felderbriefe.at - Wahlaffäre http://felderbriefe.at/taxonomy/term/698/0 de AN RUDOLF HILDEBRAND http://felderbriefe.at/brief/rudolf-hildebrand-56 <div><span class="date-display-single">1. März 1868</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Lieber Freund</p> <p>Heut endlich hab ich die Eröffnung der neuen Post zu mel­den und dieser Brief, vielleicht noch der erste, den sie expe­dirt, kommt wie eine Siegesfahne herrlich und groß um Dir allerlei kleine Siege vorzuführen und auch etwa ein Loch sehen zu lassen. Der Fasching als solcher gieng mir ziemlich unbemerkt vorüber. Nur einen Tag hab ich ihm geopfert ­den letzten Montag. Im Rößle in Au war, was man hier Ball heißt. Ich ward auch geladen und fuhr mit einigen guten Freunden hin, wo wir lauter Parteigenossen antrafen. Auch der Uhrenmacher war eine Weile, aber noch mit verbundenem Kopfe, dabei und benahm sich ruhiger brauchgemäßer als man das an ihm gewohnt war. Er scheint aus dem Unfall gelernt und während der 4 Wochen, die er meistens lag, sich etwas geläutert zu haben. Vom kk Kreisgericht Feldkirch wurde mir eröffnet, daß auf meine Angaben vom 3 ten Fe­bruar das Gericht in Bezau nicht die kompetente Behörde in der Angelegenheit des Uhrenmachers, und daß diese dem Bezirksgericht Bregenz zur Amtshandlung übergeben worden sei. Dagegen habe unser Gericht in Bezau gegen die Wahl­stürmer vom 26 Jänner sofort einzuschreiten. Ich würde dir noch mehr über die Sache schreiben, aber man weiß nie, was ein Brief erlebt. Wenn er z B verloren gehen sollte, wie die drei, die ich im Sommer von Leipzig aus in meine Hei­mat schickte!</p> <p>Du erhäl[t]st in diesen Tagen auch eine Nummer unserer Gartenlaube mit einem Artikelchen von mir. Ich wollte das­selbe könnte auch bei euch in die Öffentlichkeit und - allen­falls auch ans Geld gebracht werden. Unsere Gartenlaube zahlt noch sehr wenig. Für jenen Artikel bekomme ich höch­stens 8 fl. Banknoten. Für die Liebeszeichen berechnete man 65 fl, erhalten hab ich kaum die Hälfte. Und doch beklemmt mich Thalerlosigkeit und die vielen Abtheilungen meiner wunderbaren Brieftasche, um die du mich seiner Zeit be­neidetest, sind so merkwürdig leer, als nur etwas auf der Welt sein kann. Gekeilt werde ich auch nicht mehr werden, das ist mir klar, aber mutlos bin ich nicht. Ist erst einmal mein Roman aus dem Kopf, so will ich schon wieder etwas schrei­ben was Hände und Füße hat und seinen Weg findet. Warum sollte ich nicht hoffen, da sogar das Wible - hofft? Ich hab nun über die Liebeszeichen mich auszusprechen und zwar zuerst über meine Gedanken über die Strafe in der Dichtung. Das Unglück, wo es Strafe ist, soll den Menschen doch nur läutern, und nur den, der seiner Aufgabe nicht ge­wachsen ist, noch tiefer stürzen. Philomena küßt just nicht um dem Christian untreu zu werden, nicht um zu küssen, sondern um für vorurtheilsfreier zu gelten. Im Läuterungsfeuer der Reue, die doch ihrem etwas selbstsüchtigen Wesen gemäß dargestellt sein dürfte, lernt sie den endlichen Ge­liebten schätzen und verdemütigt sich vor ihm, wozu sie es ohne die Kußgeschichte wol niemahls gebracht hätte. Das Mädchen ist zu wenig tief angelegt, als daß man mehr von ihm verlangen könnte.