felderbriefe.at - Klarstellung http://felderbriefe.at/taxonomy/term/460/0 de VON JOSEF FEUERSTEIN AUS BEZAU AN FRANZ MICHAEL FELDER IN BLUDENZ [FRAGMENT] http://felderbriefe.at/brief/von-josef-feuerstein-aus-bezau-franz-michael-felder-bludenz-fragment <div><span class="date-display-single">1. August 1867</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Lieber Freund!</p> <p>Wie wir verabredet, so theile ich Dir mit, daß ich mich ent­schlossen Deine u. des Dr. Hildebrandt gemachte freund­schaftliche Einladung zur Reise nach Leipzig nicht anzuneh­men, obwohl ich diesen Antrag im Herzen sonst mit tausend Freuden angenommen hätte. Die Gesellschaft des Hr. Dr., dessen Wesen mich ganz für ihn eingenommen hat, dann der Genuß mit Dir die Eindrücke von allem was Jahrtausende geschaffen theilen zu können, das waren reizende Versuchun­gen. Auf der anderen Seite aber war der Gedanke - /: Wir sprechen allezeit offen mit einander:/ entscheidend, daß ich doch nicht eine solche Summe Geldes, wie sie diese Reise kosten würde, zu meinem Vergnügen ausgeben dürfe, das sei meinen jetzigen Vermögensverhältnissen nicht angemessen. Zudem wäre ich, wenn ich in Leipzig in Gesellschaft gezogen worden wäre, immer wie auf Kohlen gewesen. Also recht glückliche Reise, u. wenn Du zurückkömmst mußt Du mir von allem erzählen.</p> <p>Gestern war ich bei der Tafel des Hochw. Bischofs; sie war eigentlich nicht interessant, denn er erzählte immer, so daß sonst gar Niemand zu Wort kam. Bei der Tafel waren außer den geistl. Herrn der Hr. Bezirksvorsteher u. Dr. Leit[n]er. Nach der Tafel verfügte sich der Bischof noch ins obere Zimmer zum Vorbereiten auf die Abreise, der Hr. Bezirksvorsteher benützte diese Zeit um den zurückgebliebenen geistl. Herrn mitzutheilen, daß die Untersuchungssache Felders zu gar nichts führe, u. daß namentlich die letzten Zeugen die Felder berufen, gar nicht Stand gehalten. Indessen kam der Bischof zurück, u. Hr. Bezirksvorsteher sagte, daß man eben von Fel­ders Angelegenheit gesprochen habe. Hochw. Bischof fing hierauf gleich von der Klarstellung an zu reden, u. sagte er habe dieselbe studirt u. das Ergebniß sey gewesen: Klarstel­lung - Sillabus - Sillabus - Klarstellung - Klarstellung - Silla­bus. Das heiße entweder man sei Katholik u. verwerfe die Klarstellung oder man trette der Klarstellung bei u. höre auf Katholik zu sein. Er kam noch auf das Vorarlberger Volksblatt zu sprechen, u. sagte daß man ihm Artikel zur Prüffung vor­gelegt, daß er diese Prüffung aber zurückgewiesen, daß er also mit dem Volksblatt sich nicht eingelassen habe u. auch mehrere Artickel desselben nicht billige. Mittlerweilen mußte man abreisen bevor man noch vom Fel­der sprechen konnte u. Hr. Bezirksvorsteher küßte der fürst­bisch. Gnaden herzlich die Hand. Ich zweifle nicht, daß nicht der Gdevorsteher v. Schoppernau wirt vorgeladen werden u. bin begirig auf das Resultat der Verhandlung, hoffentlich wird er fest auftretten, es kömmt hierauf sehr viel an.</p> <p>Ich war auch nicht am Schwarzenberg wegen schlechten Wet­ters, jedoch war Kaufmann draußen, und hat mit Feurstein geredet, der selbst einen neuen Entwurf der Hauptgrundsätze gemacht habe, jedoch mit Hirschwirth u. Ignaz wegen des Schießens keine Gelegenheit zur Rücksprache hatte. Bis Du wieder von Bludenz kömmst hoffe ich werde ich Dir genaues schreiben können. Es grüßt Dich Dein Freund</p> <p>Josef Feuerstein Viele Grüße von meiner Frau u. mir an Dr. Hildebrandt</p> </div> <div> </div> Josef Feuerstein Bludenz Schwarzenberg Franz Michael Felder Bezirksvorsteher Bischof Klarstellung Leipzig felderbriefe.at newsletter Thu, 01 Aug 2013 07:00:00 +0000 st 209 at http://felderbriefe.at VON JOHANN THOMAS STETTNER AUS LINDAU http://felderbriefe.at/brief/von-johann-thomas-stettner-aus-lindau-12 <div><span class="date-display-single">6. Mai 1867</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Verehrtester Herr u. Freund!</p> <p>In Folge Ihres Werthen vom 10. vor. Ms. habe ich Hrn. Strobel seine Abreise nicht beeilen lassen. Er ist nun heute fort u. wird in den nächsten Tagen das Vergnügen haben, Sie zu begrü­ßen.