felderbriefe.at - Sonderlinge http://felderbriefe.at/taxonomy/term/6/0 de VON JOSEF FEUERSTEIN AUS BEZAU http://felderbriefe.at/brief/von-josef-feuerstein-aus-bezau <div><span class="date-display-single">2. Juni 1868</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <div> <p>Lieber Freund!</p> <p>Ich habe meine Antwort wieder eine zimmliche Zeit verschoben. Dafür weiß ich nun aber auch daß du dein Reiseprojekt wegen Besuch Deines Hr. Schwagers noch auf einige Zeit verschieben werdest u. ich Dich jedenfalls in kurzer Zeit mündlich sprechen werde. Deßwegen fällt die Reisebesprechung weg. Hiemit erhältst du 2 Bändchen von Don Juan 1 Bändchen von Heine u. 1 Band von Lenaus Gedichten. Schicke mir wieder 2 Bändchen von Heine er gefällt mir mit seinem unergründlichen Witz.</p> <p>Es freute mich zu hören, daß dein letz[t]es Werk „Sonderlinge" nun auch ins Holländische übersetzt wurde es ist dieß jedenfalls ein Beleg daß dein Werk auch im Auslande Anerkennung findet. Wie mir scheint hast du die Beantwortung der Frage über die Vermögensteuer ganz vergessen; ich habe mich deßwegen an Hr. Adjunkt in Bludenz gewendet der mir sehr umfassend geantwortet, mir aber auch die Begeisterung zu meiner Idee etwas benommen hat. Schreibe mir wenn Hr. Adjunkt bei dir ist. Ich gebe mein Pferd auf die Sommerung in die Alpe Korb eine Stunde von Au und werde es selbst hinein bringen und könnten uns dann in Au treffen. Auf baldiges Wiedersehen grüßt Dich</p> <p>Dein Freund Josef Feuerstein</p> <p>Meine Frau ist gegenwärtig in Bregenz u. hat sie Frau v. Beier um die Goldeise resp. Gartenlaube, die sie ihr schon voriges Jahr versprochen, wieder angegangen.</p> <p>Habe die Güte dieselbe durch den Auerboth an mich zu über­senden.</p> <p>&nbsp;</p> </div> </div> <div> </div> Josef Feuerstein Bezau Franz Michael Felder Heine Sonderlinge felderbriefe.at newsletter Mon, 02 Jun 2014 07:00:00 +0000 st 578 at http://felderbriefe.at FRANZ MICHAEL FELDER AN KASPAR MOOSBRUGGER http://felderbriefe.at/brief/franz-michael-felder-kaspar-moosbrugger-6 <div><span class="date-display-single">7. Mai 1868</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Lieber Freund!</p> <p>Gestern abends vor einem Jahr kam ich mit dem Wible als Flüchtling in Bludenz an. Damals war der Frühling hier bereits eingezogen, jetzt liegt unser Feld noch fast ganz unterm Schnee. Sonst aber hat sich hier seit damals vielerlei gebessert. Ich kann die Rüscheriade als abgeschlossen betrachten. Der Mann kommt in seiner Wut so weit, daß er sich sogar vor der Menge nur noch lächerlich macht. Die Sympathien seiner Berufsgenossen sind verloren, ja es scheint, daß er versetzt werden soll. Seine Köchin mußte schon von amtswegen fort, worüber hier der Jubel noch nicht ganz verhallt ist. Ich bin wegen meinem Tagespost-Artikel vorgeladen worden, und Rüscher kann aus den Angaben, die ich zu meiner Verteidi­gung machte, noch eine böse Suppe erwachsen. Der Pfarrer von Bizau ist durch seinen Tod einer Untersuchung ent­ronnen, die ohne mein Wissen sogleich eingeleitet wurde.</p> <p>Mit dem allem wären wir also - hoffentlich für immer - fertig. Auch ,Reich und Arm' ist endlich vollendet. Ich bin mit dem Ganzen nach einer Durchsicht recht zufrieden. Die Ultra­montanen sind leider auch mehrfach mitgenommen. 1. Ihr Einfluß auf den „letzten Willen", der die erste Verwirrung des Romans schafft. 2. Ihre Abhängigkeit von Brixen und unwissenden Kapuzinern (zeigt sich in der Erzählung). 3. Ihr Bestreben, durch die Betschwestern öffentliche Meinung zu ihrem Vorteil zu machen. 4. Ihre Abhängigkeit von diesen ihren Werkzeugen, die sie sogar im Beichtstuhl falsch leitet.</p> <p>Besondere Vorsicht erforderte die künstlerische Behandlung des letzten Punktes. Der Kaplan, in dem sich das alles spiegelt, steht unter einem tüchtigen Pfarrer, der „in Konstanz studiert" haben will. Auch der Kaplan kommt zur Einsicht und trägt schließlich zur Lösung des Ganzen bei. Das ist die Rolle, welche so nebenbei den Brixnern in meiner Erzählung ange­wiesen wird. Ich hoffe, daß das Ganze Dich befriedigen wird. Es ist zart gehalten und vermeidet alle Reflexion, um desto mehr auch in den Kreisen zu wirken, die der Hauptfrage aus dem Wege gehen.