felderbriefe.at - Schnee http://felderbriefe.at/taxonomy/term/301/0 de AN RUDOLF HILDEBRAND http://felderbriefe.at/brief/rudolf-hildebrand-13 <div><span class="date-display-single">22. Januar 1869</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <div> <p>Liebster Freund!</p> <p>Gestern Abends spät hab ich Deinen Brief gelesen und mich gefreut, daß mein Juhei auch in Leipzig ein Widergeben zu Wege bringen konnte. Mariannens Abschrift hättest Du auch behalten können. Es hat das gute Kind recht gefreut diesen Brief abschreiben zu können. Ich war damahls recht fröhlich, während es sonst oft einen recht traurigen Arbeitgeber hat, so daß ich selbst es oft bedauern muß, ohne mir und ihm auch mit dem besten Willen helfen zu können. Mit der Bevölkerung lebe ich nun ziemlich in Frieden. Zwar viele scheuen mich noch, aber der offene Kampf ist zu meinem Vortheil ausgegangen und Rüscher gilt für einen todten Mann. Der Kampf war nicht umsonst, er hat anregend und aufklärend im ganzen Ländchen gewirkt. Mir kommt man jetzt überall freundlich entgegen und hört auf mein Urtheil. Die Vereinssennerei in Bezau will den Vereinsstifter mit Überreichung einer schönen Taschenuhr beehren, deren Emp­fang ich Dir bald werde melden können. Von meinen Freun­den im ganzen Ländchen wird die Sache absichtlich recht öffentlich und großartig gemacht, um meine Gegner zu ärgern.</p> <p>Wenn ich so wochenlang eingesperrt lebe, kommt mir mein Dasein so zerrissen vor, daß ich allen Muth zusammen nehmen muß, um alles ertragen zu können, das Wible fehlt mir im­mer und überall. Es war mir Auge und Hand. Früher sagte man mir, die Zeit werde vieles heilen, ich hoffe das auch, aber bisher hab ich selbst alles thun müssen; die Zeit hat wenig erleichtert. In letzter Zeit war, damit alles fehle, mein Schreiner krank, der Uhrenmacher ist fort. Ich hatte nur Mariannen. Jetzt ist der Schreiner wieder zweg und wird uns bald besuchen können, wenns einmal nicht mehr gar so grimmig kalt ist. Schnee haben wir jetzt viel zu wenig so daß die meiste Winterarbeit noch ungethan ist. In Bezau draußen ist noch gar kein Schnee. Ich kam letzte Woche hinaus, denn auf meine und Anderer Anregung hin wird nun in Bezau eine Landesleihbibliothek errichtet, der ich auch die Unsere zu verschmelzen gedenke. Es wurden schon mehrere Ver­sammlungen abgehalten. Etwas Geldmittel sind zusammen­gebracht und das gemeinnützige Unternehmen ist gesichert. Auch in Bludenz, Götzis, Dornbirn und Bregenz sollen solche Bibliotheken als Gegenmittel gegen die Kasinos errichtet wer­den. Ich kann meine Freude darüber nicht läugnen, daß wir Schoppernauer etwas voran waren, und gleichsam die ersten Lanzen für die Sache gebrochen haben. Am letzten Montag hatten wir hier die größte Bauernhoch­zeit, die wir seit lange gesehen. Die Braut, ein nach hiesigen Begriffen reiches Mädchen ist von Au. Einer meiner Schul­freunde, Du lernst ihn aus meiner Selbstbiografie kennen, hat seit Jahren ein Verhältniß mit ihr, aber der fromme Vater wollte sie nicht in das gottlose Schoppernau lassen. Nun kannst Du Dir die Bedeutung dieses Festes denken. Alle Grö­ßen des Landes waren nach Schoppernau gekommen, um der Verlobung ihrer Base oder ihres Vetters beizuwohnen. (Ihre Freundschaft ist überall verzweigt). Abends trat ich vor 3 Geistlichen und 2 - 300 Zuhörern als Abdanker auf. Ich schreibe Dir das nur, um Dir in einem Bilde Sieg und Ver­söhnung zu zeigen. Vor einem Jahr wäre so ein Fest so un­möglich gewesen als seine Veranlassung. Als ich den Vater des Hochzeiters