</p> <p>Daß Sie dieses Frühjahr mit Ihrem lieben „Wible" noch früher kommen wollen, freut mich sehr, u. bitte ich nur diesen Vor­satz recht bald auszuführen. Das Wetter scheint jetzt doch endlich einmal sich zum Bessern gekehrt zu haben, u. wird hoffentlich eine Zeitlang gut bleiben. Da sieht sich dann unsere schöne Gegend noch schöner an, u. wir wollen sie jedenfalls bei Ihrem Hieherkommen recht genießen. Ihre „Sonderlinge" sind inzwischen eingetroffen, und von mir bereits an manchen Freund in Vorarlberg vertheilt, auch bereits in der „Landeszeitung" angekündigt. Es sind 2 ganz stattliche Bände, und hoffe ich in nächster Zeit die gehörige Muße zu finden, sie durchzulesen.</p> <p>Den „Ruf" habe ich voriges Jahr an viele, namentlich österei­chische Handlungen, in Commission verschickt; es kommen jedoch die Ex. so ziemlich alle wieder zurück. Eben so wird es wohl mit der „Klarstellung" gehen. Anonyme Broschüren fin­den eben vielfach keine große Beachtung. Das wird in jedem Falle anders werden, wenn Sie einmal etwas Derartiges unter Ihrem Namen erscheinen lassen. Also auf baldiges Wiedersehen! Einstweilen mit den herzlich­sten Grüßen von uns Allen an Sie u. die lieben Ihrigen Ihr ergebenster</p> <p>Stettner.</p> </div> <div> </div> Johann Thomas Stettner Lindau Franz Michael Felder Besuch Klarstellung Ruf aus Vorarlberg Sonderlinge felderbriefe.at newsletter Mon, 06 May 2013 07:00:00 +0000 st 170 at http://felderbriefe.at KASPAR MOOSBRUGGER AN FRANZ MICHAEL FELDER http://felderbriefe.at/brief/kaspar-moosbrugger-franz-michael-felder-60 <div><span class="date-display-single">21. März 1867</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Lieber Freund!</p> <p>Dein Wertes vom 28. v. Ms. habe ich mit Freuden, mitunter mit Lachen gelesen. Lachen war auch mein Teil, als die Landeszeitung zum zweiten Mal über die Klarstellung herfiel. Die Art, wie dies geschah, ist wirklich komisch. Etwas auf­fällig war mir, daß sie eine ihrer Ansicht entgegenstehende Auffassung erwähnt und ohne sie bekanntzugeben gegen sie und die Klarstellung polemisiert. Mir ist der Gedanke ge­kommen, die Frau Stöckl in Bregenz könnte dahinterstecken und ihrem Schwiegersohn ein Mahl bereiten wollen. Dieses Kapuzinervolk läßt so was erwarten. -</p> <p>Du bist daran, die demoralisierenden Wirkungen des heu­tigen Besitzes bloßzulegen, Du wirst nicht umhin können, hiebei auch bloßzulegen, was von dieser Demoralisierung den Römlingen zufällt. Ein Beispiel in dieser Richtung bietet die Frau Sepp, Schwester des Altvorstehers Feurstein in Bezau, die jetzt wegen Betruges zu mehrjähriger Kerkerstrafe ver­urteilt ist. Die Frommen in Innsbruck büßen bei ihrem schmählichen Konkurs große Summen ein. Der Elmenreich wüßte die beste Auskunft von ihr. Daß Altvorsteher Feurstein mit dem Pfarrer Blaser sehr intim war, hat sich bei seiner Untersuchung auch herausgestellt. Mathis erzählt auch von großem Schwindel, den diese Feurstein bei der Beerbung ihres in Bregenz verstorbenen Bruders getrieben haben. Doch genug hievon, und ich wünsche nur, daß Dein Freund in Bezau von dem bösen Samen der Römlinge nicht leide und von den Früchten desselben Erkenntnis hole. Daß Du diese Früchte kennst und gehörig schildern wirst, daran zweifle ich nicht. -</p> <p>Mit Kunz und Ganahl habe ich nicht geredet und mich über­haupt seit Deiner Abreise ganz passiv verhalten. Diese Hal­tung sagt mir jetzt am besten zu und ich halte sie, vielleicht aus diesem Grund, für die zweckmäßigste. Ein Zufall brachte mir die von Auerbach übersetzten Spinozischen Werke in die Hände, die herrlich zu meiner jetzigen Stimmung passen. Ein stilles, ruhiges Denkerleben wird immer mehr mein Wunsch und Sehnen. Ich höre es deshalb ungern, daß die Organisierung wieder sistiert ist. - Die Belehrung für Könige und den Schluß über Passavant wirst Du gelesen haben. In den letzten drei Nummern sitzt die Allgemeine Norddeutsche über Ketteier zu Gericht und liest ihm gehörig die Leviten. Ich imputierte ihm nur Unverständnis der sozialen Frage, Bismarck auch mit Recht Unverständnis der deutschen Frage. - Die Allgemeine von gestern konstatiert, daß Preußen jetzt bis an den Bodensee grenzt, und es ist daher das Gerücht glaubwürdig, daß bald mehr Militär nach Vorarlberg kommt. Gestern&nbsp;&nbsp; mußte&nbsp; hier die&nbsp; Losung