/term/73/0 de VON JOSEF FEUERSTEIN AUS BEZAU http://felderbriefe.at/brief/von-josef-feuerstein-aus-bezau-10 <div><span class="date-display-single">6. April 1869</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <div> <p>Lieber Freund!</p> <p>Juhei! freigesprochen! so möchte ich dir heute, nach dem ich deinen Brief gelesen auch jubelnd zurufen, denn ich habe offen gesagt doch große Besorgniß für dich gehabt, obwohl ich eigentlich persönlich deinen Zustand nichtfür gefährlich ansah so machte mir doch das Reden der Leute bange. Dein Brief ist eben noch rechtzeitig angekommen, sonst hätte ich an&nbsp; Schwager Moosbrugger&nbsp; nach&nbsp;&nbsp; Bludenz&nbsp; einen&nbsp; etwas scharf gefärbten Brief geschrieben, so, daß er jedenfalls wahrscheinlich schnell heruntergekommen wäre. Ich bin mit deinem Entschluß vollkommen einverstanden, u. hoffe daß deine Besserung recht schnell vor sich gehe, u. du mich wieder recht bald besuchen werdest. Inzwischen freut es mich wenn du mirfleißigeinige Worte dicktirst. Ich sehe durch dieselben dein ganzes Befinden deutlich vor mir oder ich fühle es; ich glaube ich könnte dir zimmlich genau sagen wievielmal der Puls pr Minute während des Diktirens geschlagen. Die Fliegenden Blätter kann ich dir erst bis in ein par Tagen schicken, da sie noch beim Doktor in Egg sind. Vor der Hand sende ich dir hier die Leuchtkugeln. Du wirst dich nicht ärgern über den hie u. da etwas bedenklichen Inhalt, u. das Mägdle soll dieselben halt beileibe nicht lesen. Also gute Besserung u. viele Grüße von der Margreth, Karl und Deinem Freund Josef Feuerstein Felder von Alberschwende war heute hier und erzählte die inperti­nenten Witze u. Grobheiten, die er bei dir gemacht er meinte aber du habest alles als pure Freundschaft sehr wohlgefällig aufgenom­men, als ihr kennt euch noch nicht! er ist übrigens dir doch ungemein anhänglich und wollte morgen zum Dr. Waibel um ihm dein&nbsp; Befinden&nbsp; mitzutheilen,&nbsp; ich werde ihm aber heute noch schreiben.</p> </div> </div> <div> </div> Josef Feuerstein Bezau Franz Michael Felder Mon, 06 Apr 2015 07:00:00 +0000 st 731 at http://felderbriefe.at VON JOSEF FEUERSTEIN AUS BEZAU http://felderbriefe.at/brief/von-josef-feuerstein-aus-bezau-9 <div><span class="date-display-single">5. April 1869</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <div> <p>Lieber Freund!</p> <p>Auf meiner Rückreise gestern Nacht dachte [ich] über die von dir gemachte Aeußerung: daß du zu Dr. Greber schon Zutrauen hättest, daß du aber noch einige Tage zuwarten wollest nach, u. es schien mir dieser Entschluß doch einigermassen unzweckmäßig. Dr. Greber würde es jedenfalls freuen, wenn du ihm das Zutrauen schenkst, u. du sagtest früher immer selbst, wenn man jemandem Gelegenheit geben könne uns eine Gefälligkeit zu erweisen, so solle man es thun, dadurch mache man sich die Leute verbindlich. Nun aber warum noch ein paar Tage zögern, das Fieber ist jedenfalls stark, könnte vielleicht hiziger Natur, kurz anderen Charackters sein als Chirurg Dünser meint kurz Zwei verstehen mehr als Einer, u. einen Freundesdienst soll man nicht zurück­weisen.</p> <p>Entschließe dich also kurz dem Dr. Dünser mitzutheilen daß du den Dr. Greber beigezogen wünschest, derselbe wird gleich kommen, u. ich werde ihm schon sagen daß er mit Dr. Dünser freundschaft­lich u. entgegenkommend verhandle u. berathe. Schreibe oder Dicktire mir sogleich wieder einige Worte, schicke mir den Brief aber durch einen extra Bothen nicht durch die lumpige Post.</p> <p>Ich habe Eile der Both will gehen, viele Grüße von der Margreth u. mir.