</p> <p>Die Arbeit ging bereits nach Leipzig ab. Sie kommt dorthin für mich zu guter Stunde. Letzte Woche ward mir gemeldet, und zwar von Alkmar aus, daß eben eine Übersetzung meiner Sonderlinge ins Holländische im Erscheinen ist. Der Über­setzer spricht sich sehr günstig über das Ganze aus, hofft bedeutenden Erfolg und wünscht mein Bild, um es nachge­stochen dem Buche noch beigeben zu können. Dieser Um­stand, wenn auch materiell nicht einträglich, wird mir und meinem neuen Werke trefflich zustatten kommen.</p> <p>Andres hoff ich bald mündlich mit Dir besprechen zu können. Am Montag geh ich vermutlich nach Lech, wo Pfefferkorns Xaver mit Schlossers Rosa von Au Hochzeit hält und ich als Abdanker dringend gebeten bin. Kannst Du noch keine Zu­sammenkunft ansagen, so schreibe bald, was Ihr macht. Mit Gruß und Handschlag Dein Freund</p> <p>F. M. Felder</p> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Schoppernau Kaspar Moosbrugger Lech Oberhäuser Familie Reich und Arm Sonderlinge Wed, 07 May 2014 07:00:00 +0000 st 569 at http://felderbriefe.at AN RUDOLF HILDEBRAND http://felderbriefe.at/brief/rudolf-hildebrand-1 <div><span class="date-display-single">30. April 1868</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Lieber Freund!</p> <p>Schon als lang erwartetes Lebenszeichen war mir Dein letz­tes Schreiben sehr erfeulich. Der Inhalt aber hat mich recht, recht glücklich gemacht. Du wirst dem Übersetzer antworten und vielleicht seinen Wunsch wegen der Vorrede erfüllen. Ich überlasse das ganz Dir, denn ich weiß, wie Du für mein Bestes bedacht bist. Laß ihn mir aber freundlich grüßen, spreche meine Freude über seine That aus und bitte ihn wenigstens für uns um einige Exemplare. Wenn Du willst, kannst Du ihn auch auf reich und arm aufmerksam machen. Dieser Roman, ich glaube mir die Bezeichnung erlauben zu dürfen, ist nun fertig. Eben lesen wir, ich und das Wible, ihn zusammen durch und haben dabei recht schöne Stunden. Ich bin mit der Arbeit sehr zufrieden. Man hat es darin fast nur mit guten, zum Theil allerdings verirrten Leuten zu thun, deren Wesen und Wirken wol auch andere interessieren dürfte, die meiner Heimat fernerstehen. Es sind Menschen mit ihren Vorzügen und Fehler[n]. Ich bin unsäglich begierig auf Dein Urtheil und kann es kaum noch erwarten, bis Du Dich darüber aussprichst. Ich werde Dir daher schon in der nächsten Woche das Ganze übersenden. Hirzeln kannst Du das Nötige melden. Das Weitere können wir wol mündlich abmachen, wenn Dir eine Unterhandlung peinlich sein sollte, denn ich denke ernstlich an die Reise nach Leipzig und es wäre möglich, daß ich schon Anfangs oder Mitte Juni käme, während die Meinen in Hopfreben sind. Es wird ohne mich schon enge genug in der kleinen Hütte. Die Artikel im Wanderer und Tagespost haben die Behör­den zum Einschreiten gedrängt. Ich habe seit dem letzten Brief Unglaubliches erlebt, aber im Ganzen macht sich die Sache immer besser und ich kann mit dem Erfolge sehr zu­frieden sein. Sogar der Klerus läßt Rüscher fallen. Der Mann ist wüthend, aber er kann bloß leeres Stroh dreschen. Der Erfolg unseres Käse-Vereins ist ein glänzender, das Ländchen hört immer mehr auf mich und ich fühle mich von nichts mehr als von Mangel gedrückt. Hoffentlich ist das, wenn nicht zu überwinden, so doch zu ertragen. Die Vergrößerung der Familie durch meinen Martin hat mich doch gefreut u dem Wible thut es wol, das Kind mit dem Nahmen seines Vaters anreden zu können, der vor 11 Jahren starb. Hier hats noch 2 1/2 Fuß Schnee, der Frühling wird aber nun schnell einziehen. Ich freue mich auf die milde Jahreszeit und auf Leipzig und auf reich und arm und auf die Sonder­linge im Holländischen. O das Leben ist doch hübsch über­all wo mans erfaßt oder nur eine Strecke geht und etwas thut.</p> <p>Lang ist mir nie so wol gewesen als jetzt vor meiner voll­endeten Arbeit. Ich halte das für ein gutes Zeichen. Viel viel möcht ich von meiner Arbeit sagen, aber Du wirst sie ja lesen und dann können wir, und mündlich darüber reden. Laß mir den Club und alle Treuen grüßen, und melde meine Freuden allen, die auch meine Leiden und Sorgen theilten. Von der Verfolgungsgeschichte will ich im Sommer erzählen bis ihr mehr als nur genug habt. Heute kein Wort mehr da­von. Lebe recht recht wol! es grüßt dich herzlich</p> <p>Dein Freund F M Felder.</p> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Schoppernau Rudolf Hildebrand Grotendik Reich und Arm Schnee Sonderlinge Wed, 30 Apr 2014 07:00:00 +0000 st 567 at http://felderbriefe.at AN KASPAR MOOSBRUGGER IN BLUDENZ [ENTWURF] http://felderbriefe.at/brief/kaspar-moosbrugger-bludenz-entwurf <div><span class="date-display-single">27. April 1868</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Lieber Freund!