verschoben&nbsp; werden&nbsp;&nbsp; und konnte erst heute ruhig vor sich gehen. Eine unzweckmäßige Regierungsorder war schuld. Dein Freund</p> <p>K. Moosbrugger</p> </div> <div> </div> Kaspar Moosbrugger Bludenz Franz Michael Felder Ganahl Klarstellung Kunz felderbriefe.at newsletter Thu, 21 Mar 2013 08:00:00 +0000 st 364 at http://felderbriefe.at AN RUDOLF HILDEBRAND http://felderbriefe.at/brief/rudolf-hildebrand-32 <div><span class="date-display-single">10. März 1867</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Lieber Freund</p> <p>Ich kann heute so wenig zur Ruhe kommen als das Herr­mindle welchem - wie das Wible entschuldigend sagt - wie­der ein Paar Zähne kommen sollen. Es ist wirklich eigen wie der Mensch unruhig und aufgeregt wird wenn er - etwas Neues bekommt. Dann will er seine Lieben um sich haben wie jetzt mein kleines Kind seine Mutter. Ich erfuhr das im­mer, wenn ich einen Brief von Ihnen erhielt. Nur hab ich immer bedauert, nicht auch Ihnen einmal eine Freude machen zu können. Nun endlich, liebster Freund, endlich ist dieser Wunsch erfüllt, denn ich denke Sie und fühle Sie mir so nahe, so - eigen möchte das Wälderbäuerlein gern sagen, daß ich weiß: Meine Mittheilung wird auch Ihnen Freude machen.</p> <p>Heut hab ich einen Brief von Ernst Keil erhalten. Er schreibt: Vor einigen Tagen hab er durch einen glücklichen Zufall meinen Nahmen erfahren und daß ich ein Freund der Garten­laube sei. Er ersucht mich dann um Beiträge die er mit 100 fl a Bogen zu honoriren verspricht und bittet um baldige zu­stimmende Antwort.</p> <p>Auch das, lieber Freund, ist ein Wellenschlag von Ihrem Wurf! Nun denke ich zu antworten daß sich ein Aufsatz in Ihren Händen befinde, der vielleicht geeignet sein könnte, denn Sie werden nun „zum Angriff" meine Briefe bei Gosche nicht mehr nötig haben. Für die Zukunft verspreche ich mehr, denn immer noch sind bei den größeren Arbeiten auch so Bröcklein abgefallen, aus denen [sich] vielleicht etwas Ordent­liches geschnitzt werden könnte.</p> <p>Seit meiner etwas lebensgefährlichen Heimreise von Bludenz sitze ich unermüdet im Zimmer bei Feder und Buch, lasse all die politischen und socialen Fragen beantworten wer will und kann, denn ich hab jetzt mit den Helden meines jetzigen Werkes zu thun, die ich schon etwas genauer kennen lerne. Mein kleines Zimmer und meine Arbeit in diesem werden mir immer lieber. Zwar hab ich meine „Schreiberei" nie als „Handwerk" betrachtet, doch wenn sie auch für mich wenig­stens einen silbernen Boden haben wird, so werde ich doch mit Freuden die meinen etwas schwachen Körper allzusehr anstrengenden s g Würgerarbeiten, Holzziehen udgl einen Tagwerker verrichten lassen da solche hier für 7 Ngr. leicht zu bekommen sind. Ich selbst habe früher für diesen Lohn allerlei gethan nur um die Klassiker und die Gartenlaube zu verdienen. Der aus der Allgemeinen auch in unsere Blätter gekommene Artikel hat mir manchen zugeführt der dem s g Erfolg nachgeht, aber es ist darüber auch, großes Wehklagen entstanden in Israel. Jetzt soll ich gar der Verfasser der „ver­dammten deutschkatholischen Klarstellung" sein, der Pfarrer von hier hat schon Predigten gegen mich und die erfreulich gedeihende Bücherleihanstalt gehalten, doch er klagte letzt­hin es sei nichts mehr zu machen denn die ganze Gemeinde halte jetzt zusammen und zu mir, früher wäre das ganz an­ders gewesen.</p> <p>Doch genug hievon für heute.</p> <p>Sie haben mir eine schöne Zukunft eröffnet. Ich werde Ihnen ewig dankbar sein und werde werth zu sein suchen der Hand, die mich hält und führt, während andere mir Gruben graben, mich zu schreken oder zu verloken suchen und mir nur dar­um nicht schaden, weil Sie mich halten und führen. Ich hoffe, daß Sie den Kreis in dem ich lebe, gut genug kennen, um das nicht etwa für eine Schmeichelei zu halten. In den Kämp­fen und Nöthen dieses Jahrs war ich wol versunken, wenn nicht Sie mir festen Boden verschafft hätten. Ich danke dem Himmel daß er mich zu Ihnen führte. Von meinem neuen Werke hoffe ich Ihnen im Sommer schon einiges vorlegen zu können. O wir alle freuen uns recht von Herzen auf die Wochen, die Sie hier verleben werden. Könnten Sie nicht auch etwa Eins der Ihrigen