und den der Braut während meiner Rede beisammen sitzen sah, mußte ich unwillkürlich an Sepp und Barthle denken. Im Verkehr mit der Umgebung wird mir jetzt manche Freude, aber als giftiger Tropfen mischt sich im­mer der Gedanke ein: Du Armer kannst das nicht mehr mit Deinem guten Wible theilen, die doch auch mit darum ge­kämpft, geduldet und ausgestanden hat. Noch arbeit ich an der Selbstbiografie, in der Du auch das Gewünschte von der Siegfriedsage finden wirst. Ich kann Dir allenfalls die ersten Kapitel mit der Sage schicken, wenn Du glaubst, daß sie mit Angabe der Quelle benützt werden kön­nen. Ich denke den ersten Band und vorläufig das Ganze mit meiner Verehelichung abzuschließen, doch bin ich noch lange nicht so weit. Von einem Herren Birlinger in München weiß ich nicht mehr als den Nahmen und was Du mir ge­schrieben hast. Seine Bemerkungen können und müssen aus meinen Erzählungen sein. Molken kommt schon im Nümma­müller vor z B S 228.</p> </div> <p>Kurat Herzog bittet,&nbsp; ihm wo&nbsp; möglich die Zeichnung oder Beschreibung einer Fisharmonika zu schicken. Ich schließe mit den herzlichsten Grüßen, auch von Marian­nen und der Mutter, an Dich, Deine Frau und alle Freunde. Schreibe bald wieder Deinem einsamen Freund</p> <p>F M Felder</p> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Schoppernau Rudolf Hildebrand Abdanker Aus meinem Leben Schluss Bibliotheken Schnee Siegfried Thu, 22 Jan 2015 08:00:00 +0000 st 692 at http://felderbriefe.at AN RUDOLF HILDEBRAND http://felderbriefe.at/brief/rudolf-hildebrand-1 <div><span class="date-display-single">30. April 1868</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Lieber Freund!</p> <p>Schon als lang erwartetes Lebenszeichen war mir Dein letz­tes Schreiben sehr erfeulich. Der Inhalt aber hat mich recht, recht glücklich gemacht. Du wirst dem Übersetzer antworten und vielleicht seinen Wunsch wegen der Vorrede erfüllen. Ich überlasse das ganz Dir, denn ich weiß, wie Du für mein Bestes bedacht bist. Laß ihn mir aber freundlich grüßen, spreche meine Freude über seine That aus und bitte ihn wenigstens für uns um einige Exemplare. Wenn Du willst, kannst Du ihn auch auf reich und arm aufmerksam machen. Dieser Roman, ich glaube mir die Bezeichnung erlauben zu dürfen, ist nun fertig. Eben lesen wir, ich und das Wible, ihn zusammen durch und haben dabei recht schöne Stunden. Ich bin mit der Arbeit sehr zufrieden. Man hat es darin fast nur mit guten, zum Theil allerdings verirrten Leuten zu thun, deren Wesen und Wirken wol auch andere interessieren dürfte, die meiner Heimat fernerstehen. Es sind Menschen mit ihren Vorzügen und Fehler[n]. Ich bin unsäglich begierig auf Dein Urtheil und kann es kaum noch erwarten, bis Du Dich darüber aussprichst. Ich werde Dir daher schon in der nächsten Woche das Ganze übersenden. Hirzeln kannst Du das Nötige melden. Das Weitere können wir wol mündlich abmachen, wenn Dir eine Unterhandlung peinlich sein sollte, denn ich denke ernstlich an die Reise nach Leipzig und es wäre möglich, daß ich schon Anfangs oder Mitte Juni käme, während die Meinen in Hopfreben sind. Es wird ohne mich schon enge genug in der kleinen Hütte. Die Artikel im Wanderer und Tagespost haben die Behör­den zum Einschreiten gedrängt. Ich habe seit dem letzten Brief Unglaubliches erlebt, aber im Ganzen macht sich die Sache immer besser und ich kann mit dem Erfolge sehr zu­frieden sein. Sogar der Klerus läßt Rüscher fallen. Der Mann ist wüthend, aber er kann bloß leeres Stroh dreschen. Der Erfolg unseres