</p> <p>Von meinem Übergang so ziemlich wieder hergestellt, war ich immer mit meinem Roman beschäftigt. Ich lebte mich ganz in ihn hinein und aus unsern elenden Dorfhändel heraus drum sag ich Dir von den Letzteren nur, daß Rüscher es immer buntertrieb, biserdie Achtung auch seiner Berufsgenossen verlor. Mit solchem Gegner nun mag ich nichts mehr haben und überlasse ihn der strafenden Gerechtigkeit. Er ist im Anklagezustand, und ich wurde bereits, ohne geklagt zu haben, zu einer Einvernehmung über die jüngsten Thatsachen vom Staatsanwalt vorgeladen. Bei dieser Gelegenheit sah ich in Bezau ein Bischen vom Frühling, der hier noch immer nicht kommen will.</p> <p>Mein Roman ist eben fertig geworden. Ich freue mich der Arbeit, in der ich manches vermied, was mir später an den Sonderlingen mißfiel. Ich will das nicht lobend erwähnen, weil ich glaube, daß es auch von Dir gefunden werde. Daß Die Helden keine Grübler mehr sind hast Du schon gesehen und wol auch daß das Ganze nirgends von des Gedankens Blässe angekränkelt erscheint. Du hast ja den ersten, jetzt etwas veränderten Theil gelesen, aus dem der zweite mit dem tragischen Schlüsse ganz natürlich heraus wächst.</p> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Schoppernau Kaspar Moosbrugger Reich und Arm Sonderlinge Sun, 27 Apr 2014 07:00:00 +0000 st 566 at http://felderbriefe.at VON FRIEDRICH RIEDLIN AUS FRIEDRICHSHAFEN http://felderbriefe.at/brief/von-friedrich-riedlin-aus-friedrichshafen <div><span class="date-display-single">19. März 1868</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Hochgeehrtester Freund!</p> <p>Schon lange hätte ich Ihren lieben Brief vom 14 November vrg. Jhrs., beantwortet, allein da ich auf den angemeldeten Besuch wartete, so hatte ich die Beantwortung desselben unterlassen.</p> <p>Offen gestanden, es freute mich auf den angekündigten Besuch, erstens um über Ihre werthe Person Näheres zu erfahren, was hier nicht wohl angeht, u. zweitens, weil ich in der That sehr gespannt war, Ihre geistigen Produkte nun einmal persönlich kennen u. achten zu lernen. Ich bin sehr begierig auf Ihre „Sonderlinge", o haben Sie die Güte u. überschicken Sie mir einmal mit Gelegen­heit, einige Ihrer Geistesprodukte. Das Werk von Riehl, von welchem Sie in Ihrem Werthen vom 14 Nov. reden, kenne ich nicht. Ebenso ist mir von der Arbeiterbewegung in Wien nichts bekannt, da das hiesige Blatt sich um soziale Zustände wenig kümmert, sondern darin all seine Kräfte verwendet, um während der Zollparlaments-Abgeordnetenwahlen die Katholiken gegen Preußen u. den Protestantismus aufzuhetzen. Theuerster Freund! Am meisten Freude hätten Sie mir bereitet, wenn Sie mich im Januar persönlich besucht hätten. Schade, daß Sie nicht Zeit hatten, welcher Gedankenaustausch hätte da Statt gefunden. Würden Sie in irgend einer Stadt am Bodenseeufer wohnen, ich hätte Ihnen schon längst besucht, doch hoffe ich, daß wir einander im nächsten Sommer in Lindau oder Bregenz treffen können.</p> <p>Über Ihren Aufenthalt in Leipzig, den sie in der östreichischen „Gartenlaube" beschrieben, habe ich bis dato ebenfalls noch nichts erfahren. Um noch einmal auf Ihre „Sonderlinge" und Ihren neueren Roman zurückzukommen, bin ich sehr begierig, wie Sie die religiösen u. sozialen Fragen behandeln. Hätte ich Zeit genug, so würde ich eine Schilderung der religiösen und volkswirtschaft­lichen Zustände Oberschwabens schreiben, leider würde ich aber unter der hiesigen Bevölkerung wenig Freunde gewinnen, denn bei solchen Abfassungen heißt es eben „Wahrheit gegen Freund und Feind", u. die Wahrheit hört man bekanntlich am ungernsten, besonders die Ultramontanen, die hier eine bedeutende Macht besitzen. Stoff u. ältere u. neuere Quellen hätte ich hinreichend, nur fehlt mir neben der erforderlichen Zeit auch die classische Bildung dazu.</p> <p>Mit Bedauern lese ich in jedem Ihrer werthen Briefe, von den Umtrieben der Ultramontanen, die Ihnen manche schöne Stunde verbittern, doch auch Ihnen gilt was Schiller sagt: „Männerstolz vor Königsthronen, - Brüder, galt es Gut u. Blut-dem Verdienste seine Kronen, Untergang der Lügenbrut".</p> <p>Was soll ich Interessantes von meiner Wenigkeit berichten? Es geht eben alles seinen gewöhnlichen Gang: arbeiten, mit seiner Existenz u. ändern Widerwärtigkeiten kämpfen, wechseln immer mit einan­der ab. Es ist immer die alte Leyer.