mitbringen, Vielleicht Ihre Tochter? Ich bitte, mir sie und alle recht herzlich zu grüßen. Bei Keil werde ich Sie melden, Sie können ihm dann meinen Aufsatz zustellen wie und wann Sie es für gut halten. Mit tausend herzlichen Grüßen</p> <p>Ihr ewig dankbarer F M Felder</p> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Schoppernau Rudolf Hildebrand Flucht Israel Keil Klarstellung felderbriefe.at newsletter Sun, 10 Mar 2013 08:00:00 +0000 st 362 at http://felderbriefe.at FRANZ MICHAEL FELDER AN KASPAR MOOSBRUGGER http://felderbriefe.at/brief/franz-michael-felder-kaspar-moosbrugger-94 <div><span class="date-display-single">28. Februar 1867</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Lieber Freund!</p> <p>Von meiner glücklichen Heimreise ist nur wenig zu singen und zu sagen. In Au traf ich den Doktor, der mir interessante Mitteilungen machte. Am Tage vorher hatte er einen Kapu­ziner durch Wein und Widerspruch derart in Hitze gebracht, daß der gute Mann allerlei dummes Zeug schwätzte, wofür ihm seine frommen Brüder nicht danken werden. Man kam natürlich auf mich zu sprechen, und der Pater, der mich persönlich nicht kennt, äußerte u. a.:</p> <p>„Man hat allen Grund, das Ärgste von ihm zu vermuten, nämlich daß er der Verfasser der Klarstellung sei." „Aber er versteht ja kein Latein!"</p> <p>„Man sollte glauben, er verstände noch viel nicht, womit er sich abgibt, aus einem Gespräch, das wir kaum zur Hälfte gedruckt, mit Hilfe frommer Leute zum Lesen in die Hände bekommen haben, ergab sich, daß er ein Atheist ist. Man hat dann Feursteins Frau zugeredet, bis die Vollendung des Druckes aufgegeben wurde. - Sein neuer Roman muß auch recht schlecht sein; denn die Anzeige wurde zuerst von der Feldkircherin abgedruckt, so daß sie das Volksblatt gar nicht mehr aufnehmen mochte u.s.w." Ist das nicht interessant? Der erste Band der Sonderlinge liegt nun in siebzehn Bogen vor. Auch einen höflichen Brief von Bergmann samt seinem Werk über die Gemeinden Vorarlbergs hab ich erhalten. Der gutmütige Herr ersucht um einen größeren Beitrag für ein Werk, an dem er schon lang arbeitet, um eine Charakteristik unseres Völkleins. Ich hab höflich abgelehnt und ihn auf die Sonderlinge verwiesen. Jetzt also kriechen die - wieder her und nennen mir ihre Titel und ihren Einfluß, früher wollte sich keiner rühren. Das werde ich ihnen danken! Zur Bemerkung über die Klarstellung in der Landeszeitung schrieb unser Pfarrer: Ganz richtig. Er wußte, daß nur noch ich sie lesen werde und die Vorsteher. -</p> <p>Gestern erhielt ich das Mannheimer Journal zugesandt und fand folgendes angestrichen: „Eine interessante Schrift unter dem Titel: Klarstellung der Partei der Gleichberechtigung u.s.w. ist dieser Tage erschienen. Dieselbe zieht vorerst die österreichischen Zustände im allgemeinen in den Kreis ihrer Betrachtungen, geht dann auf die Religions-Verhältnisse über und bringt dabei sehr beherzigenswerte Schilderungen der Mißstände in Vorarlberg, die bei den ultramontanen Bestre­bungen allerwärts auch sehr gut auf andere Länder passen. Die Darstellung der sozialen Gebrechen und deren Herein­ziehen in die politischen und religiösen Fragen ist sehr gut gegeben, überhaupt das Schriftchen empfehlenswert."</p> <p>Diese Abschrift ist wörtlich, wenn Du sie etwa zu einem zweiten Inserat in der Feldkircherin benützen wolltest, nur um die Herren der Landeszeitung zu ärgern und zu zeigen, daß sie das Kraut weder fett noch mager machen können.</p> <p>Was macht Kunz? Hat er sich noch nicht geäußert? Hier verbreitet sich mit erstaunlicher Schnelle das Gerücht, Pfarrer Rüscher habe nach Dornbirn angehalten. Man hält seine Stellung für so unhaltbar und unerträglich, daß der Unsinn von vielen geglaubt wird. Freilich wollte er auch seinerzeit nach Bezau, aber so eitel wird er denn doch nicht sein. Ich und meine Freunde - hoffen auf dieses Gerücht hin noch nichts. Mit der Bibliothek fängt's langsam an zu gehen. Kunz - das hätt' ich fast vergessen - der Redakteur soll wirklich nach Amerika wollen. In diesem Fall solltest Du doch mit Ganahl reden, wenn Du selbst allenfalls etwas Lust und ­freie Zeit bekommen solltest. Die Zumutung ist wohl etwas stark. Aber wenn Du die Feldkircherin nicht möchtest, hättest Du als ihr Adoptiv-Vater das Recht, auch ihren Namen zu ändern und sie als „Volksstimmen" in die Welt, nicht nur nach Vorarlberg zu schicken. Die Sache verdient Überlegung.