Käse-Vereins ist ein glänzender, das Ländchen hört immer mehr auf mich und ich fühle mich von nichts mehr als von Mangel gedrückt. Hoffentlich ist das, wenn nicht zu überwinden, so doch zu ertragen. Die Vergrößerung der Familie durch meinen Martin hat mich doch gefreut u dem Wible thut es wol, das Kind mit dem Nahmen seines Vaters anreden zu können, der vor 11 Jahren starb. Hier hats noch 2 1/2 Fuß Schnee, der Frühling wird aber nun schnell einziehen. Ich freue mich auf die milde Jahreszeit und auf Leipzig und auf reich und arm und auf die Sonder­linge im Holländischen. O das Leben ist doch hübsch über­all wo mans erfaßt oder nur eine Strecke geht und etwas thut.</p> <p>Lang ist mir nie so wol gewesen als jetzt vor meiner voll­endeten Arbeit. Ich halte das für ein gutes Zeichen. Viel viel möcht ich von meiner Arbeit sagen, aber Du wirst sie ja lesen und dann können wir, und mündlich darüber reden. Laß mir den Club und alle Treuen grüßen, und melde meine Freuden allen, die auch meine Leiden und Sorgen theilten. Von der Verfolgungsgeschichte will ich im Sommer erzählen bis ihr mehr als nur genug habt. Heute kein Wort mehr da­von. Lebe recht recht wol! es grüßt dich herzlich</p> <p>Dein Freund F M Felder.</p> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Schoppernau Rudolf Hildebrand Grotendik Reich und Arm Schnee Sonderlinge Wed, 30 Apr 2014 07:00:00 +0000 st 567 at http://felderbriefe.at AN RUDOLF HILDEBRAND http://felderbriefe.at/brief/rudolf-hildebrand <div><span class="date-display-single">9. März 1868</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Lieber Freund</p> <p>Das Briefschreiben hat seit Eröffnung der Post für mich einen ganz eigenen Reiz und ich werde Dich Armen nun gar nie mehr in Ruhe lassen. Heut muß ich Dir danken für die Freude, die Du mir mit dem letzten Briefe machtest. Ich habe wirklich gelacht und das Wible mit, ganz laut daß unser staunender Philax, der Hund laut zu bellen begann. Du hast übrigens noch nicht alle meine Titel und Nahmen angeführt, vielleicht aus Feinheit, sonst hättest Du mich noch nennen können: Großmeister der hiesigen 200 Freimaurer, Verwalter des Handwerkervereins, Erzketzer, Sektenstifter usw. Aber genug und zum Überfluß schicke ich Dir hier noch den Hochwolgebornen von einer Adreßschleife der öster Gartenlaube mit. Nicht wahr, da hört jetzt alles auf? Und doch noch mehr von dem, was bei gewöhnlichen Men­schenkindern Großsprecherei hieße. Den holändischen Artikel, der mich so freute, möchte ich einmal haben. Er soll dann hier übersetzt werden, d h aber nicht von mir, aber der Uhrenmacher will etwas können. Gelt, was sind wir für Kerle? Wer sollte das glauben!</p> <p>Aber nun zum Roman. Den ersten Theil hab ich stark um­gearbeitet und bin damit in den letzten Tagen fertig gewor­den. Der 2 te ist erst im rohen Entwurfe fertig. Auch da muß manches mit Rücksicht auf die Veränderungen im 1 Theil umgeschaffen werden. Das auch ist der Grund, warum ich dir denselben noch nicht schickte und noch nicht gleich schik­ken kann. Der Schluß des ersten Theils ist nun bedeutender. Der Schlägerei hab ich das Grobbäurische benommen, indem ich den Knecht, der jetzt Jos heißt, als er auch den einzigen Freund, Stighansen sich gegenübersieht, durchs offene Fen­ster hinaus springen lasse, wobei er einen bösen Fall thut. So bleibt Hansens Schuld und Jos leidet an den gleichen Folgen obwol die Geschichte ein ganz anderes Gesicht ge­winnt. Der Roman ist ein socialer, aber die Brixner bekom­men wieder ihr Theil. Fromme Erbschleicherei