</p> <p>Von Seiten der Direktion in Stuttgart sind nicht nur strengere Maßregeln gegen die Arbeiter in den königlichen Werkstätten verfügt, sondern auch die Akordszahlungen bedeutend herunterge­setzt worden, gewiß eine erfreuliche Überraschung! Stehen die Lohnherabsetzungen auch im Einklang mit den Gehaltserhöhun­gen der Beamten? Auf der einen Seite verlangt die Ständekammer Einschränkungen, besonders im Betriebswesen, während sie auf der ändern Seite das Geld durch das Militär- u. [Beamtenwesen] Millionenweise hinausschleudert. Doch genug hievon. Für dieses Jahr habe ich folgende Blätter abonnirt: Das „Daheim", die Lahrer „Illustrirte Dorfzeitung" das „evangelische Sonntagsblatt" u. das „Calwer Missionsblatt" u. das hiesige „Seeblatt". Meine Schilde­rung: „Aus dem Leben eines Proletariers" hatte ich am 6 Januar vollendet u. am gleichen Tage an 2 Verlagshandlungen geschrie­ben. 8 Tage später schickte ich das Manuscript nach Lahr, von wo ich eine bejahende Antwort erhalten hatte. Am lezten Samstag d. 14/3 erhielt ich von Hr Geiger, Redakteur d. illustr. Dorfzeitung, die Nachricht, daß er mein Manuscript seinen Mitarbeitern zur Durchsicht zugesandt, aber über die An- oder Nichtannahme desselben noch nicht berichten könne, da jene Herren ihr Domicil nicht in Lahr sondern auswärts haben, u. in Folge Geschäftsaufhäu­fung eine Antwort noch nicht eingetroffen sei. Ich versprach, Ihnen seiner Zeit, das Manuscript zu überschicken, unterließ aber das­selbe um Ihnen später mit dem Gedrukten überraschen zu können. Ob mir aber dieser Wunsch gelingen wird, steht noch dahin! Jedenfalls erhalten Sie das Manuscript zur Durchsicht, wenn es in Lahr nicht gedruckt wird. Indessen grüßt Ihnen</p> <p>Ihr aufrichtiger Freund Friedr. Riedlin</p> </div> <div> </div> Friedrich Riedlin Friedrichshafen Franz Michael Felder Sonderlinge Ultramontane Wed, 19 Mar 2014 08:00:00 +0000 st 549 at http://felderbriefe.at VON MARTIN ILG AUS WIEN http://felderbriefe.at/brief/von-martin-ilg-aus-wien <div><span class="date-display-single">15. März 1868</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Euer Wohlgeboren!</p> <p>Vor allem bitte um Vergebung daß ich es wage Ihre kostbare Zeit in Anspruch zu nehmen, wenn es auch nur die wenigen Minuten betrifft, diese Zeilen durchzulesen. Als s. Z. ich erfuhr: Nümma­müller u. schwarze Kasperle sei erschienen, bestellte mirs direct in Lindau. Nachdem ichs mit vielen Vergnügen gelesen, lieh ich das Werkchen den Professoren am hiesigen k: k: academi u. Schotten­gymnasium welche „sämtl." sich lobend darüber aussprachen. Dann ruhte daßselbe in m. Bücherschrank, wo ich bedeutende Menge bey 3000 andere Bände habe; auch über Vorarlberg u. Tyrol fast alles nur, was zu verschaffen ist. Ihre Sonderlinge - dann kl. Nov. in östr. Gartenlaube machten den Schluß. Vor ca 10 Tagen erschien im Wanderer an Stelle wo ansonsten Feuilleton - Platz angewiesen: Über Schoppernau - diesen Artikel gab ich Freund Rit. v. Bergman, wie überhaupt wir gegenseitig alles austauschen, wo was erscheint das - Landl - betreffend... Gestern schickte mir der Hr Landsmann ihm geliehene Feldk. u. Bregenzer Landeszeitung retour, mit inneliegendem Zettel u. dieser kl. winzige Gegenstand ist eigentlich mit Veranlassung m. Schrei­bens.</p> <p>Da m. Sohn Albert die Ehre hat mit E. W. in Correspondenz zu stehen,&nbsp; glaubte wohl&nbsp; keinen&nbsp; Fehlgriff zu thun,&nbsp;&nbsp; persönlich&nbsp; als Landsmann an E. W. ein Schreiben zu richten - Ich geborner Dornbirner war 1836-37 Lehrer im Schrekenü 1838-1839 Lehrer in Riezlern im Walserthal (-.eigentlich Schwende:) Ich begab mich dann aber nach Wien an das k. k. polit. Institut commerzielle Abtheilung u. bin nun seit 1844 thätig im kaufmännischen Leben. Außer Hr Bergmann besuchen mich die Landsleute Willam (:aus Bremen Au:) Rüscher aus Bützau früher Spaarkassa Beam. Eng. Keßler etc. etc.</p> <p>Im Jahre 1861 am 2. August sah ich nach 20jährig Abwesenheit wieder m. unvergeßliches Landl. Meine l. Frau u. beyde Söhne hielten Mittag im Gasthaus zur Krone in Schoppernau - ließen Wagen, Koffer etc. dorten um beym herrlichsten Wetter über Hopf­reben nach Schreken zu gelangen!! welch herrliche Erinnerungen­von Dornbirn reisten wir Bad PfäffersZürich-Schafhausen Regens­burg Passau etc. in unser Wien. Nun will ich denn doch zum Schlüsse eilen; aber bleibt mir noch übrig zu erwähnen, daß ich auch mit vielem Interesse in der Leipzig erscheinenden Garten­laube las was Hr Dtor Hildebrand über E. W. Wirken geschrieben u. da in dem von E. W. an m. Sohn gut. gesandtem Briefe v. Woche die Grenzbothen Juniheft erwähnt wird pto. Geburtsjahr 1839 habe mir dieß gleich bestellt.