felderbriefe.at - Seiffertitz http://felderbriefe.at/taxonomy/term/565/0 de FRANZ MICHAEL FELDER AN KASPAR MOOSBRUGGER http://felderbriefe.at/brief/franz-michael-felder-kaspar-moosbrugger-119 <div><span class="date-display-single">9. Februar 1868</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Lieber Freund!</p> <p>Ich habe Dir erzählt, was ich bis Bregenz erlebte, wie wenig Zeit mir dort auch zum Briefschreiben blieb. Deine beiden Briefe hab ich hier gefunden. Natters Brief erzählte Dir, was während meiner Abwesenheit geschah oder besser geschehen sollte. Der Pfarrer wollte meine Partei rasch im entscheiden­den Augenblicke gewinnen. Der Versuch scheiterte glänzend, und man steht sich erbitterter gegenüber als je. Am Freitag wurde gewählt. Wir blieben bei unserer Auslegung des Ge­setzes, was Müller, sonst eben nicht in der besten Stimmung, sich gefallen lassen mußte. Es erschien die ganze Gemeinde. Trotz der guten Schlittbahn fehlte kaum ein Mann als der Uhrenmacher, dessen Zustand sich noch wenig gebessert hat. Jede Witwe war durch einen Bevollmächtigten vertreten. Ich habe die Leute noch nie in der Aufregung gesehen. Man hieß den Tag einen großen. Im dritten Wahlkörper verloren wir mit 31 Stimmen gegen 33, im zweiten gewannen wir mit 15 gegen 8, im ersten mit 8 gegen 6 Stimmen. Wir 8 werden also 4 Gegner im Ausschusse haben. Neugewählt sind von unserer Partei: Kaspar Oberhauser, Aberer Lehrer, Bernhard Moosbrugger. Sage der Isabell, die ändern 4 seien Burgs Josef, Niederauer Dokus, J. Josef Feurstein und J. Josef Willi, dann wird sie Dir sagen, was da zu erwarten ist. Der Rößlewirt selbst ist durchgefallen. Zu einem Protest wird's nicht mehr kommen, denn Müller, die Stütze der Partei, ist natürlich dagegen. Müller hat mich, als ich in Bezau war, sogleich aufs Bezirksamt holen lassen. Er sagte, um mich gleich zu be­eidigen. Er scheint schon im Besitze der von mir in Feldkirch gemachten Angaben gewesen zu sein. In Feldkirch wurde ich nicht beeidigt, und ich hörte die Äußerung, daß die Sache mit einem Scheißer nach Bezau kommen müsse. Ein zweiter Scheißer wird folgen. Am Freitag nämlich war gerichtliche Kommission beim Uhrenmacher. Ich hörte das Urteil des Dr. Greber. Er findet die Sache noch schlimm, die Verletzung entschieden schwer, aber er sagt: Das Amt hätte eben früher etwas tun sollen, da die Wunde jetzt wohl noch vorhanden und schlimm genug, aber doch nicht mehr genau zu unter­suchen sei. In Feldkirch wurde mein Ansuchen, die Sache wem anders zu übergeben, rundweg abgeschlagen, sonst hätte ich mir von Müller nicht mehr rufen lassen. Die Verbrennung der Stimmzettel hab ich in Feldkirch auch angezeigt. In der Neuen Freien Presse vom 4. Februar wirst Du davon gelesen haben.</p> <p>Heut und gestern hab ich den erwähnten Bericht für Seyffer­titz ausgearbeitet. Du sollst nächstens eine Abschrift erhalten. Mein Artikel, den Du letzthin gelesen, soll, wie mir Pröll schreibt, nach Wien gewandert sein und nach seiner Angabe muß er schon im Wanderer stehen, mit dem Pröll befreundet ist. Er bedauerte, die Sache zu langsam in seinem Blatte bringen zu können. Die Sache müsse gleich in die Öffentlich­keit, drum habe er sich auf diesen Weg gewendet, da er so am meisten seinen Zweck zu erreichen und meinen billigen Wunsch zu erfüllen meine. Bei ihm brauche so ein Abdruck zu lang. Vonbun soll eine gar nicht günstige, mehr ironisie­rende Kritik geschrieben haben. Nächstens mehr. Mit Gruß und Handschlag Dein Freund</p> <p>F. M. Felder</p> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Schoppernau Kaspar Moosbrugger Gemeindewahl Seiffertitz Sun, 09 Feb 2014 08:00:00 +0000 st 518 at http://felderbriefe.at FRANZ MICHAEL FELDER AN KASPAR MOOSBRUGGER http://felderbriefe.at/brief/franz-michael-felder-kaspar-moosbrugger-114 <div><span class="date-display-single">1. Januar 1868</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Lieber Freund!