</p> <p>Dein Freund Josef Feuerstein</p> </div> </div> <div> </div> Josef Feuerstein Bezau Franz Michael Felder Sun, 05 Apr 2015 07:00:00 +0000 st 729 at http://felderbriefe.at VON JOSEF FEUERSTEIN AUS BEZAU http://felderbriefe.at/brief/von-josef-feuerstein-aus-bezau-8 <div><span class="date-display-single">1. April 1869</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <div> <p>Lieber Freund!</p> <p>Ich habe dich vergeblich am Sonntag erwartet u. mußte aus deinem Ausbleiben schließen daß dein Unwohlsein noch nicht gehoben sei, ich hoffe jedoch, daß sich seitdem die Sache gebessert. Die Versammlung am Montag war gegenüber der im Lamm etwas mat indem Pr. Elsensohn den prahlerischen Ankündigungen die er gemacht durchaus nicht entsprach; er ist kein Redner u. wird auch nie einer werden. Über den Inhalt der Rede selbst kannst du näheres erfahren von Kurat Herzog in Rehmen, derzufälliger Weise im Garns logirte.</p> <p>Dr. Greber kam zu spät, konnte weil er keine Vorbereitungen über vorzunehmende Experimente gemacht, seinen in letzter Versamm­lung begonnenen Vortrag nicht fortsetzender hatte nämlich vor über die Schallbewegung einen Vortrag zu halten:/ sondern trug die Lehre vom Globus vor. Bei der nächsten Versammlung mußt du uns wieder herausreißen das heißt eine tüchtige Rede halten, ich kündige es dir jetzt schon an. Damit du dich darnach zu halten weißt.</p> <p>Es ist sehr daran gelegen, daß der Eindruck der Ersten Versammlun­gen ein guter sei, deßwegen müssen wir uns besonders in erster Zeit zusammen nehmen.</p> <p>Es wäre ganz erwünscht wenn du Moosbrugger oder einen ändern tüchtigen Redner bestimmen könntest, bei Gelegenheit einen Vortrag zu halten.</p> <p>Approbos Peter Greber hat mir gesagt, daß ihr in Schalzbach eine Vereinssennerei zu errichten bemüht seid, die aber etwas klein werde.</p> <p>Daran ist das erste Jahr nichts gelegen, den Preis den die ändern bezahlt bekommen bringet ihr doch leicht heraus und es kann gar nicht fehlen der Milchkäufler muß mit der Zeit gegen die Vereins­sennerei unterliegen; deßwegen rüstig ans Werk.</p> <p>Ich habe nicht mehr Zeit weiter zu schreiben, lebe wohl es grüßt dich</p> </div> <p>dein Freund Josef Feuerstein</p> </div> <div> </div> Josef Feuerstein Bezau Franz Michael Felder Wed, 01 Apr 2015 07:00:00 +0000 st 726 at http://felderbriefe.at VON JOSEF FEUERSTEIN AUS BEZAU http://felderbriefe.at/brief/von-josef-feuerstein-aus-bezau-7 <div><span class="date-display-single">26. März 1869</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <div> <p>Lieber Felder!</p> <p>Karl ist glücklich von Schoppernau angekommen u. sein Geldbrief hinten nach. Durch denselben habe ich leider dein Unwohlsein erfahren. Heute ging Karl zu Dr. Greber und erstattete ihm Bericht über dein Befinden. Er findet die Sache sehr ungefährlich, meint es sei nur ein Magencatarr gab ihm die Pulfer die hier mitfolgen, u. läßt dich grüßen, du sollest nur herauskommen, dich aber recht warm anziehen u. besonders den Hals gut schützen, dann schade es dir nichts - „gar nichts".</p> </div> <p>Nach meiner Ansicht mußt du deinen Zustand selbst beurtheilen u. dich hiernach richten, freuen würde es uns schon wenn du kämest. Hr. Elsensohn hat zu seinem Vortrage das Thema der Geschichte des Bregenzerwaldes gewählt.</p> <p>Wie ich erfahren haben die Kapuziner bei Weißgärbers Bücherun­tersuchung gehalten, u. haben gefunden, daß das Lesen von guten Büchern Legenden etc. viel besser wäre, sind aber abgewiesen worden.</p> <p>Wie ich Gelegenheit habe zu bemerken, werden die Agitationen gegen den Leseverein beginnen.