</p> <p>Noch erlaube mir zu erwähnen, daß falls ich E. W. hier am Platze mit was immer dienen könnte, ich Sie bitte zum Voraus überzeugt zu seyn, daß dieses herzlich gerne geschehe. Sollten E. W. einmal einige freye Zeit gewinnen, würde es mich recht freuen nur Paar Zeilen zu erhalten; meine Adresse ist ganz einfach mein Nahmen u. Wien - Straße No ist nicht nothwendig.</p> <p>Hochachtungsvoll empfielt sich Martin llg</p> <p>gewesenes Lehrerle von Schreken u. Schwende</p> </div> <div> </div> Martin Ilg Wien Franz Michael Felder Nümmamüllers Sonderlinge Sat, 15 Mar 2014 08:00:00 +0000 st 545 at http://felderbriefe.at VON KARL PRÖLL AUS GRAZ http://felderbriefe.at/brief/von-karl-pr%C3%B6ll-aus-graz-1 <div><span class="date-display-single">1. März 1868</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Oesterreichische Gartenlaube&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p> <p>Lieber Freund!</p> <p>Ihren freundlichen Brief erhalten. Besten Dank für eine etwaige Uibersendung der Sonderlinge.&nbsp; Bitte selbe unter der Adresse: „Mandellstrasse, Nro 65". Wenn nicht in unserem Blatte (dazu habe ich so wenig Raum, daß ich mir selben lieber für Ihr neues Werk aufsparen werde) so hoffe ich doch in der Tagespost eine kleine Besprechung durchzubringen, wenn mein College nicht seine kühle Freundlichkeit meinem Wunsche entgegensezt. Haben Sie ihm schon geschrieben? H.&nbsp; Hügel mitgetheilt; er verspricht nächster Zeit die mir sehr unangenehme Zahlverzögerung zu begleichen; an mir soll es nicht fehlen, Ihre Rechte hier zu vertreten. Bezüglich meiner Stellung zur socialen Frage erlaube ich mir, Ihnen folgende 2 selbständigen Referate(Nro30 u. 35. des L. J.) welche Stellung zur socialen Frage nehmen zu übersenden. Gefallen Sie Ihnen, wollen u. können Sie dieselben mit meinem Namen irgendwo zum neuen Abdrucke bringen, da ich die Ideen keineswegs noch als antiquirt halte. Sonst diene es Ihnen u. Gesinnungsgenossen als der schlichte Ausdruck eines Gleichstrebenden. Herzlichen Gruss von</p> <p>Ihren treuen Freund K. Pröll</p> </div> <div> </div> Karl Pröll Graz Franz Michael Felder Sonderlinge Soziale Frage Sat, 01 Mar 2014 08:00:00 +0000 st 554 at http://felderbriefe.at VON RUDOLF HILDEBRAND http://felderbriefe.at/brief/von-rudolf-hildebrand-39 <div><span class="date-display-single">9. Februar 1868</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Lieber tapfrer Freund,</p> <p>Ich kann den Sonntag nicht vorüber lassen, ohne brieflich an Dich zu denken. Ich habe lange nicht so mit Wärme und Interesse nach Schoppernau und an Dich gedacht als in die­ser Zeit, und mit mir Deine hiesigen Freunde. Leid thut es uns freilich, daß Dich die Kämpfe für Licht und Recht von Deinem gemüthlichen Schreibtische wegziehen. Aber ich denke mir Dich auch gern als Vorkämpfer des Guten, ja ich beneide Dich im Grunde darum. Und doch möcht ich Dich bitten, Dich so bald es irgend geht, wieder davon los zu machen, daß Du zu Deiner Hauptaufgabe kommst. Wie steht es denn jetzt mit der Wahlsache? Ich bin höchst begierig .. . In der N. freien Presse war ja in einem Bericht aus Vorarlberg von Feuer zu lesen, das die Gegner in die Wahlurne gewor­fen hätten. Ist das möglich?! Da hätten sie ja euch die beste Waffe gegen sich in die Hand gegeben! Erfreulich ist mir daß der gute Felder so durchgekommen ist, grüß ihn doch von mir, der Club hat an seiner Heldenthat freudigen Theil genommen. Auch daß Du dabei mit Seifertitz in persönliche Berührung gekommen bist, ist mir außer­ordentlich angenehm; bitte, schick mir doch seinen ersten Brief an Dich einmal mit, ich möchte gern von Ton und Hal­tung seiner Ansprache an Dich einen Begriff haben. In Blu­denz und auf der politischen Reise hast Du doch an unsere poetische Wanderung damals gedacht? Ich habe in den Tagen von Bludenz hier viel erzählt, möchte auch gern einmal Dei­nen guten Schwager über diese Dinge hören. Auch die ver­sprochene Nummer des Volksblattes möcht ich schon sehen, ich schicke Dir sie wieder. Ich schicke Dir heute ewas Poeti­sches mit (zum Behalten), es war neulich im Schützenhause ein Concert, wo ich im Winkel sitzend und lauschend Dich lebhaft zugegen wünschte, besonders