</p> <p>Aus der Erzählung geht hervor, daß auch hier geküßt wird (Männer erinnern sich daran - Frauen küssen Kreuze u dgl) nur die strenge Sitte, öffentliche Meinung ist dagegen. Mir kommts vor, der Kuß ist hier etwas Großes, die Liebe etwas Unheiliges. Drum ist der Kuß Verliebter-Sünde. Aber in einem Augenblick, wo eine Mutter ihr Kind glücklich sieht, wo sie so erregt ist, wie wenn sie selbst in freudigem Dank­gebeth ihr Christusbild küßt, da findet sie natürlich, was in ruhigen Augenblicken die Verknöcherte Dienerin der stren­gen Sitte streng tadeln müßte. In der Erzählung wollte ich nebenbei den Kampf des rein Menschlichen mit dem künstlich geschaffenen, im Wesen des Volkes nicht vorhandenen Vor­urtheil zeigen. Vielleicht hätte das weiter ausgeführt werden sollen, doch wollte ich eben unsere Pfarrer einmal in Ruhe lassen. Es kommt immer schief, so oft ich das will. Als ich von Leipzig kam, erschien mein Kampf mir etwas klein. Ich wollte ruhig meinen Roman vollenden und athmete Friede und Versöhnung. Da hatten die Herren wieder Zeit eine Saat zu streuen die jetzt überall ausschlagt. Nun aber kenn ich auch keine Gnade mehr. Ich hatte mehr Glück als Verstand, daß mir die Unvorsichtigkeit der Gegner das Heft nochmals in die Hand gab. Jetzt muß es zum Biegen oder Brechen kom­men. Die Gegner scheinen auch so zu denken. Vorgestern wurde in Reutte, wo Du katholische Prozession mitmachtest, wörtlich foJgendes vor voller Kirche gepredigt: „Nicht nur da draußen nimmt die Glaubenslosigkeit überhand, auch in engen Thälern wie in der Nachbargemeinde Schoppernau glaubt man nicht einmal mehr an Gott und an die Unsterb­lichkeit der Seele." u s w</p> <p>Das Volk wird in erschreckender Weise aufgehetzt. Seit Rüscher etwas gebunden ist, beginnen andere zu hetzen. So, das ist nun der erste Brief mit täglicher Post. Ich bitte Dich, sie doch auch recht fleißig zu benützen. Schreib mir, wie Dir der Artikel gefalle, und benütze ihn wie Du willst u kannst. Weißt Du nichts damit anzufangen, so schick ihn wieder. Vorher lese ihn dem Klub vor und melde ihm mei­nen herzlichsten Gruß.</p> <p>Was macht Hirzel? Ich werde ihm dieser Tage wol auch ein­mal schreiben. Jetzt bin ich wieder am Roman, das nächste Mal sollst Du nun bestimmt davon hören. Grüß mir die lieben Deinen und alle die mir wohl wollen. Mit herzlichstem Gruß u Handschlag</p> <p>Dein&nbsp; Freund Franz Michael Felder</p> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Schoppernau Rudolf Hildebrand 2 Geburtstage eines Bäuerleins Allgemeine Stimmrecht Hbgtfvffuub Liebeszeichen Reich und Arm Schoppernauer Überfrag Wahlaffäre Zzgfigft Sat, 01 Mar 2014 08:00:00 +0000 st 530 at http://felderbriefe.at VON JOSEF FEUERSTEIN AUS BEZAU http://felderbriefe.at/brief/von-josef-feuerstein-aus-bezau-24 <div><span class="date-display-single">14. Februar 1868</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Lieber Freund!</p> <p>Die Wahl ist also vorüber u. ich gratulire zum neuen Amt als Gderath; ich u. du wissen, daß die Funkzionen die mit dieser Stelle verbunden sind von keiner Bedeutung sind, aber es ist eine moralische Genugthung, u. ein Erfolg, der zur Durchführung jeder Idee unumgänglich notwendig ist.</p> <p>Deine Prottokollsangaben sind jennen Abend, bevor Müller zur Vorsteherwahl nach Schoppernau kam auf dem Bezirksgerichte angekommen. Die Sache ist hier öffentlich bekannt u. macht Aufsehen. Ueberrascht hat mich die Nachricht daß am Tage der Vorsteherwahl zwischen beiden Partheien eine Versöhnungs­Scene stattgefunden habe; diese Nachricht brachte wenn ich nicht irre Herr Müller selbst.</p> <p>Der Artickel in der Presse ist Herrn Müller einige Tage früher zur Einsicht zugestellt worden worauf er gesagt habe, er gebe auf dieses Geschwätz gar nichts. Nun der Artickel der Feldkircher Zeitung von Schwarzenberg worrin man sein Vorgehen geradezu ungesetzlich nennt, könnte ihn doch etwas stutzig machen; aber er ist ein schlauer Vogel der nicht so leicht in eine Schlinge geht. Ich weiß nicht recht was du mit der Haltung des Volksblattes meinst. Wenn du die Arbeiterfrage meinst, so muß ich sagen daß es mich aneckelt, wenn sich diese Parthei anmaßt, den Anwalt für die Arbeiter zu spielen, ihre Grundsätze nach welchen sie vorgehen sind Absolutismus u. Zwang nach jeder Richtung, die