</p> <p>Deinen etwas lange reisenden Brief hab ich erhalten und die Beilage sofort an den Schneider geschickt. Morgen will ich sehen, welche Wirkung er tat. Er soll sich, wie mir heute der Knecht sagt, etwas besser befinden. Hoffen wir das Beste, ich werde nächstens wieder schreiben. Heute schicke ich Dir einen für die Grazer Gartenlaube geschriebenen Artikel, über den ich mir Dein Urteil erbitten möchte. Besonders, ob Du das oder jenes gestrichen wünschtest. Sende ihn bald hieher zurück. Ich glaubte, wieder einmal aufräumen zu sollen, da alle Tage frische Zufuhr kommt. In Bezau haben die s. g. Protestanten gegen den Wahlvorgang verloren und wurde Gebhard Greber, Kanzlist, Vorsteher, was die Kapuziner jubelnd mit der Bemerkung erzählen, daß nun doch ihr Seyffertitz hinab sei. Tatsache ist, daß Feurstein schon im Sommer sagte: Er werde sich mit ganzer Kraft dem Verein widmen. Vorsteher sei er nicht mehr, wenn er das über­nehme.</p> <p>Auch der Protest des Jos. Ant. Simma, Wirt in Schwarzen­berg, wurde abgewiesen. Der hat also seine Artikel für unser Amtsblatt umsonst geschrieben, und wir hier können froh der noch nicht herafogelangten Entscheidung entgegensehen. ­Daß wir hier das Ergebnis des 21. Dezember gehörig feierten, kannst Du Dir denken, sonst aber sehe ich nicht besonders viel von den herrlichen Zuständen, welche Du hier vermuten willst.</p> <p>Die letzte Post - eine tägliche haben wir einstweilen noch nicht - brachte mir auch ein Schreiben von Seyffertitz, das den Wunsch äußert, mit mir in nähere Beziehungen zu treten. Meine Antwort spricht meine Freude darüber aus, daß es endlich gelang, ein Loch ins Konkordat zu schießen. Mich hat der Brief nicht nur als Literat gefreut. Er scheint sich auch nicht in dieser Eigenschaft an mich zu wenden. Der Dichter Scheffel hat ihm meine Sonderlinge zugeschickt. Dafür dankt er, nennt das Werk ein liebes Buch und geht dann über auf seine Tätigkeit in Wien, die leider eine Krankheit unterbrach. „Tun auch Sie", schließt er, „das Ihrige in Ihrem Kreise. Es ist jetzt am Volk, sich das Errungene gegenüber den Pfarr­beamten zu erhalten, sonst ist die beste Verfassung eine Perle für die Säue, u.s.w."</p> <p>Hildebrand ist seine Mutter gestorben. Der Schlag traf ihn schwer.</p> <p>Die Eile, mit der ich schreibe, siehst Du meinen Zeilen an. Ein Artikel in der Neuen Fr. Presse (sicher von Keßler) spricht sich über die Arbeiter in Wien sehr ungünstig aus. Das erklärt wohl am besten, warum diese Leute mir nicht mehr schreiben und warum mich die Presse bei Besprechung der Gartenlaube in sehr befremdender Weise überging. Lebe wohl, mit Gruß und Handschlag Dein Freund</p> <p>F. M. Felder</p> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Schoppernau Kaspar Moosbrugger Seiffertitz Wed, 01 Jan 2014 08:00:00 +0000 st 490 at http://felderbriefe.at VON LORENZ MAYER AUS WIEN http://felderbriefe.at/brief/von-lorenz-mayer-aus-wien-1 <div><span class="date-display-single">17. Juni 1867</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Lieber Freund!</p> <p>Ich habe wegen einer Interpellation in Ihrer Angelegenheit den Seiffertitz u. Froschauer gesprochen. Froschauer sagt mir, daß eine Verzögerung von 3 Wochen etwas nicht Ungewöhn­liches bei Gerichte sei, u. falls die Zögerung länger andauere, müßten Sie sich erst an die 2.te Instanz wenden, (nach Inns­bruck), u. von da an die 3.te. Er würde, wie die Sache jetzt liege, nicht einmal die für eine Interpellation nöthigen Unter­schriften (20) erhalten können. Es muß also dieser Weg aufgegeben werden, obgleich ich von den Gründen unserer Abge­ordneten noch nicht ganz überzeugt bin. Als das Geeignetste, was jetzt zu thun, ist der Weg der Presse. Ich werde somit mit dem Redakteur der Fr. Presse sprechen, daß er mir die Spalten seines Blattes öffnet, um Ihre Angele­genheit öffentlich zu besprechen. Heute erhielt ich einen Brief von Ihrem Schwager, worin er mir anzeigt, daß gerade Gefahr für Ihre Person nicht mehr existire. Wenn dieses rich­tig ist, so brauchen Sie gerade keine Furcht zu haben, daß Ihnen das Recht vorenthalten werde. Häufige Mahnungen in den Zeitungen werden die Gerichte schließlich