bei den von mir an­gestrichenen Nummern; laß Dir die Lieder einen Lichtblick in Deinem jetzigen Sturm sein, freilich hättest Du sie von den Wellen der Töne umspült hören müssen wie ich. Warum kannst Du nicht öfter hier sein!? Doch diesen Sommer — Eure Brixener werden jetzt blind und taub vor Fanatismus wie es scheint. In der Augsburger oder der Presse waren neu­lich Proben aus einem „Amuletft] für christliche Eltern und Kinder", die lustig waren; könntest Du mir etwa ein Exem­plar davon verschaffen? d. h. nur wenn Dirs ganz leicht zu­gänglich sein sollte, Du kannst es nach der neuen Postord­nung billig unter Kreuzband schicken. Auch Deinen Bericht in der östr. Gartenlaube möcht ich gar zu gern lesen. Glück zu zum weiteren Kampfe - nur kein Blut wieder! sondern kaltes Blut, Anton! sei um Gottes Willen euer Wahlspruch. Was sagst Du dazu, daß Deine Sonderlinge jetzt nach Holland gehen? Hirzel sagte mirs neulich mit Freude, ein einziger Amsterdamer Buchhändler hatte 8 Exemplare verlangt. Viel­leicht wird also in diesem Jahre eine zweite Auflage. Auch ich hab übrigens jetzt Kämpfe in Aussicht, mit Vor­urtheilen von Universitätsprofessoren; es würde zu lang sein dies brieflich klar zu machen. Unser Ministerium hat mich jetzt mit in eine Prüfungscommission für Philologen berufen, in der sonst nur Professoren Mitglieder sind. Meine Freunde sehen mich schon als Professor - doch ich rechne nicht etwa darauf. Bitte, vergiß doch nicht im nächsten Briefe mir folgende kleine Frage zu beantworten, ich brauche es fürs Wör­terbuch. In den Sonderlingen 2, 210 kommt vor: Der Barthle läßt sich nie so auskommen, daß . .. Das hab ich doch richtig erklärt? Sagt ihr aber nicht auch: er läßt sich nicht auskom­men mit Geldeoder ähnlich? Bitte vergiß nicht mich zu belehren.</p> <p>Deine Liebeszeichen haben wir im Club in 3 Abenden ge­lesen (d. h. ich habe sie gelesen), uns herzlich dran gefreut; es ist echte Poesie drin, obwol in der Exposition auch hie und da kürzer verfahren sein könnte. Aber an den entscheidenden Stellen trifftst Du die Stelle im Herzen, wo die echte Poesie sitzt, mit voller Wirkung! Doch blieben uns einige Fragen. Heute nur noch die eine. Mehrere von uns meinten, die Philomena komme für ihren Leichtsinn zu gut weg, werde zu wenig gestraft gegenüber der schweren Buße, die auf Franzsepp fällt; auch daß ihre Mutter nach dem schweren Aufbegehren übers Küssen dann so schnell wieder gut ist mit der Tochter, wollte nicht recht einleuchten. Ich habe Dich nach Kräften vertreten, möchte aber wissen wie Du Dich dar­über aussprichst, und bin eigentlich beauftragt, Deine Äuße­rungen darüber einzuholen. Du wirst jetzt freilich dazu nicht Lust und Stimmung haben, es hat ja keine Eile. Doch mit dem Papier ist meine Zeit alle, schönste Grüße an das Wible usw., für Dich aber wünscht des Himmels Schutz</p> <p>Dein R. Hildebrand.</p> </div> <div> </div> Rudolf Hildebrand Leipzig Franz Michael Felder Liebeszeichen Rößlestreit Sonderlinge Wahlaffäre Sun, 09 Feb 2014 08:00:00 +0000 st 520 at http://felderbriefe.at AN RUDOLF HILDEBRAND http://felderbriefe.at/brief/rudolf-hildebrand-50 <div><span class="date-display-single">2. Januar 1868</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Lieber Freund!</p> <p>Dein leztes Schreiben haben wir - ich und das Wible - mit tiefer Rührung feuchten Auges gelesen. Deine liebe Mutter ist also erlöst. Wir hier sagen so für sterben, und wol man­cher hat den ersten Trost aus diesem Worte gewonnen. Als ich an jenem unvergeßlichen Morgen von euch schied mit schwerem Herzen, da hatte ich das Gefühl, daß ich Deine Mutter nicht mehr sehe, obwol ihr Zustand sich damahls eher zu bessern schien. Mir lag es so schwer auf dem Herzen, daß ich das Wort des Abschieds kaum aussprechen konnte. Auf der Eisenbahn, wo es anfangs in meinem Wagen so still war, wie ich es mir in der damaligen Stimmung nur wün­schen konnte, dachte ich an die von Dir mir gemachten Mit­theilungen aus deiner Vergangenheit, und immer stand mir neben Dir die große schöne Seele, die noch jetzt für die Abgebrannten in Johanngeorg[i]enstadt ein lebhaftes Mitleid forderte als für ihre eigenen Schmerzen. Ich bins zu wenig gewöhnt, dem Gefühl das Wort zu lassen - ach Freund ich durfte das so selten im Leben - daß Du nicht wissen kannst, wie mich Deine Mittheilungen ergriffen, in denen ich immer auch die Mutter als Heldin mit auftretten sah. Ja Du hast viel an ihr verloren, doch