Arbeiter Frage kann nur durch Freiheit gelößt werden. Es ist sehr zweifelhaft ob ich nach Au kommen werde. Mitkommend erhältstdu die PostZeitungen u. 1 Brief, auch schicke ich dir die schon längst zurück behaltenen Ausland Hefte. Mit vielen Grüßen</p> <p>Dein Freund Jos. Feuerstein</p> </div> <div> </div> Josef Feuerstein Bezau Franz Michael Felder Arbeiterfrage Wahlaffäre Fri, 14 Feb 2014 08:00:00 +0000 st 524 at http://felderbriefe.at AN JOSEF FEUERSTEIN IN BEZAU http://felderbriefe.at/brief/josef-feuerstein-bezau-17 <div><span class="date-display-single">12. Februar 1868</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Lieber Freund!</p> <p>Ich benütze die Gelegenheit, durch meinen Knecht Sprenger einige Zeilen an dich gelangen zu lassen. Die Wahlschlacht ist geschlagen und wir können mit dem Erfolge zufrieden sein indem wir 8 von den unsern in den Ausschuß brachten und unsere vier übrigen keine besonders gefährlichen Gegner sind. Müller wünscht die Vorsteherwahl möglichst schnell und rieth uns heute brieflich dem Frieden zu liebe wenigstens einen Gemeinderath aus der Gegenpartei zu wählen. Merkst du was? Wir sind entschlossen. Wozu kannst du dir denken. Schön ist das brüderliche Zusammenleben und Wirken wie es sich hier jetzt innerhalb der Parteien zu entwickeln beginnt. Davon habt ihr da draußen in euerer Gemüthlichkeit des Friedens wol kaum einen Begriff. Ich möchte nur wissen, welche Eindrücke Müller von hier mitnahm. Ich denke es muß ihm etwas peinlich gewesen sein. Wir blieben auf unserer Auslegung des Gesetzes und kümmerten uns nicht um Müller, die Gegner schienen ein gewaltsames Eingreifen zu erwarten und so hat es denn der gute Mann bei beiden Parteien verdorben. Morgen geh ich nach 14tägiger Un[ter]brechung wie­der an meinen socialen Roman. Ist dir die Haltung des Volksblattes nicht aufgefallen? Was sagst du zum Artikel in der n fr Presse? Und was sonst?</p> <p>Der Artikel, von dem ich dir sagte soll im Wanderer bereits erschienen sein. Sei so gut und frage auf der Post zuweilen nach und wenn du etwas in die Hände bekommst so behalte es bis du es mir beim Bothen versiegelt zuschicken kannst, denn ich habe Ursache, weder dem Postamt in Bezau noch dem Bothen in Au recht zu trauen.</p> <p>Lebe wol auf baldiges Wiedersehen in Au. Mit Brudergruß u. Handschlag</p> <p>Dein Freund F. M Felder</p> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Schoppernau Josef Feuerstein Post Wahlaffäre Wed, 12 Feb 2014 08:00:00 +0000 st 523 at http://felderbriefe.at VON CARL SEYFFERTITZ AUS BREGENZ http://felderbriefe.at/brief/von-carl-seyffertitz-aus-bregenz-3 <div><span class="date-display-single">12. Februar 1868</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Verehrter Freund!</p> <p>Dank für Ihre Zeilen - jedoch in Eile zugleich die Mittheilung, daß das bewußte Exemplar nicht beilag. Wahrscheinlich haben Sie es vergessen.</p> <p>Ich reise wahrscheinlich anfangs der nächsten Woche ab, bis dahin möchte ich gerne diese Beilage noch erhalten, wenn möglich wäre; können Sie mir nicht auch sagen, - ob, gegen die Störer der Wahlhandlung&nbsp;&nbsp; gerichtlich,&nbsp;&nbsp;&nbsp; d. h.&nbsp;&nbsp;&nbsp; kriminaliter&nbsp;&nbsp; eingeschritten wurde? Warum hat die F.Ztg. davon nichts gebracht?