ist an allem Unheil schuld und ich muß ihr wol am Schluß auch noch die Zusei zum Opfer fallen lassen. So nur ist Wahrheit im Ganzen, auch halte ich die Wirkung für bedeutender. Ich glaube, zum größten Theil sind die Ultramontanen an unserm socialen Elend schuld und möchte zeigen wie. Alle Personen finden schließlich den Frieden. Nur Zusei, von Betschwestern umschmeichelt, durch deren Hülfe sie auf den Stighof wollte, geht in der Verzweiflung - ins Kloster. Sonst hab ich viel gekürtzt, einzelnen Sätzen ellenweise von der langen Nase geschnitten und ich freue mich darauf, einmal das Ganze lesen zu können. Wenn ich im Sommer nach Leipzig komme, so hoffe ich es mitbringen zu können. Ich wollte oft, daß ich über etwas reden könnte, nun die Zeit kanns noch bringen. Es ist wol gut, wenn wir vor dem Druck darüber sprechen. Vom Gartenlaube Artikel hab ich ein Ex an Moosbrugger geschickt, von dem du es wol schon erhalten hast. Hier hats noch 3 Fuß Schnee und stürmt, daß man kaum die Fensterladen offen erhält. An solchen Tagen legt leicht sich das Gefühl unlieber Einsamkeit auf mich, doch trage ich viel weniger schwer daran, seit wir eine tägliche Post, von hier nach Au einen abendlichen Bothen haben. Die Predigt in Reute, von der mein letzter Brief meldete, macht hier großes Aufsehen. Die Untersuchung wegen Wahlstörung hat nun auch begonnen und regt die Gemüter auf. Unsere Ultras bemühen sich, die Liberalen mit Lasalles Grundsätzen zu be­kämpfen. Rüscher hat seit der Wahl keinen Streich mehr gewagt.</p> <p>Nun aber wirds Nacht und die Kühe schellen. Lebe wol. Mit Gruß und Handschlag</p> <p>Dein Freund Franz Michael Felder</p> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Schoppernau Rudolf Hildebrand Philax Reich und Arm Schnee Titel Wetter Sun, 09 Mar 2014 08:00:00 +0000 st 540 at http://felderbriefe.at FRANZ MICHAEL FELDER AN KASPAR MOOSBRUGGER http://felderbriefe.at/brief/franz-michael-felder-kaspar-moosbrugger-70 <div><span class="date-display-single">17. Mai 1866</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Lieber Freund!</p> <p>Von meiner Heimreise gibt's nicht viel zu berichten. Bis Sonntag wandelte ich im Nebel, dann auf Schnee, abends 1/2 7 Uhr kam ich zu Hause an und kam nun lange nicht zur Ruh, weil ich meinen Freunden noch aus den Zeitungen er­zählen mußte. Ich hatte nun Gelegenheit, Schoppernau und Bludenz nebeneinander zu stellen. -</p> <p>Hier ist die Aufregung groß und der Kriegslärm läßt nichts mehr neben sich aufkommen; auch meine Pläne scheinen durchkreuzt werden zu sollen. Dennoch ging ich vor acht Tagen zum Rätzle, und da es, wie ich Dir sagte, schon von mir hörte, so hatte ich gut reden, es erklärte sich auch geneigt, die Sache zu übernehmen, wenn die Bauern so ver­nünftig sein sollten wie ich! Ich glaube nun, daß mir alle, die sich lobend und tadelnd gern Volksfreunde nennen, mit aller Kraft helfen sollten, damit die Sache bald zustande käme, denn das Rätzle wird nicht mehr lang leben. Hier hat mein Bericht von Bezau wieder ein wenig Leben in die Leute ge­bracht.