hat sie Dir den besten Segen den kräf­tigsten Trost hinterlassen, das was auch ich vom Grab eines Theuren mitnahm wenn es mir war, ob ich bis hart an die geheimnißvolle Pforte zu folgen vermöge, von der man selbst besser, geläuterter wieder ins Leben dieser Welt zu­rück kommt und das Geschiedene - ich möchte sagen als Schutzengel mit zurück bringt. Ich wünschte mich gleich zu Dir, um Dir sagen zu können wie ich das meine. Ich wünsche das überhaupt oft. Auf der Heimreise hab ich ein deutsches Liederbuch gekauft, und da ists gerade als ob das Heimweh drin stecke, so eigen weht es mich an, wenn ich da die Lieder wieder lese die ich auf unsern unvergeßlichen Abendspazier­gängen hörte.</p> <p>Jetzt wird Greußing daraus lernen und wenn Du im Sommer wieder den Höusunnotag mitmachst, wirst Du auch hier hören:</p> <blockquote><p>Freiheit die ich meine und</p> <p>In einem stillen Grunde</p> </blockquote> <p>Diese beiden wundervollen Lieder die noch immer in meiner Seele nachklingen und mich ins Rosenthal versetzen. Ungemein peinlich ist es mir, daß ich noch nicht im Stande bin, die vermißte Nummer des „Ausland" zu schicken. Sie muß mir fortgekommen sein, als ich nicht hier war. Unser Förster nahm das genannte Journal nach Bezau u dort muß die Nummer noch liegen wenn auch der Förster nichts davon wissen will. Ich schreibe nun nach Lindau und werde mir das ganze Quartal kommen lassen. Ich bitte also um Gedult bis es da ist. Durch meine Schuld geht gewiß nichts verloren und bleibt nichts zurück. Die Sache hat mir schon recht trübe Stunden gemacht. Erfreulicher war mir aus deinem Schreiben zu erfahren, daß die Sonderlinge noch nicht ganz vergessen sind. Ich hab lang nichts mehr von dem Buche gehört u eigent­lich auch kaum mehr daran gedacht. Ich lebe ganz in reich und arm. Der Entwurf ist fertig und ich gehe wol ans Ab­schreiben, wenn ein Artikel, „aus Vorarlberg" für die öster­reichische Gartenlaube fertig sein wird. Die große Welt küm­mert sich so wenig um unsere kleinen Kämpfe, daß ich ihr einmal erzählen möchte.</p> <p>Sie hört mich doch auch. Letzte Woche schickte mir ein Be­kannter den Minesotta Staatsanzeiger aus Amerika und in diesem Blatt ist von mir die Rede und von meiner Flucht. Auch ein recht freundliches Schreiben vom Herausgeber der Gartenlaube in Graz hab ich erhalten und eines vom Land­tags u Reichsrathsabgeordneten v Seiffertitz, der darin den Wunsch äußert, mit mir in eine nähere Verbindung zu tret­ten. Mich freut das innig denn unser Land hat dem Kämpfer gegen das Concordat viel zu danken. Dieses gewaltige Mauer­werk hat am 21 Dezember ein großes Loch bekommen. Wir erhielten die frohe Nachricht am 1 Jänner und ich kann dir nicht sagen, wie festlich mir zu Muthe war, gerade wie da, als ich die Nachricht erhielt, daß Hirzel die Sonderlinge druk­ken werde. Weißt du noch, wie wir u der Uhrenmacher beim Kronenwirth mit den beiden Vorstehern auf den Sturz dieses Mauerwerks anstießen? Du gefährlicher Protestant in unserer Prozession! Nun wir haben das Ereigniß auch gehörig ge­feiert. Nur Du hast uns gefehlt. Wir haben Dich aber hoch leben lassen und es war uns, ob wir Dich in unserer Mitte hätten, Kunz hat auch geschrieben und die nächsten Num­mern der Feldkircher Zeitung wird seinen Reisebericht brin­gen. Das Blatt hat jetzt viel zu kämpfen, seit man das Volk gegen das Abgeordnetenhaus von den Kanzeln aufhetzt, Adressen unterschreiben läßt und selbst die Unwahrheit nicht scheut, wo man glaubt, daß sie zum Ziele führen könnte. Mir ist die Sache endlich zu bunt geworden und ich gab einen kurzen Bericht in die Feldkircherin, der den Herren ein wenig auf die Finger zu klopfen versucht. Von dem an un­sere Gemeinden erlassenen Hirtenbriefe des Bischofs von Brixen wirst Du in der Neuen fr Presse gelesen haben. Das genannte Blatt wird darin dem Volke fast verbothen. Ich u der Uhrenmacher haben es dennoch wieder bestellt. Er lehnt jetzt Bücher von mir und liest seiner Frau jeden Abend daraus vor. Pfarrer Rüscher ist höflich, wenn er uns trifft, doch hat er und haben die Seinen noch nicht aufgehört, besonders mich und den Vorsteher der immer entschiedener zu mir hält, zu unterhöhlen. Die Leihbibliothek wird fleißig benützt, doch der Pfarrer scheint es durchzusetzen, daß der Hand­werkerverein nicht mehr Unternehmer sein will. In diesem Fall denke ich alles zu übernehmen, und ich gestehe daß ich dabei auf Unterstützung von Seite auswärtiger Gemeinden hoffe. Es ist wichtig, daß Rüscher hier nicht siegt. Drum werde ich dem Verein bezahlen, was er für die Bücher aus­legte und dann sehen, was zu machen ist. Als Feind jeder freisinnigen Zeile handelt Rüscher nicht klug, wenn er alles mir in die Hände treibt, aber so ein gemeiner Mensch rechnet eben ich würde lieber nachgeben, als den Schaden haben wollen.