</p> <p>Viele Grüße in Eile IhrCS</p> </div> <div> </div> Carl Seyffertitz Bregenz Franz Michael Felder Wahlaffäre Wed, 12 Feb 2014 08:00:00 +0000 st 522 at http://felderbriefe.at VON RUDOLF HILDEBRAND http://felderbriefe.at/brief/von-rudolf-hildebrand-39 <div><span class="date-display-single">9. Februar 1868</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Lieber tapfrer Freund,</p> <p>Ich kann den Sonntag nicht vorüber lassen, ohne brieflich an Dich zu denken. Ich habe lange nicht so mit Wärme und Interesse nach Schoppernau und an Dich gedacht als in die­ser Zeit, und mit mir Deine hiesigen Freunde. Leid thut es uns freilich, daß Dich die Kämpfe für Licht und Recht von Deinem gemüthlichen Schreibtische wegziehen. Aber ich denke mir Dich auch gern als Vorkämpfer des Guten, ja ich beneide Dich im Grunde darum. Und doch möcht ich Dich bitten, Dich so bald es irgend geht, wieder davon los zu machen, daß Du zu Deiner Hauptaufgabe kommst. Wie steht es denn jetzt mit der Wahlsache? Ich bin höchst begierig .. . In der N. freien Presse war ja in einem Bericht aus Vorarlberg von Feuer zu lesen, das die Gegner in die Wahlurne gewor­fen hätten. Ist das möglich?! Da hätten sie ja euch die beste Waffe gegen sich in die Hand gegeben! Erfreulich ist mir daß der gute Felder so durchgekommen ist, grüß ihn doch von mir, der Club hat an seiner Heldenthat freudigen Theil genommen. Auch daß Du dabei mit Seifertitz in persönliche Berührung gekommen bist, ist mir außer­ordentlich angenehm; bitte, schick mir doch seinen ersten Brief an Dich einmal mit, ich möchte gern von Ton und Hal­tung seiner Ansprache an Dich einen Begriff haben. In Blu­denz und auf der politischen Reise hast Du doch an unsere poetische Wanderung damals gedacht? Ich habe in den Tagen von Bludenz hier viel erzählt, möchte auch gern einmal Dei­nen guten Schwager über diese Dinge hören. Auch die ver­sprochene Nummer des Volksblattes möcht ich schon sehen, ich schicke Dir sie wieder. Ich schicke Dir heute ewas Poeti­sches mit (zum Behalten), es war neulich im Schützenhause ein Concert, wo ich im Winkel sitzend und lauschend Dich lebhaft zugegen wünschte, besonders bei den von mir an­gestrichenen Nummern; laß Dir die Lieder einen Lichtblick in Deinem jetzigen Sturm sein, freilich hättest Du sie von den Wellen der Töne umspült hören müssen wie ich. Warum kannst Du nicht öfter hier sein!? Doch diesen Sommer — Eure Brixener werden jetzt blind und taub vor Fanatismus wie es scheint. In der Augsburger oder der Presse waren neu­lich Proben aus einem „Amuletft] für christliche Eltern und Kinder", die lustig waren; könntest Du mir etwa ein Exem­plar davon verschaffen? d. h. nur wenn Dirs ganz leicht zu­gänglich sein sollte, Du kannst es nach der neuen Postord­nung billig unter Kreuzband schicken. Auch Deinen Bericht in der östr. Gartenlaube möcht ich gar zu gern lesen. Glück zu zum weiteren Kampfe - nur kein Blut wieder! sondern kaltes Blut, Anton! sei um Gottes Willen euer Wahlspruch. Was sagst Du dazu, daß Deine Sonderlinge jetzt nach Holland gehen? Hirzel sagte mirs neulich mit Freude, ein einziger Amsterdamer Buchhändler hatte 8 Exemplare verlangt. Viel­leicht wird also in diesem Jahre eine zweite Auflage. Auch ich hab übrigens jetzt Kämpfe in Aussicht, mit Vor­urtheilen von Universitätsprofessoren; es würde zu lang sein dies brieflich klar zu machen. Unser Ministerium hat mich jetzt mit in eine Prüfungscommission für Philologen berufen, in der sonst nur Professoren Mitglieder sind. Meine Freunde sehen mich schon als Professor - doch ich rechne nicht etwa darauf. Bitte, vergiß doch nicht im nächsten Briefe mir folgende kleine Frage zu beantworten, ich brauche es fürs Wör­terbuch. In den Sonderlingen 2, 210 kommt vor: Der Barthle läßt sich nie so auskommen, daß . .. Das hab ich doch richtig erklärt? Sagt ihr aber nicht auch: er läßt sich nicht auskom­men mit Geldeoder ähnlich? Bitte vergiß nicht mich zu belehren.