</p> <p>Daß Kunz geht, sagte mir der Wirt zum Sonntag, er be­hauptet, es ganz bestimmt zu wissen.</p> <p>Auf der Heimreise hab ich im Oberland mehrfach Gelegenheit gehabt, den Eindruck zu beobachten, den das schon überall bekannte Vorgehen des Landtages gegen Rinderer machte. Es wurde viel über Mathis geschimpft, „der ja nach Durch­sicht der Akten eine Neuwahl noch vor der Hauptwahl hätte vornehmen können". Auch Dr. Bickel als Komitee-Mitglied könnte diesen unangenehmen Eindruck noch kennenzulernen Gelegenheit bekommen. Mir ist wieder recht närrisch wohl bei meinen Bauern und ich arbeite, daß es klepft. Isabellens Freundinnen sind erfreut über die guten Nachrichten, die ich von ihr brachte und lassen sie freundlich grüßen. Heut ist schmutziga Dunstag, nachmittags werden ich, Felder und der hiesige Adel nach Au fahren oder gehen. Beim Rößle in Au hat man Stubata und Musik, hier soll man sich nicht mehr regen, damit der Pfarrer in dekanliche Gnade komme. Also fort nach Au, wo man sich regt! Mit Gruß und Handschlag Dein treuer Freund</p> <p>F. M. Felder</p> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Schoppernau Kaspar Moosbrugger Fasching hiessige Adel Klarstellung Kunz schmutziga Dunstag felderbriefe.at newsletter Thu, 28 Feb 2013 08:00:00 +0000 st 361 at http://felderbriefe.at KASPAR MOOSBRUGGER AN FRANZ MICHAEL FELDER http://felderbriefe.at/brief/kaspar-moosbrugger-franz-michael-felder-58 <div><span class="date-display-single">6. Februar 1867</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Lieber Freund!</p> <p>Heute erhalte ich Deinen sehr geschätzten Brief von Bezau und danke vor allem Gott, daß Du wieder gesund und mutig bist, zugleich muß ich Dich bitten, Deine Gesundheit und Deine Kräfte richtig zu schätzen und methodisch und vor&shy;sichtig damit zu wirtschaften. Sie sind ein so wertvolles und schätzbares Gut, daß die möglichste Schonung und vernünf&shy;tigste Behandlung derselben nicht nur für Dich und Deine Familie, sondern für Volk und Staat von höchstem Wert sind. Wie unlieb es mir wäre, daß die Druckung der Klarstellung noch mehr verzögert worden wäre, hätte ich in keinem Fall gewünscht, daß Du deswegen Dich gesundheitlichen Ge&shy;fahren aussetzest. Ich hoffe, daß die kleine Reise nicht ge&shy;schadet habe und Kraft und Mut Dir wieder gewährt und gesichert bleiben. Den Abfall Feursteins habe ich geahnt und ihm gestern einen Brief geschrieben, der in seiner Seele noch lange nachklingen dürfte. Wenn er wirklich Dein Freund bleibt, möge er Dir ihn mitteilen. Es ist gut, daß er fort ist, denn in Wahrheit war er uns nur eine Fessel. &shy;Wenn ich heut und morgen keinen Brief von Dir oder Feur&shy;stein erhalten hätte, wäre ich auf und zu Euch gekommen.</p> <p>Jetzt bin ich wieder ruhig und heiterer Seelenfrieden lagert sich, Gott sei Dank, auf meinem Geist. &shy;Ich gebe zugleich mit diesem Brief einen an Stettner auf die Post.</p> <p>Ich gratuliere Dir zu den in Aussicht stehenden Erfolgen der Sonderlinge. Die Annonce in der Allgemeinen war mir ein Labsal und machte hier viel Aufsehen. Die Herrn des Tages werden stutzig und lauschen schon auf jedes Wort, das unseren Lippen entgleitet. Es ist merkwürdig, in wieviel Sachen man sich auf unsere Autorität schon beruft. Die Klar&shy;stellung dürfte merkwürdige Erscheinungen zutage fördern. Ich halte dafür, wir sollen die Wirkungen derselben und allenfalls auch die der Sonderlinge für unsern weitern Opera&shy;tionsplan abwarten. Das sind zwei kecke Würfe und können für uns entscheidende Erfolge haben. Es ist möglich, daß wir den Karl Ganahl soweit gewinnen, daß er seine Zeitung uns zur Verfügung stellt oder zu einer andern uns mitver&shy;hilflich ist. Ich bin einverstanden, mit ihm und Kunz einen Versuch wieder zu machen, aber wir wollen wenigstens noch die Wirkung der Klarstellung abwarten. Eine bringt dann das andere. Wir dürfen aber die Klerikalen nicht aus dem Kalkül lassen. Unter diesen wird es zu großen Gärungen kommen, wenn - noch ein Funken Gesundheit in ihnen steckt. Sie werden uns entweder zu Ketzern machen oder uns entgegen kommen. Wir werden sehen. -</p> <p>Ich danke Dir sehr für Deinen Eifer und preise mich glücklich, zu gleicher Zeit mit Dir die Erdenbahn zu durchwandeln. &shy;Eine mündliche Besprechung wird gut sein und ich glaube, es ist nützlicher, daß Du herauf-, als daß ich hineinkomme. Du kommst in die Welt und ich käme abseits, wir könnten dann vielleicht miteinander zu Kunz etc. Du bist willkommen, wann Du kommst, aber schau auf Deine Gesundheit, das Wetter&nbsp; etc.