</p> <p>Wir lesen jetzt dein Schwarzokaspale u. ich habe dich u. deine Selbstbiografie durch dasselbe wieder näher kennen gelernt. Dein Erstlingswerk gefällt mir übrigens ganz gut, und wird namentlich bei jenen, die das Leben des Bregenzerwälders gerne auch im Bilde wiedersehen mit Freude gelesen werden. Mit vielen Grüßen</p> <p>Dein Freund Josef Feuerstein</p> </div> <div> </div> Josef Feuerstein Bezau Franz Michael Felder Schwarzokaspale Thu, 26 Mar 2015 08:00:00 +0000 st 722 at http://felderbriefe.at VON JOSEF FEUERSTEIN AUS BEZAU http://felderbriefe.at/brief/von-josef-feuerstein-aus-bezau-6 <div><span class="date-display-single">3. März 1869</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <div> <p>Lieber Freund!</p> <p>Es ist ein altes Sprichwort: der Fleißige findet zu allem Zeit der Faule kommt immer zu spät. Diesem Sprichwort habe ich schon öfter nachgedacht und darin immer meine Verurtheilung gefunden. Auf der ändern Seite heißt es Selbsterkenntniß ist der erste Schritt zur Beßerung; nun diesen ersten Schritt hätte ich gemacht, aber mit dem zweiten komme ich nicht recht zu Stande. Es geht mir wie einem Träumenden der sich von Räubern verfolgt glaubt, u. ungeachtet aller Bemühungen seine Füße nicht vorwärts bringt. Von Albinger habe ich erfahren das du am nächsten Sonntag den 7. März herauskommen wirst. Es istdieß auch dringend nothwen­dig, wenn wir bei der Versammlung nicht in die Enge kommen wollen. Denn wie du weißt ist Hr. Bezirksförster aus dem Vereine ausgetreten u. Dr. Greber hat mir gestern gesagt er wisse nicht ob er mit seiner Rede zu Stande komme, da er einige Druckschriften die er in derselben als Belege etc. benützen will von der Buchhandlung noch nicht erhalten habe.</p> </div> <div> <p>Wir erwarten die Schoppernauerbibliothek recht bald, da man nun lesen wollte u. die Unterhaltungsschriften noch nicht da sind, u. wir wegen Mangel an Büchern in Verlegenheit sind. Schick uns auch außerdem 1 Exemplar Sonderlinge, Schwarzo­kaspale u. Reich u. Arm, wenn du herauskommst werde ich dich bezahlen.</p> <p>Felder konnte ich nicht anders dienen als dadurch, daß ich ihm ein Schreiben an Brettauers Erben in Hohenems gab, worin ich densel­ben seine Vermögensverhältnisse mittheilte, was für Erfolg er gehabt ist mir unbekannt. Wie mir Albinger gesagt, wirst du dießmal ein par Tage in Bezau bleiben, was mich sehr freut, da wir dann wieder mit einander „bludora" können. Mit vielen Grüßen von der Margareth u. mir</p> <p>Dein Freund Josef Feuerstein</p> </div> </div> <div> </div> Josef Feuerstein Bezau Franz Michael Felder Tue, 03 Mar 2015 08:00:00 +0000 st 712 at http://felderbriefe.at VON JOSEF FEUERSTEIN IN BEZAU http://felderbriefe.at/brief/von-josef-feuerstein-bezau <div><span class="date-display-single">18. Februar 1869</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <div> <p>Lieber Freund!</p> <p>Zweck meines heutigen Schreibens ist dir anzuzeigen, daß ich vom Ausschuße des Lesevereins den Auftrag erhalten dich zu ersuchen die Bibliothek in Schoppernau so bald möglich nach Bezau zu senden, damit mit dem Ausleihen begonnen werden kann. Bezirksförster Koderle wird immer stutziger: Im Auftrage des Aus­schußes hatte Karl die freiwilligen Beiträge einzukassiren damit mann die bewilligten Bücher bezahlen könne. Alle Mitglieder bezahlten bereitwillig mit Ausnahme des Hr. Bezirksförsters der erklärte, die Anschaffung der Bücher gefalle ihm nicht er werde deßhalb auch nicht bezahlen, u. ob er ganz aus dem Vereine austrette werde er sich noch überlegen.</p> <p>In N. 39. der Zukunft erscheint unter Wien ein Artikel der nach meiner Ansicht die ganze Lage unserer Verfaßungsherrlichkeit in das richtige Licht stellt. Lebe wohl es grüßt dich</p> <p>dein Freund Josef Feuerstein</p> <p>Der Ausschuß erwartet daß du in der Märzversammlung eine Rede halten werdest.