</p> <p>Deine Liebeszeichen haben wir im Club in 3 Abenden ge­lesen (d. h. ich habe sie gelesen), uns herzlich dran gefreut; es ist echte Poesie drin, obwol in der Exposition auch hie und da kürzer verfahren sein könnte. Aber an den entscheidenden Stellen trifftst Du die Stelle im Herzen, wo die echte Poesie sitzt, mit voller Wirkung! Doch blieben uns einige Fragen. Heute nur noch die eine. Mehrere von uns meinten, die Philomena komme für ihren Leichtsinn zu gut weg, werde zu wenig gestraft gegenüber der schweren Buße, die auf Franzsepp fällt; auch daß ihre Mutter nach dem schweren Aufbegehren übers Küssen dann so schnell wieder gut ist mit der Tochter, wollte nicht recht einleuchten. Ich habe Dich nach Kräften vertreten, möchte aber wissen wie Du Dich dar­über aussprichst, und bin eigentlich beauftragt, Deine Äuße­rungen darüber einzuholen. Du wirst jetzt freilich dazu nicht Lust und Stimmung haben, es hat ja keine Eile. Doch mit dem Papier ist meine Zeit alle, schönste Grüße an das Wible usw., für Dich aber wünscht des Himmels Schutz</p> <p>Dein R. Hildebrand.</p> </div> <div> </div> Rudolf Hildebrand Leipzig Franz Michael Felder Liebeszeichen Rößlestreit Sonderlinge Wahlaffäre Sun, 09 Feb 2014 08:00:00 +0000 st 520 at http://felderbriefe.at VOM K.K. KREISGERICHT FELDKIRCH http://felderbriefe.at/brief/vom-kk-kreisgericht-feldkirch <div><span class="date-display-single">8. Februar 1868</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>An</p> <p>Franz Michael Felder zu</p> <p>Schoppernau</p> <p>Es wird Ihnen hiemit bekannt gegeben, daß Ihre am 3. d. Mts. hier zu Protokoll gegebene Anzeige wider den Hausknecht des Rößle­wirthes in Schoppernau wegen schwerer körperlicher Beschädi­gung des Joh. Josef Felder alldort an das k.k. Bezirksamt Bregenz als Untersuchungsgericht zur kompetenten Amtshandlung u. die Anzeige wegen der Störung der Wahl am 26. v. Mts. zu Schop­pernau an das k.k. Bezirksamt Bezau zur eigenen Amtshandlung heute abgetreten worden sey. K.K. Kreisgericht Feldkirch am 8. Februar 1868.</p> <p>Der k.k. Präses Trentinaglia</p> </div> <div> </div> K.K. Kreisgericht Feldkirch Franz Michael Felder Rößlestreit Wahlaffäre Sat, 08 Feb 2014 08:00:00 +0000 st 516 at http://felderbriefe.at VON JOSEF FEUERSTEIN AUS BEZAU http://felderbriefe.at/brief/von-josef-feuerstein-aus-bezau-23 <div><span class="date-display-single">1. Februar 1868</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Lieber Freund!</p> <p>Gestern war hier Musikantenball u. ich habe etwas später Polizei­stunde gemacht. Ich hatte Gelegenheit in größerer Gesellschaft, bei welcher auch Bezirksvorsteher Müller anwesend war die Schop­pernauer Wahl in Anregung zu bringen. Die Ansichten waren getheilt, die des Herrn Bezirkvorsteher Müller gründet sich auf § 6. und wenn derselbe bei euch die Wahl leitet, so wird auch nach demselben den Alpmeistern gestattet werden, /u. zwar ohne Voll­macht:/ die betreffende Stimme für die Alpe abzugeben. Dieser Ansicht des H. Bez. wurde aber die Behauptung entgegen gestellt, daß die Alpmeister nicht berufen seien, dieselbe nach Außen zu vertretten, sondern nur im Innern zur Verwaltung der betreffenden Angelegenheiten aufgestellt seien, eine solche gesetzliche oder geselschaftliche Bestimmung wie § 7. sie ausdrücklich verlange liege nicht vor, u. bestehe auch in Wirklichkeit nicht, denn sonst könnten die Alpmeister gültige Verträge abschließen was aber nicht derFall sei. Ob eine gemeine Alpe unter dem Nammen Korporation verstanden sei, wurde auch bezweifelt.