&nbsp;&nbsp; Die&nbsp;&nbsp; Ministerkrisis&nbsp;&nbsp; ist&nbsp; fertig,&nbsp;&nbsp; die&nbsp; Weltwende räuspert. Mit Gruß und Handschlag Dein Freund</p> <p>K. Moosbrugger</p> </div> <div> </div> Kaspar Moosbrugger Bludenz Franz Michael Felder Klarstellung Wed, 06 Feb 2013 08:00:00 +0000 st 356 at http://felderbriefe.at KASPAR MOOSBRUGGER AN FRANZ MICHAEL FELDER http://felderbriefe.at/brief/kaspar-moosbrugger-franz-michael-felder-57 <div><span class="date-display-single">30. Januar 1867</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Lieber Freund!</p> <p>Auf Dein vorletztes Schreiben hin habe ich gleich nach Bezau einen Brief abgehen lassen, welcher, da poste restante darauf steht, dort liegen wird. Da Du zu meinem großen Bedauern unpäßlich geworden bist, habe ich dem Feurstein gestern ge­schrieben, er soll, falls er die Klarstellung noch bei sich hat, jenen Brief abholen und das Manuskript nach der im Brief angegebenen Richtung richtigstellen und die Drucklegung sofort besorgen, d. h. befördern. Falls er das Manuskript nicht mehr hat, soll er den Brief an Dich abgängig machen. In diesem Fall ersuche ich Dich zu beurteilen, ob die Druck­legung ohne weiters und ohne Rücksicht auf die von mir beantragten Änderungen vor sich gehen soll. Meine Meinung ist, die allfallsigen Änderungen seien zu wenig wesentlich, als daß die Drucklegung noch mehr verzögert wird, als sie es bereits ist. Die Broschüre sollte jedenfalls längstens bis 9. in den Händen der Adressaten /: Pfarrer, Zeitungsredaktionen und Landtagsabgeordneten :/ sein. Ich glaube, es vollzieht sich bis dahin schon derart viel, daß man es merkt, daß die Broschüre nicht neuesten Datums ist. Sollte sich die Druckung noch mehr verziehen, müßte unbedingt eine Nachschrift bei­gesetzt werden, denn schon haben wir Nachricht von dem Ausbruch der Ministerkrisis und Kaisersfeld soll ernannt werden.</p> <p>Es ist mir fast als ob man fluchen sollte, daß unsere Sachen so schneckenartig vor sich gehen. Wenn man geht, soll man recht gehen, nicht so natur- und sachwidrig. Das Gesetz wegen der geheimen Abstimmung ist sanktioniert. Gestern war hier Wählerversammlung, und man sagte mir hiebei, wenn ich kandidiere, komme ich in den Landtag. Ich lehnte aber ab. Dr. Bickel kommt wieder und ist ein guter Bahn­brecher für uns. Ich würde im Landtag zu entschieden auf­treten und daher in unfruchtbare Opposition kommen, was unserer Sache vielleicht nicht förderlich wäre. Ich sehe, daß auf dem von uns betretenen Weg unsere Ideen still, aber nachdrucksam und auf wenig gefährliche Weise ins Volk kommen.</p> <p>Ich wünsche Dir baldigste Besserung und mir je ehere Nach­richt über das endliche Erscheinen unserer Schriften. Mit Gruß und Handschlag Dein Freund</p> <p>K. Moosbrugger</p> </div> <div> </div> Kaspar Moosbrugger Bludenz Franz Michael Felder Klarstellung felderbriefe.at newsletter Wed, 30 Jan 2013 08:00:00 +0000 st 351 at http://felderbriefe.at FRANZ MICHAEL FELDER AN KASPAR MOOSBRUGGER http://felderbriefe.at/brief/franz-michael-felder-kaspar-moosbrugger-90 <div></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Lieber Freund!</p> <p>Was schon, als ich den letzten Brief schrieb, sich leise regte, ist seitdem in mir zum Ausbruch gekommen, das ist der Grund, daß ich nicht von Bezau aus an Dich schreibe. Ich bin unwohl und habe mich, wenn auch schwer, zum Aufgeben der auf heute bestimmt gewesenen Reise nach Bezau ent­schließen müssen. Wie hart das gegangen, könnte Dir das Wible sagen, aber der Doktor, der mich auch in gesunden Tagen häufig besucht, hat mir ernstlich geraten, mich in Acht zu nehmen, um nicht einen ungefährlichen Zustand zu einem sehr gefährlichen zu machen. Ich werde Feurstein meinen Zustand melden und ihn ersuchen, mich zum Zweck einer ihm etwa nötig scheinenden Verhandlung hier zu be­suchen, wenn mein Magenleiden doch länger als einige Tage mich festhalten und plagen sollte.