</p> <p>Was soll uns hier die Lehre sein? Was geht daraus hervor? ­Selbst mit dem besten Freunde dein Im Walde nie spazor. —</p> </div> </div> <div> </div> Josef Feuerstein Bezau Franz Michael Felder Wed, 18 Feb 2015 08:00:00 +0000 st 703 at http://felderbriefe.at VON JOSEF FEUERSTEIN AUS BEZAU http://felderbriefe.at/brief/von-josef-feuerstein-aus-bezau-5 <div><span class="date-display-single">30. Januar 1869</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <div> <p>Lieber Freund!</p> <p>Ich habe noch kurze Zeit, wenn mein Brief den schnellfüßigen Auerboth noch erreichen soll. Deßwegen in Kürze folgendes: Karl hat bezüglich dem Schneider das nöthige gethann. Das Comitee des Lesevereins hat beschlossen auf nächster Ver­sammlung der Mitglieder, welche am Fastnacht Dienstag um 1 Uhr Nachmittag in Ellbogen statt findet, den Leseordnungs-Entwurf vorzulegen, dessen Hauptbestimmung dahin lautet, daß Mitglieder per Monat 12 Kr Ost Whr u. Nichtmitglieder 20 Kr Ost Whr bezahlt werde, u. daß den Lesern in auswärtigen Gemeinden nach Verlauf des Jahres 1/4tel der bezahlten Lesegebühren zurückbezahlt werde, als Vergütung für ausgelegte Postgebühren. Zur Berathung u. Beschlußfassung kömmt auch die Anschaffung von Büchern.</p> </div> <p>Diese Gegenstände sind sehr wichtig deßwegen wäre es sehr am Platze wenn du mit einigen ändern herauskommen würdest; ich erwarte dich.</p> <p>Die Post fordert mit aller Energie die Eine Nummer der mir doppelt zugesannten „Zukunft" sei so gut mir dieselbe sogleich zu schicken.</p> <p>Ich möchte gerne bei dir sein um dich wenigstens auf kurze Zeit, von melancholischen Gedanken abzuhalten, nicht wahr am Früh­jahr kömmst du wieder einige Zeit zu mir? Ich habe keine weitere Zeit u. verbleibe mit vielen Grüßen</p> <p>Dein Freund Josef Feuerstein</p> </div> <div> </div> Josef Feuerstein Bezau Franz Michael Felder Fri, 30 Jan 2015 08:00:00 +0000 st 695 at http://felderbriefe.at VON JOSEF FEUERSTEIN AUS BEZAU http://felderbriefe.at/brief/von-josef-feuerstein-aus-bezau-4 <div><span class="date-display-single">8. Januar 1869</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <div> <p>Lieber Freund!</p> <p>Dein Schreiben habe ich erhalten und dem Comite vorgelegt. Nach den bereits berathenen Statuten die im Ganzen auf demokra­tischer Grundlage beruhen, kann das Comitee keine endgültige[n] Beschlüße faßen, sondern es sind alle Vorschläge desselben der Versammlung der Vereinsmitglieder zur Beschlußfassung vorzu­legen.</p> <p>Es wäre deßwegen am angemessensten wenn du bis in einigen Tagen nach Bezau kämest, mit Vollmachten versehen um über die Vereinigung beider Bibliothecken verhandeln zu können. Das Resultat dieser Verhandlungen würde dann der Mitgliederver­sammlung mitgetheilt u. wenn dieselbe die Vorschläge des Comite begutachtet wäre die Sache abgeschlossen. Eine Mitglieder Versammlung findet längstens bis 17. Jänner statt. Es wäre natürlich sehr angenehm wenn du das Verzeichniß der Bücher mitbrächtest.</p> <p>Es ist schon eine ganze Kiste Bücher unterwegs, die zweckmäßige Auswahl wird jedenfalls eine schwingte] Arbeit abgeben u. beson­ders da jetzt gegenwärtig noch nicht über 200 fl. zur Disposition stehen. Ich erwarte dich im Verlaufe einiger Tage in Bezau, wo uns dann Gelegenheit gebothen ist uns über dieß u. anderes zu unterreden.