</p> <p>Uebrigens, wenn ich bei der Wahl-Comission wäre, würde ich dafür stimmen, daß die Alpmeister ohne Vollmacht abgewiesen würden, dann steht ihnen gegen die Wahl wieder der Rekurs offen. Ich muß noch bemerken, daß Bez. V. sich geäußert, wenn die Interessenten wollen, können sie auch einen Ändern bevollmächti­gen, als den Alpmeister, was jedenfalls zu einer Demonstration benützt werden könnte. Uebrigens erscheint mir diese Ansicht des H. Bez. inkonsequent. Die Leitung der Wahl hätte ich unter keinen Umständen abgegeben, nur allenfalls gesetzlichen Schutz in Anspruch nehmen. Uebrigens laß dir durch diese Spielereien die Faßnacht nicht verderben; wenn nicht die Verletzung des Uhren­machers wäre, so wäre das Ganze nur eine Angelegenheit die das Monotone des Dorflebens etwas färbt u. Licht u. Schatten wirft. Was machst du denn jetzt u. was war der Grund, daß du gar nichts mehr von dir hören ließest. Es grüßt dich</p> <p>Dein Freund Josef Feuerstein</p> </div> <div> </div> Josef Feuerstein Bezau Franz Michael Felder Wahlaffäre Sat, 01 Feb 2014 08:00:00 +0000 st 515 at http://felderbriefe.at VON JOSEF NATTER AUS SCHOPPERNAU AN FRANZ MICHAEL FELDER IN BLUDENZ http://felderbriefe.at/brief/von-josef-natter-aus-schoppernau-franz-michael-felder-bludenz <div><span class="date-display-single">31. Januar 1868</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>„Werther Herr Moosbrugger!</p> <p>Hier in Schoppernau ist ein Gewisser, zweiter ,Wahlkommissär' genannt, abhanden gekommen; da Sie nun unzweifelhaft am besten wissen, wo sich derselbe befindet, ersuche ich Sie höflichst, ihm diese Zeilen schnellsten zugehen zu lassen. Erstlich habe ich Dir (nämlich dem Wahlkommissär), zu berichten, daß der Bezirksvorsteher den Wahltag neuerdings hinausgescho­ben hat, und dieselbe nun auf den 7. Hornung festgesetzt ist. Ferner ist auf der ,alten' Seite auf einmal ein solcher Friedensdusel entstanden, daß es zum Erstaunen wäre, wenn man dasselbe hier nicht schon lange verlernt hätte. Am letzten Dienstag hatte unser Pfarrer in Au von der dort versammelten Geistlichkeit eine derbe Zurechtweisung erfahren, in Folge dessen mußte er mit dem ,Döckterle' abmachen, was dieses auch einging u. seine Klage zurücknahm. In Schoppernau selbst begehrte der alte Vorsteher mit dem Willi auf, erzählte ihm einige Ursachen des jetzigen Streites, worauf derselbe anscheinend etwas von seinem Eifer für die Gottheit im schwarzen Rocke verlor. Überhaupt zeigten sich die ,Alten' gestern überall freundlich, wie sie es seit Monaten nicht mehr waren. Der Feuerstein schämt sich jetzt, in Bezau gewesen zu sein, u. schiebt die Schuld auf den Willi. Derselbe mußte auch den Unterhändler bei unserer Partei machen, u. da der alte Vorsteher solchem am zugänglichsten war, eröffnete er diesem eben, daß man Frieden wolle, ,die Vorsteher sollten sich mit dem Pfarrer versöhnen u. zu ihm gehen, dann wolle man stimmen, wem es auch sei'. Auch schwöre der Pfarrer Eide soviel man wolle, daß er seinerseits sich ändern u. bessern wolle.</p> <p>Das war denn doch zuviel verlangt, die Vorsteher erinnerten den Gesandten an ihr früheres Schicksal bei einer solchen Mission und lehnten kurzweg ab.</p> <p>Nun ging man weiter, man erklärte: ,Man wolle mit der alten zufrieden sein, den Protest zurückziehen, unter der Bedingung, daß der Gemeinderath die Protestanten ihre Opposition gegen ihn später nicht entgelten lasse.'</p> <p>Ich mußte staunen, als der alte Vorsteher mir dieses erzählte, u. diesem Vorschlag das Wort redete. Ich erwiederte nichts darauf, als: Ob er glaube, daß dieß gesetzlich, oder auch nur möglich sei. Denn es müßte dazu alles einverstanden sein. Für die,alte' Seite sei der Wille Bürge, daß man es zufrieden sei, u. wir, meinte er, könnten es auch, wenn wir nicht böswillig seien, u. nicht lieber Krieg als Frieden wollten. Ich ging zu unseren Parteigenossen, aber da lautete es ganz anders, da will man nichts von einer solchen, ohnehin unmöglichen Verquickungwissen, was mich sehr freut. Es würde mich wahrhaft gereuen, zu einer solchen Parteibildung beigetragen zu haben, um dann alles der List eines verkommenen Pfaffen zu opfern.