</p> <p>Mit Deinem letzten Brief hab ich auch einen vom Hildebrand erhalten. Leipzig, 8. Mai. Meine Sonderlinge sind fünf Tage auf der Reise gewesen. Hildebrand freut sich über den Empfang und schreibt mir eine Antwort auf einen frühern Brief, in dem ich ihm einiges aus meinem Leben mitteilte. Du wirst an einem kurzen Auszug des übrigen genug haben: Das Werk werde jetzt schwerlich veröffentlicht, wenn die nächste Woche nichts Besseres bringe. Alle Geschäfte ständen still, alles Vertrauen im Handel schwinde, Hunderte von Ar­beitern würden entlassen und alle Geschäfte, die nicht dem Tage dienen, geraten ins Stocken. - Für Ihr Manuskript haben Sie keine Sorge, da eine Beschießung unserer Stadt doch nicht zu befürchten ist. - Sonst bin ich auf das Ärgste gefaßt, doch seh ich in Deutschland noch so viel Gesundes, daß ich mich der Hoffnung hingebe, der Bruderkrieg werde anders enden, als die es wünschen und wollen, deren Leidenschaft ihn ent­zündete.</p> <p>Ihre Sammlungen gehen mir nahe. Ich habe in Gotha vor einer Germanistengesellschaft, bewaffnet nur mit Ihren Brie­fen und dem Schwarzokaspale, einen Vortrag gehalten, und Sie werden in Folge dessen bald Zusendungen erhalten -. Du siehst, Hildebrand ist noch Gelehrter, wenn er auch anderes mitteilt, bald ist er wieder auf seinem Acker und ersucht mich um Proben aus meinem Wälder-Wörterbuch. Von Gustav Freytag schreibt er: Ich hab ihm Ihre Briefe vor­gelesen. Er hält alles für unbegreiflich. Am End ist es gut, daß ich Sie auf dem Stuhl neben mir sehe. -</p> <p>Doch genug und nur noch die Nachricht, daß Hirzel ihm (Hildebrand) die Sonderlinge überließ, um sie zu durchgehen. Hildebrand schreibt, ich wünschte eine Vorrede mit einem kurzen Abriß Ihres Lebens. - Natürlich hab ich mich dagegen ausgesprochen, habe meine Gründe gesagt, es ihm jedoch freigestellt, mich mit einigen Worten auf seine Verantwortung einzuführen.</p> <p>Jetzt wird Theres froh sein, daß sie noch nicht in Warth ist, wenn's auch in Bludenz noch keine Kirschen gibt, in dieser Woche hat's täglich geschneit, das Vieh kann sich noch kaum erhalten und die Heupreise beginnen zu steigen. Merkwür­dig ist, daß der Anfall auf Bismarck hier mehr Lärm macht als einst der in Wien. An der Auer Kilbe wurde überall politi­siert, und es hieß, die noch gut Kaiserlichen werde man im Herbst auf die landwirtschaftliche Ausstellung schicken. Die Versetzung Benedeks u. a. liegt den Leuten im Magen. Und nun noch etwas Erfreuliches. Unsere Muttergottes hat - einen neuen Rock bekommen, der kostet 100 Fl. Nur hatte man erst 50 und die Stickerinnen sollten opfern. Jede sollte ihren Bei­trag in einen - mit Namen und Hausnummer versehenen ­Zettel einwickeln und beim Altar abgeben. Fallen Dir nicht Stellen aus den Sonderlingen ein? Also auch hier Konkurrenz. In einer minder bewegten Zeit würde ich das und noch einige Pflänzchen in die Feldkircher Zeitung gegeben haben. ­Dein Bruder Pius hat am 7. d. M. das Vieh fortgetrieben, er selbst aber ist wieder zurückgekommen, um die Feldarbeit zu verrichten. Hast Du noch nicht an den Schmidlebub ge­schrieben? Ich hoffe, Dich bald hier zu sehen, denn dieses Schandwetter hätt ich nun satt. Ich lese jetzt außer den Zeitungen sehr wenig. Die Allgemeine wird der Wirt nun selbst bald wollen, und ich halte jetzt die Neue freie Presse mit der Gamswirtin in Bezau. Den Artikel über das Wahlrecht in der Beilage zur A.A.Z. wird Dir Bickel wohl gezeigt haben. Spät kommt ihr, doch ihr kommt!</p> <p>Der Schneider Natter hat endlich&nbsp; nach vielen&nbsp; Kreuz-&nbsp; und Querzügen&nbsp; in&nbsp; Besancon Arbeit gefunden.&nbsp; Das Sticken geht noch ordentlich. Unser Verlust am&nbsp; Papiergeld ist jetzt sehr klein, da man keines hat. Jock war mit mir in Bezau, er hat mit dem Rätzle gerechnet und ist gehörig bezahlt worden. Laß mir die Isabell freundlich grüßen, auch alle die, die mir nachfragen. Mit tausend Grüßen</p> <p>Dein Freund</p> <p>F. M. Felder</p> <p>&nbsp;</p> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Schoppernau Kaspar Moosbrugger Krieg Schnee felderbriefe.at newsletter Thu, 17 May 2012 07:00:00 +0000 st 301 at http://felderbriefe.at FRANZ MICHAEL FELDER AN KASPAR MOOSBRUGGER http://felderbriefe.at/brief/franz-michael-felder-kaspar-moosbrugger-68 <div><span class="date-display-single">8. März 1866</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Lieber Freund!