</p> <p>Mit Reich u. Arm sind wir nun bald fertig u. ist der Eindruck den dasselbe auf uns gemacht ein so vortrefflicher daß ich dich eigentlich nur den Verfasser von Arm u. reich nennen möchte. Das Volksleben ist darin tief u. treu wiedergegeben, die sozialen Mißverhältniße getreu u. ohne Leidenschaft wiedergegeben, obwohl mancher Leser sich bei verschiedenen Stellen etwas unan­genehm berührt fühlen wird, wenn das was er durch hergebrachte Uebung u. Gewohnheit als zu Recht bestehend u. in Folge dessen auch als bilig u. unantastbar betrachtete hie u. da einer strengen Prüffung unterzogen sieht. Natter hat mich auf der Durchreise besucht, und gefiel mir ganz gut daß sich derselbe noch weiter in einigen nothwendigen Fächern ausbilden will. Den bereits ausge­heckten Plan deine u. Feldkirchers Gedichte in einer Sammlung herauszugeben dürfen wir nicht liegen lassen, deine humoristi­schen Gedichte stehen dabei nach meiner Ansicht in erster Linie. Es grüßt dich</p> </div> <p>dein Freund Josef Feuerstein</p> </div> <div> </div> Josef Feuerstein Bezau Franz Michael Felder Bücherei Bezau Humoristische Gedichte Thu, 08 Jan 2015 08:00:00 +0000 st 686 at http://felderbriefe.at VON JOSEF FEUERSTEIN AUS BEZAU http://felderbriefe.at/brief/von-josef-feuerstein-aus-bezau-3 <div><span class="date-display-single">27. Dezember 1868</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <div> <p>Lieber Freund!</p> <p>Der Gedanke einer Volksbibliotheck hat sich verkörpert!&nbsp; Den 21. Dzbr. waren wir beim Angodarle die Sache kam zur Sprache man beschloß dieselbe zu besprechen, wählt Christian Jochum zum Präsidenten für diese Verhandlung, und es kamen über längern und kürzern Reden und Gegenreden folgende Beschlüße [zustande]</p> </div> <div> <p>I.&nbsp; Wir bilden eine Volksbibliothek zur allgemeinen Benützung</p> <p>II.&nbsp;&nbsp;&nbsp; Es ist bei der nächsten Versammlung ein Comitee zur weiteren Ausführung des Beschlußes l zu wählen.</p> <p>III.&nbsp; Die Versammlung hat am nächsten Montag den 28 Dzbr Abends 8 Uhr in der Krone stattzufinden.</p> <p>IV.&nbsp; Wenn diese Beschlüße zu Stande kommen, so zeichnen die nachstehenden Herrn folgende Beiträge</p> <p>/:Folgen die Unterschriften:/</p> <p>Dr. Greber zeichnete 50 fl. von den übrigen Beträgen sind zu 10 fl.</p> <p>15fl.3fl. 5fl. 2fl. etc. etc.</p> <p>fortgesetzt d. 2. Jänner 1869.</p> <p>Vor 5 Tagen wurde ich an der Fortsetzung meines Briefes gehindert, seitdem habe ich mich für neue Mitglieder u. Spender bemüht und wirklich haben wir gegenwärtig beinahe 200 fl. für die Bibliothek gezeichnet. In Folge des Beschlußes vom 21/12 fand die Versamm­lung am 28/12 in der Krone statt. Die Verhandlung wurde ganz ordnungsmäßig geführt, ein Comittee zur Entwerfung der Statuten bestehend aus 5 Mitgliedern: Dr. Greber, Bezirksförster Koderle, Angodar Thierarzt Meusburger u. Feuerstein Lithograf gewählt, u. auf 5 Jänner wieder Zusammenkunft zur Berathung der Statuten bestimmt.</p> <p>Wir hielten schon eine Sitzung bei welcher aber noch nicht viel zu Stande kam, indem sich B. Förster u. Dr. Greber um Stilisirungen stritten, [und] die ändern Mitglieder des Comitees ordentlich in Verlegenheit waren, welchen Beträgen sie zustimmen sollten, da man Gefahr lief bei dem unterliegenden Antragsteller in Ungnade zu fallen. Bei nächster Sitzung handelt es sich nun um die Vollmachten die dem Ausschuße der jedenfalls zur Leitung noth­wendig ist, gegeben werden sollen. Bezf. u. Greber stimmen für unbedingte Vollmacht, ich hingegen möchte das Ganze auf demo­kratischer Grundlage wissen, u. bereits alle Beschlüße desselben von vorhergehender Genehmigung von Seite der Mitglieder abhän­gig machen.</p> </div> <p>Ich wünschte, daß du gegenwärtig in Bezau wärest und das Ganze mit durchmachen könntest.