</p> <p>Da ich Leib und Seele noch so ziemlich beisammen habe, und mir auch der Appetit nicht fehlt, so hab ich guten Mut und erwarte bald wieder rüstig einstehen zu können für die heilige Sache des Volkes. In der letzten Zeit hab ich fleißig gelesen und manche Lücke in etwas zu ergänzen auszufüllen gesucht. Jetzt freilich würde mich das nur noch fieberischer machen, und es gibt mir nichts Besseres, als auf dem Kanapee liegend alle Viere auszustrecken und als echter Schüler Epiktets alles ruhig gehen zu lassen. Es ist mir das jetzt auch leichter, als man glauben könnte. Doch genug vom kranken Mann!</p> <p>Deine Schrift wanderte Dienstag nach Bezau und ich ver­sprach, heute nachzukommen. Nun werde ich, wenn Du nichts anderes mehr bestimmst, dafür sorgen, daß sie so schnell als möglich gedruckt wird, doch wohl nicht bei Feur­stein, da sich doch, wie ich glaube, zu viele Fehler ein­schleichen dürften. Das Erscheinen der Zeitung ist noch in Frage gestellt durch Feursteins Unentschlossenheit. Er hat eigentlich noch gar nichts getan. Ich stehe zwischen Dir und ihm wie zwischen Tür und Angel und wer mich die letzten Wochen in einem gemütlichen Zustand glaubte, der - durfte wenigstens unbesorgt sein. Ich habe meinen Freund Uhren­macher nicht gefunden, wie ich hoffte und bin doch zu schwach, ihn aufzugeben. Ich - genug. Feurstein soll zu den Wählern gewählt sein. Ich glaube, er könnte in den Landtag kommen, doch kenne ich die Resultate der Vorwahlen im Ganzen noch zu wenig, um etwas nur ernstlich vermuten zu können. Und jetzt hab ich recht genug geschrieben und gäbe gern etwas, wenn nur auch Feurstein schon abgefertigt wäre. Du siehst, wie trag und selbstsüchtig ich heute bin. Entschuldige mich, es wäre mir z. B. unmöglich, einen Ge­danken eine Minute festzuhalten, und von so einem Men­schen kannst Du auch keinen bessern Brief erwarten, schon dieser hat mich, daß ich's offen sage, Anstrengung genug gekostet.</p> <p>Ich hoffe, bald Besseres von mir sagen zu können. Bis dahin lebe wohl.</p> <p>Mit Brudergruß und Handschlag Dein Freund</p> <p>F. M. Felder</p> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Schoppernau Kaspar Moosbrugger Klarstellung Fri, 25 Jan 2013 08:00:00 +0000 st 350 at http://felderbriefe.at KASPAR MOOSBRUGGER AN FRANZ MICHAEL FELDER http://felderbriefe.at/brief/kaspar-moosbrugger-franz-michael-felder-56 <div><span class="date-display-single">24. Januar 1867</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Lieber Freund!</p> <p>Ich beeile mich, den heute erhaltenen werten Brief recht&shy;zeitig zu beantworten.Das vom gelben und blauen Blut bitte ich auf Deine Bemer&shy;kung hin zu streichen.Die Regierung müssen wir „als Christen" lieben, sie ist doch unsere Regierung, und wir müssen sogar unsere Feinde lieben.in den beiliegenden Bogen meines rohen Entwurfes wirst Du sechs rot angestrichene Stellen finden und dabei sechs mit Blei geschriebene Zitate, die ich in das zum Druck bestimmte Manuskript eingeschalten wünsche. Wenn Du sie liest, wirst den Grund und Zusammenhang finden. Wo das + ist, muß die betreffende Stelle als Anmerkung unter den Strich. Diese Stelle scheint mir besonders wichtig, weil sie einen Zu&shy;sammenhang herstellt und ich wirklich die Lücke früher über&shy;sah. Die Bemerkung wegen der Statuten, wie die andern Einschiebsel, scheinen auch zu mehrerem Licht nötig. Ich ersuche Dich, das Manuskript in diesen Punkten zu ergänzen. Auf dem letzten Bogen findest Du auch einen Entwurf der Zeitungsannonce, den Du vorkommendenfalls dem Manu&shy;skript anhängen sollst. Es hätte mich gefreut, Deine Literaten&shy;bemerkungen zu hören, wenn offenbare Fehler oder Mängel vorkommen, so sei so gut, ohne weiteres zu korrigieren.</p> <p>Mit der Sendung nach St. Gallen bin ich einverstanden.</p> <p>Es freut mich, wenn Du mich besuchen solltest, wir könnten</p> <p>Manches besprechen.</p> <p>Die Andelsbucher Schrift las ich, wer schrieb sie?