doch zum Handeln nöthigen. Daß Ihr dichterisches Zartgefühl durch das erlittene Unrecht sich sehr verletzt fühlt, finde ich begreiflich. Wenn Sie jedoch bedenken, daß nur die geistige Verkümme­rung Ihrer Gegner, woran selbe nicht einmal Schuld tragen, die Ursache solcher mittelalterlichen Handlungsweise ist, so muß sich Ihr Herz doch auch besänftigen. Ich persönlich wurde von der Dummheit auch oft verkannt, u. verläumdet, u. es hat mich das nicht einmal auf die Dauer bitter stimmen können. Jedoch ich will nicht zum Moralprediger werden; Ihre Sonderlinge beweisen mir, daß Sie darin ebenso gut wie ich wenn nicht besser bewandert sind. Am meisten würde ich es bedauern, wenn Sie unser Ländchen verlassen würden, weil dadurch ein geistiger Kämpfer für Freiheit u. Recht ver­loren ginge. Unser Lädchen bedarf noch vieler Arbeit, um definitiv aus dem Mittelalter herauszukommen, u. nicht min­dere Anstrengung wird es kosten, die tyrannische Herrschaft des Kapitels zu brechen. Weil ich gerade auf diesen Gegen­stand gerathe, bemerke ich Ihnen, daß ich mit dem Vor­schlage des allgemeinen Stimmrechts von Seite Ihres Schwa­gers nicht einverstanden bin. Das würde für unser Ländchen die Herrschaft des Klerus bedeuten, u. die Frage des Unter­richts würde hiemit ewig unerledigt bleiben. Von der Bour­geoisie können wir aber erwarten, daß sie in dieser Frage energisch auftreten werde, weil deren Erledigung im eigenen Interesse derselben liegt.</p> <p>Man darf in der Politik die faktischen Verhältnisse nie außer Acht lassen.&nbsp; Nach&nbsp; gründlicher Lösung der Unterrichtsfrage kann&nbsp; das&nbsp; allgemeine Stimmrecht zur&nbsp; Lösung der sozialen Frage natürlich nicht entbehrt werden. Mit Gruß u. Handschlag Ihr Ergebenster</p> <p>L. Mayer</p> </div> <div> </div> Lorenz Mayer Wien Franz Michael Felder Allgemeines Stimmrecht Gericht Seiffertitz felderbriefe.at newsletter Mon, 17 Jun 2013 07:00:00 +0000 st 188 at http://felderbriefe.at VON LORENZ MAYER AUS WIEN http://felderbriefe.at/brief/von-lorenz-mayer-aus-wien-0 <div>Datum unbekannt</div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Verehrtester Freund</p> <p>Ich werde ohne Zögerung alle Hebel in Bewegung setzen, um Ihnen behülflich zu sein in Ihrer Lage. Ich habe schon vor längerer Zeit den Abgeordneten Seiffertitz in Ihrer Angelegen­heit gesprochen, u. er wird hoffentlich nicht zögern den Mini­ster der Justiz zu interpellieren. Sie können demnach im Be­ginn der nächsten Woche die Interpellation erwarten, u. die Sache wird dann gewiß einen ändern Gang nehmen. Die gro­ße Sympathie, welche Sie unter den hier lebenden Vorarlber­gern genießen, läßt übrigens noch die Ergreifung anderer Mit­tel zu, falls die Interpellation den erwarteten Effekt nicht haben sollte. Seien Sie der Überzeugung, daß wir den braven Dichter der Sonderlinge (welche ich nebst vielen ändern be­reits gelesen habe) nicht im Stiche lassen werden. Im Falle die Untersuchung in Folge des von hier aus geübten Druckes erfolgen wird, ersuche ich Sie, mir darüber zu berich­ten, damit wir über den Gang der Angelegenheit stets unter­richtet sind. Falls die Lage für die Sicherheit Ihrer Person gefährlich sein sollte, müssen Sie den Bregenzerwald vorläu­fig jedenfalls wieder verlassen. Im Übrigen glaube ich, daß auch in Zukunft, wenngleich die Gerichte sich Ihrer anneh­men, in Schoppernau die Existenz nicht mehr angenehm sein wird. Lassen Sie sich jedoch nur nicht entmuthigen durch Ihr jetziges Ungemach. Jeder Mensch, der über das Niveau der Alltäglichkeit hinausragt, muß auf Verfolgungen gefaßt sein. Die armen unwissenden Menschen wissen eben nicht, was sie thun; von jeher haben sie ihre größten Wohltäter nur gehaßt und verfolgt.</p> <p>Unter Versicherung meiner wärmsten Sympathie schließe ich für diesmal mit Gruß und Handschlag</p> <p>Ihr ergebenster Lorenz Mayer.</p> </div> <div> </div> Lorenz Mayer Wien Franz Michael Felder Gericht Seiffertitz Vorarlberger in Wien felderbriefe.at newsletter Sat, 15 Jun 2013 07:00:00 +0000 st 186 at http://felderbriefe.at