</p> <p>Dieß ist die Lage, wie ich sie bei meiner Nachhausekunft angetrof­fen. Unsere Freunde vermuthen darin einen neuen Streich gegen Dich, da es bekannt, daß Du fort bist. Man könnte dann sagen, seht, sobald der Anstifter fort ist, gibt es Frieden. Doch kannst Du unbesorgt sein, wir wollen schon sorgen, daß wir wenigstens nicht durch eine solche Niederträchtigkeit, wie dieses Friedensangebot eine ist, besiegt werden.</p> <p>Es ist sonst noch manches geredet worden, das die Mutlosigkeit unserer Gegner konstatirt, allein es ist an dem angeführten genug. Mach Du nur vorwärts, u. erscheine zur rechten Zeit wieder daheim. Der Bote hat am Mittwoch noch zwei Briefe an Dich vergessen, als Du am Morgen dort warst, der eine von Feurstein Bezau, der eine von Bludenz.</p> <p>Feurstein tratt darin unserer Ansicht vom Gesetze bei. Sonst läßt Dich grüßen: das Wible, der Körler, dessen Wunde nicht bessern will, die Oberhauser u. Dein</p> <p>Kutscher. Natter</p> </div> <div> </div> Josef Natter Schoppernau Franz Michael Felder Wahlaffäre Fri, 31 Jan 2014 08:00:00 +0000 st 512 at http://felderbriefe.at AN RUDOLF HILDEBRAND http://felderbriefe.at/brief/rudolf-hildebrand-53 <div><span class="date-display-single">31. Januar 1868</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Lieber Freund!</p> <p>Der Wahltag, von vielen ängstlich erwartet, ist vorüber, die Wahl aber nicht. Ich als Herr Wahlkommissär legte unser Wahl­gesetz anders aus als das Bezirksamt, welches offenbar meine Gegner unterstützt. Die Gemeinde behandelte die von mir angeregte Frage mit einer Leidenschaftlichkeit welche bald den Fortgang der Wahl unmöglich machte. Jetzt erst wird die Geschichte interessant. Ich trette dem Amt gegenüber und kämpfe den Kampf mit allen Mitteln aus. Ich war lang nie in so froher Stimmung als jetzt. Am Montag meldeten wir dem Amte den ganzen Vorgang, den ich Dir wol einmal des Langen und breiten erzähle. Das Amt bleibt bei seiner Auslegung des Gesetzes ich bei der Meinigen. Am Dienstag verschafften meine Freunde mir ein Fuhrwerk, mit dem ich mich beim schlechtesten Wetter nach Bregenz machte. Ich besuchte dort zuerst den Schriftsteller Byr, und dann so bald es mir möglich war, den Baron von Seyffertitz, der sich sehr erfreut über meinen Besuch zeigte. Seine Frau lud mich auf Mittag ein, bis dahin brachte ich den Baron, der unterdessen mehrere Besuche abzuweisen schien meine sämtlichen Angelegenheiten vor.</p> <p>Der Baron theilte meine Auslegung des Wahlgesetzes gegen­über dem Bezirksrichter, der mit seiner Auffassung den Geg­nern den Wahlsieg sichern zu wollen scheint. Ist doch in der Sache des Uhrenmachers noch nichts geschehen, vermuthlich weil der Rößlewirth durch die Untersuchung unwählbar wer­den könnte. Ich legte dem Baron das und noch vieles klar, worauf er mir kräftigste Unterstützung versprach mir auch sofort ein Empfehlungsschreiben nach Feldkirch gab und mich auch an die Staatsanwaltschaft wies. Ich kann Dir natür­lich jetzt nicht die ganze Verhandlung erzählen, der Eindruck der letzten Tage auf mich ist der, daß alles noch ein gutes Ende nehmen werde.</p> <p>Daß ich nun auch zum Schwager gieng, kannst Du Dir den­ken, ich werde mit ihm zwei schöne Tage der Erholung ver­leben und dann über Bregenz wieder heim um vielleicht am nächsten Donnerstag die dritte Wahl zu versuchen. Der Uhrenmacher mußte 15 Tage das Bett hüten. Jetzt sitzt er zuweilen ein Stündchen in der Stube. Den Gruß von Dir hab ich noch nicht ausgerichtet, da ich Deinen Brief erst auf der Reise erhielt. Ich gehe mutig und mit dem Sicherheitsgefühl des Rechtes heim. Unser Kampf gleicht einer anfangs unbe­deutenden Lauine. Ich sehe sie fröhlich wachsen. Mehr spä­ter. Beruhige Dich und Andere. Mit Gruß u Handschlag</p> <p>Dein Freund Felder reisender Wahlkommissär Am Mittwoch komm ich wieder heim.