</p> <p>Schicke mir wenigstens umgehend die Statuten eurer Bibliotheck u. schreibe mir deine Ansichten.</p> <p>Ich habe von Anfang darauf hingewirkt, daß keine Dorf sondern eine allgemeine Volksbibliotheck gegründet werde. Du wirst jedenfalls auch Mitglied derselben werden; oder kommst du vielleicht auf die Versammlung vom 5. Jänner auch heraus? Mit dem Käsereigenossenschaftspreis sind wir abgewiesen, herent­gegen hat das Ministerium meine Persönlichkeit mit Lobsprüchen überhäuft, deren ich durchaus unwürdig bin. Hiemit übersende ich dir die Bücher von Hr. Baron. Mit Grüßen von meiner Frau</p> <p>Dein ergebener Freund Josef Feuerstein</p> </div> <div> </div> Josef Feuerstein Bezau Franz Michael Felder Sat, 27 Dec 2014 08:00:00 +0000 st 683 at http://felderbriefe.at VON JOSEF FEUERSTEIN AUS BEZAU http://felderbriefe.at/brief/von-josef-feuerstein-aus-bezau-2 <div><span class="date-display-single">12. Dezember 1868</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <div> <p>Lieber Freund!</p> <p>Gegenwärtig verlaufen mir die Tage in Ziffern u. Zahlen, und nur am Abend erfolgt durch die nicht gar zu langen Vorlesungen der Margareth eine Unterbrechung.</p> <p>Um so mehr freut es mich von dir Nachrichten zu erfahren die wahrhaft nicht in den Bereich des Gewöhnlichen gehören. Das Schreiben des Ministerialraths Hamm hat wenigstens meine Erwartungen noch übertroffen. Ich habe dasselbe zuerst gelesen und mir gedacht was du von seinen Anerbiethungen zuerst an­nehmen werdest.</p> <p>In der Eile fiel mir ein du werdest wohl zuerst darnach greifen, ein von der Regirung unterstützter Schriftsteller zu werden wenn dir über die Art deines Wirkens vollkommen freier Spielraum gelassen werde.</p> <p>Aber bei Lesung deines Schreibens mußte ich dir doch recht geben, und meinte noch hinter deiner Wahl eine dir eigene Berechnung zu erblicken, dahingehend, daß man die scheuen Vögel zuerst fangen müße.</p> <p>Mir scheint mit diesem Schreiben hat die Aussicht auf deine finanzielle Zukunft sich auf einmal ganz anders gestaltet, deß­wegen war ich einigermassen überrascht daß dein Jubelruf einzig dem Freigesprochen des Auer Caßino galt; aber auf der ändern Seite ist auch wahr, daß dich der Anklagezustand in früheren Jahren gewaltig geärgert hat.</p> <p>Der Käsehandlungsverein wächst im Kredit; binnen einigen Tagen wurden von Bregenzerwäldern über 6000 Fl. Anlehen in die Caße eingelegt. Dadurch haben wir natürlich Geldüberfluß bekommen und der Außschuß beschloß in der Folge dessen, daß allen jenen Mitgliedern, welche noch unausgeglichene Schätzungen besitzen der betreffende Betrag oder ein Theil deßselben zu 5 % abgelassen werde, wenn sich das betreffende Mitglied binnen 4 Tagen melde.</p> </div> <p>Wir haben „Reich und Arm" wieder von neuem zu lesen ange­fangen und ich habe wieder viel schönes dabei gefunden, was ich bei der ersten Lesung gänzlich übersehen habe. Dein Stiel ist so gedrängt daß, wenn sich der gemüthliche Zuhörer auf dem Kanapee einige eigene Gedanken erlaubt, u. die gütige Leserin dessen ungeachtet mit ihrem Vortrage fortfährt, der Erstere sich bei ein paar überträumten Sätzen auf einem ganz anderen Gedanken­felde wiederfindet.</p> <p>Der Stülzlis Mari habe ich deinen Gruß ausgerichtet, sie machte aber ein ganz ungläubiges Gesicht dazu. Der Karl ist mit deinem Roman den du ihm geschickt hast, sehr zufrieden, allein er kömmt vor lauter Liebesangelegenheiten nicht recht zum Lesen. Viele Grüße von der Margreth u.</p> <p>Deinem Freund Josef</p> </div> <div> </div> Josef Feuerstein Bezau Franz Michael Felder Schreibstil Fri, 12 Dec 2014 08:00:00 +0000 st 673 at http://felderbriefe.at