</p> <p>Glücklich machte es mich, wenn das in Deinem Brief er­wähnte, für mich bestimmte Buch Dir ein Neujahrsgeschenk wäre, welches Dir eine Freude machte. Behalte es nur! Wenn es mir wieder einmal vergönnt sein sollte, nach Leipzig zu kommen, so will ich es in Deinem traulichen Studierzimmer mir ansehen. Wenn Hirzel mir wenigstens einige Exemplare der öster. Gartenlaube schickte, so würde mich das sehr freuen. Ich konnte den Anfang meiner Erzählung Nr 41-42 nur beim Uhrenmacher lesen, von Nr 43-44 sind mir Ex übersendet worden.</p> <p>Was macht Dr Flügel? Wie gefällt ihm sein neues Quartier. O Grüße mir ihn, den Club und alle, die meiner noch nicht vergessen.</p> <p>Mit Gruß u Handschlag Dein&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; treuer</p> <p>dankbarer F M Felder</p> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Schoppernau Rudolf Hildebrand Konkordat Leihbibliothek Liederbuch Reich und Arm Sonderlinge Thu, 02 Jan 2014 08:00:00 +0000 st 489 at http://felderbriefe.at VON CARL VON SEYFFERTITZ AUS BREGENZ http://felderbriefe.at/brief/von-carl-von-seyffertitz-aus-bregenz <div><span class="date-display-single">29. Dezember 1867</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Mein lieber - wenngleich persönlich ganz unbekannter ­Schöpfer der Sonderlinge!</p> <p>Dr. Victor Scheffel hat mir während meines Wiener Aufent­haltes in Ihrem Namen Ihre Sonderlinge als Andenken geschikt, - u. wenn ich erst heute dazu komme, Ihnen dafür meinen besten u. wärmsten Dank zu sagen, so müssen Sie diese Verzögerung nicht so sehr meinen Arbeiten in Wien, als vielmehr der nicht unbedenklichen Krankheit zuschreiben, die mich die letzten 4 Wochen dort in Zimmer u. Bett ge­feßelt hielt, so daß ich erst seit 5 Tagen, leidend noch immer, hieher zurückkehren konnte.</p> <p>Ihre freundliche Aufmerksamkeit der Widmung Ihres mir bereits früher schon lieben Werkes, das ich mir gleich bei seinem Erscheinen kommen ließ, hat mich umso mehr ge­freut, als ich daraus ersehe, daß mein Name Ihnen nicht unbekannt ist, u. es mir zur hohen Ehre gereicht, mit Ihnen in eine nähere Beziehung treten zu können. Nochmals vielen Dank für die Freude, die Sie mir dadurch bereitet haben!</p> <p>Gerne will ich die trüben Stunden m. Krankheit in der Einsam­keit u. Trennung von den Meinigen ertragen haben, - wenn endlich aus dem Samenkorn, das der jetzige Reichsrath emsig zu legen bemüht gewesen ein kräftiger Baum der Freiheit für uns österr. „Schmerzenskinder" erwachsen wird - ich habe dann doch nicht umsonst mich bemüht! Die Anlage ist gut ­die Volksrechte sind, wie sonst fast nirgends erweitert, das Loch in das geisttödtende Concordat ist bereits geschoßen ­aber, alles kommt drauf an, daß das Volk selbst zugreife, selb­ständig handle u. denke, u. sich seine Rechte nicht von den Pf... beamten aus der Hand winden laße! Die Verfaßung ist nur das Gefäß - den Inhalt muß die Anstrengung, die Arbeit</p> <p>der Bürger dazu geben - u.</p> <p>oft frage ich mich wohl, ob</p> <p>dieß</p> <p>bei uns möglich sein</p> <p>werde? Wäre es nicht</p> <p>möglich, - nun</p> <p>dann hätten wir allerdings umsonst geschafft, denn die beste</p> <p>Verfaßung von der Welt</p> <p>bliebe dann nur eine Perle -</p> <p>für die</p> <p>Säue!</p> <p>Das Volk bilde sich selbst,</p> <p>lerne denken, lerne handeln,</p> <p>die</p> <p>Freiheit dazu ist ihm</p> <p>gegeben! Thun Sie in Ihrem</p> <p>Kreise das</p> <p>Ihrige dazu, - man muß nie</p> <p>verzweifeln; denn am Ende</p> <p>siegt</p> <p>doch der bessere innerste</p> <p>Kern über die äußere Hülle,</p> <p>weil</p> <p>am Ende der Geist des</p> <p>Menschen sich doch nicht</p> <p>knechten</p> <p>läßt.</p> <p>Leben Sie wohl - nochmal meinen lebhaften Dank!</p> <p>Ihr ergebener</p> <p>C. Seyffertitz</p> <p>Hoffentlich ergibt sich doch die Gelegenheit, Sie einmal per­sönlich kennen zu lernen; - wenn Sie nach Bgz kommen, besuchen Sie mich doch, ich bitte!</p> </div> <div> </div> Carl von Seyffertitz Bregenz Franz Michael Felder Konkordat Sonderlinge Sun, 29 Dec 2013 08:00:00 +0000 st 487 at http://felderbriefe.at