</p> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Bludenz Rudolf Hildebrand Wahlaffäre Fri, 31 Jan 2014 08:00:00 +0000 st 511 at http://felderbriefe.at KASPAR MOOSBRUGGER AN FRANZ MICHAEL FELDER http://felderbriefe.at/brief/kaspar-moosbrugger-franz-michael-felder-74 <div><span class="date-display-single">29. Januar 1868</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Lieber Freund!</p> <p>Den Aufsatz an die Gartenlaube habe ich durchgesehen. Wo die Rede davon ist, daß einige Geistliche die Gewalt über ihre Gläubigen verloren haben, habe ich vor „Gewalt" das Beiwort „volle" gesetzt, wonach nun der Satz die Auslegung zuläßt, daß diesen Geistlichen doch noch einige Gewalt geblieben ist. Wo Du am Ende von zwei „religiösen Parteien" redest, habe ich das Beiwort „religiöse" gestrichen. Ich habe dabei gedacht, Du wollest dem Berchtold doch gar so auf­fallend nicht recht lassen. Unter Deiner Unterschrift im Brief an Pröll habe ich folgendes beigesetzt:</p> <p>Verehrte Redaktion!</p> <p>Ich habe den beiliegenden Aufsatz meines Schwagers, der mir selben zur Durchsicht geschickt hat, gelesen, bin voll­kommen mit demselben einverstanden und möchte wie Fel­der, daß er baldigst gedruckt und veröffentlicht werde. Die geehrte Redaktion übt in Wahrheit Humanität, wenn sie sich eifrig der Sache annimmt. Die erzählten Tatsachen können vollkommen erwiesen werden und ich stehe mit Felder für die Wahrheit derselben ein.</p> <p>Hochachtungsvollst K.M.</p> <p>Mit dem habe ich Aufsatz und Brief, ohne an ersterem anderes als das Bemerkte geändert zu haben, an die Redak­tion am Montag noch abgeschickt. -</p> <p>Diese Deine Arbeit ist ein Kind einer glücklichen Stimmung, verrät Kraft und Mut, möge beides Dir dauernd beschieden bleiben. -</p> <p>Auf den vorigen Brief habe ich eingehend geantwortet und ich fürchte nun nicht mehr, daß Du die Antwort nicht ruhig verdauen könntest. Literaten kämpfen mit ihren Waffen, Juristen mit den ihrigen, jeder mit den seinigen. Hier ist schon ein respektabler Klub von Lassalleanern, von denen Du nächstens in unsern Blättern rumoren hören wirst. Ich sehe es gerne, daß das Volksblatt auf die Lassallesche Richtung eingeht, und ich habe mein Scherflein zu dieser Wendung beigetragen. Meine „Mahnworte", die Du lesen wirst, schickte ich auch ans Volksblatt, teils weil es das verbreitetste Landes­blatt ist, teils um eine Fühlung zu erlangen. Aus dem an­liegenden Brief ersiehst Du das Echo und wie ich's aufnahm. Fürchte nicht, daß ich ein Ultramontaner werde, diese müssen vielmehr Lassalleaner werden. Meine Spekulation ging von Anfang an dahin. Ihr Sturz im Staat weist sie an die Massen, diese aber lassen sich nur durch handgreiflichen Erfolg be­wegen. Lassalles System fußt auf dieser Einsicht. Die Ultramontanen werden sie auch bekommen, und dann kann und wird den Massen geholfen werden. Wie geht's dem Pius? Schick mir die Anlage zurück und schreibe bald. Mit Gruß und Handschlag</p> <p>K. Moosbrugger</p> <p>[Am Schluß vorstehenden Briefes vom 29. 1. 68 befindet sich folgender nachträglicher Vermerk von K. Moosbrugger ange­bracht:]</p> <p>Bevor dieser und der vorgängige Brief an die Adressen kamen, war Felder bei mir. Die Wahl hätte sollen vor sich gehen. Die Rüscherianer verlangten Zulaß gesetzwidriger Vollmachten, tumultuierten über deren Zurückweisung durch die Wahlkommission und warfen Feuer in die Wahlurne. Gleich nach vereitelter Wahl eilte Felder zu mir um Rat. Ich riet ihm, gleich nach Feldkirch zu gehen und beim Staats­anwalt zur Anzeige sich zu melden. Das Weitere melden die folgenden Briefe.</p> </div> <div> </div> Kaspar Moosbrugger Bludenz Franz Michael Felder Österreichische Gartenlaube Wahlaffäre Wed, 29 Jan 2014 08:00:00 +0000 st 508 at http://felderbriefe.at