</p> <p>Auf baldige gute Nachrichten harrend</p> <p>Dein Freund</p> <p>K. Moosbrugger</p> </div> <div> </div> Kaspar Moosbrugger Bludenz Franz Michael Felder Drucklegung Klarstellung Schrift über den Andelsbucher Jahrtag Thu, 24 Jan 2013 08:00:00 +0000 st 349 at http://felderbriefe.at KASPAR MOOSBRUGGER AN FRANZ MICHAEL FELDER http://felderbriefe.at/brief/kaspar-moosbrugger-franz-michael-felder-55 <div><span class="date-display-single">16. Januar 1867</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Lieber Freund!</p> <p>Deine zwei letzten Briefe habe ich erhalten. Über den letzten glaubte ich, meine Arbeit, von der Du weißt, beschleunigen zu müssen. Sie liegt nun fertig bei. Der Grund meiner Be&shy;schleunigung ist der, weil mir vorkommt, Du kommest über die Festes- und andern Gemütlichkeiten in einen Zustand der Legerität. Wie würdest Du sonst wegen eines Weibes&shy;wunsches Dein Vorhaben mir nichts Dir nichts aufgeben wollen. Wie es hier mit der Nichtdruckerei und in Bregenz mit der Druckerei aussieht, sollst Du wissen, auch daß ich in meiner jetzigen Stellung keine Zeitung leiten kann. Ich habe eine Änderung meiner Stellung allerdings in Aussicht ge&shy;nommen, die hängt aber zusammen mit den bevorstehenden Änderungen in unserm Staatswesen und - vielleicht auch mit meinem Broschürenwesen. Diese neueste Arbeit kann einen mitwirkenden Faktor geben. Es kann sein, daß es mir unmög&shy;lich wird, im Staatsdienst zu bleiben. Vorläufig muß ich aber zusehen und abwarten. Ich habe die Zeitung auf Deinen letzten Brief hin, wie zu ersehen, nicht angekündigt. Wenn die Klarstellung auf Euch die Wirkung macht, die sie machen kann, werdet Ihr vielleicht wieder wacher und rühriger für unsere gemeinsame Sache und dann kannst Du die Ankün&shy;digung hinten nach eigenen Gunsten anbringen. Diese Klar&shy;stellung wird Dir die Zeitungsleitung jedenfalls viel leichter machen. Es ist mir nur leid, daß Ihr meine Argumente auf Treu und Glauben werdet hinnehmen müssen, wenigstens zum Teil, da Euch die einschlägigen Vorstudien fehlen. Doch der Hauptsache nach könnet Ihr Euch ein richtiges Urteil bilden, und ich bin dankbar, wenn Ihr mir eine scharfe Kritik entgegenstellt. Ich erwarte sie so präzis, wie ich sie Dir lieferte. Randbemerkungen bitte ich zu unterlassen, da ich einen rohen Entwurf noch hier habe und Verbesserungen nach Deinen Zitaten anbringen kann. Das Dir geschickte Manuskript soll zum Drucker wandern, und da die politischen und andere Ereignisse drängen, soll der Druck und die Aus&shy;gabe so schnell als möglich erfolgen. Ich stehe wieder in ähnlicher Lage wie bei dem Ruf. Zur rechten Zeit die rechte Wirkung. Wenn Feurstein den Druck übernehmen will, soll er es mir gleich anzeigen, sonst werden wir es wieder ähnlich wie beim Ruf machen, nur glaube ich, sollten wir nicht mehr so viele Exemplare frei verschicken, dafür aber durch An&shy;noncen und dergleichen für weitere Verbreitung sorgen. Den Pfarrern werden wir die Broschüre doch schicken müssen. Ich konnte sie bei dem massenhaft zu verarbeitenden Material nicht kleiner machen, es mußte so noch, fürchte ich, zu viel verschwiegen werden. Meine weitere Arbeit konnte ich auch nicht ankünden, weil sie auch mit meinem Geschick als Beamter kohäriert und ich dazu jedenfalls mehr Muße brauche, als ich habe. Ich habe jetzt schon lange zu beißen an dem, was ich des Vorbegründens wegen aufschob. - Ich ersuche Dich, den Fortgang der Veröffentlichung zu be&shy;schleunigen, da ich wegen Mangel an Zeit vorderhand mich nicht mehr mit dem abgeben kann. - Deine Broschüre habe ich schon täglich erwartet und wundert mich, daß Du so den Schneckengang mit ihr gegangen bist. Auch diesfalls täte Beschleunigung not. Zu Deinem Erfolg bei Hirzel gratuliere ich und hoffe das Beste. Wie gefallen Dir die Ungarn? Jetzt sind sie teuflisch wegen der Militärverordnung. Dr. Bickel sagt, diese Verordnung breche der Regierung den Hals. Also baldige Kritik und gute Antwort erwartend mit Brudergruß und Handschlag Dein Freund</p> <p>K. Moosbrugger</p> </div> <div> </div> Kaspar Moosbrugger Bludenz Franz Michael Felder Druckerei Geschwindigkeit Klarstellung Zeitungsgründung Wed, 16 Jan 2013 08:00:00 +0000 st 343 at http://felderbriefe.at