</p> <p>Hiemit übersende ich Dir die Isabell, ein Mädchen, aus dem was Ordentliches werden kann. Jochum-Verstand und Wäld­lergemüt hat sich in ihr zusammen gefunden. Ich würde be­dauern, wenn Ihr nicht mit ihr zufrieden sein solltet, und da mir das Los der Armen, die ihr alles mitbringt, nahe geht, so bitte ich, mir hierüber recht bald Auskunft zu geben. Warum Du die Marie hinaufgeladen, glaub ich zu erraten, aber das geht nicht! Eher ginge etwas anderes - doch davon später.</p> <p>Gern war ich selbst gekommen, und mehr gewiß als Ihr bedaure ich, daß mir das jetzt nicht möglich:</p> <p>1.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Viel Arbeit im Stall</p> <p>2.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; In der Schreibstube</p> <p>3.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Im Feld</p> <p>4.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Zweifelhaftes Wetter</p> <p>5.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Schlechter Weg, den ich</p> <p>6.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; nur einmal gegangen, als der Nebel</p> <p>7.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; so dicht lag, daß ich nichts von der Gegend sah.</p> <p>Doch genug, das alles wird anders und einmal müßt Ihr mich, [und] wenn Ihr über sieben Berge ziehen würdet, [bei Euch auftauchen sehen].</p> <p>Die Isabell hatte schon einen Dienst, aber sie hofft, bei Euch viel zu lernen und lang bleiben zu können. Am guten Willen fehlt es gewiß nicht.</p> <p>Auf meine brieflichen Fragen erhoffe und erwarte ich brief­liche Antwort. Den Julian Schmidt kannst Du herunter­schicken, wenn Du ihn nicht mehr brauchst. Der Artikel in der Feldkircher Zeitung scheint mir von J. A. Simma. Wunder­lich ist er zum Schlüsse genug, warum erwähnt er nicht lieber die Schilderung des Heuziehens? Doch genug! Ich weiß nicht, ob ich Dir [den] Sozialdemokrat schicken soll. Hast Du die Volkswirtschaftslehre von Carey noch nicht bestellt?</p> <p>Heut war ich schon auf dem Weg zu Dir. Ich möchte gern eine Zeitlang plaudern, aber im Schnee zu Grunde gehen wie unsere Vetter - nein, ich will&nbsp; noch&nbsp; länger leben&nbsp; und verbleibe Dein lebenslustiger Freund</p> <p>F. M. Felder</p> <p>&nbsp;</p> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Schoppernau Kaspar Moosbrugger Julian Schmidt Liste Schnee felderbriefe.at newsletter Thu, 08 Mar 2012 08:00:00 +0000 st 289 at http://felderbriefe.at KASPAR MOOSBRUGGER AN FRANZ MICHAEL FELDER http://felderbriefe.at/brief/kaspar-moosbrugger-franz-michael-felder-43 <div><span class="date-display-single">10. Januar 1866</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Lieber Freund!</p> <p>Unserer Verabredung gemäß folgt nachstehende Mitteilung über meine Heimfahrt von Warth: Nach Durchwatung einiger Schneerutsche und Rücklegung einer Wegstrecke von zirka 1/2 Stunde merkte ich, daß ich die Reisetasche in Warth ver­gessen hatte. Ich fand es nicht der Mühe wert, zurückzu­schicken, und wir gingen munter und vergnügt ob des Him­mels freundlichen Gesichtes vorwärts. An allen gefährlichen Stellen war der Schnee schon herunten und am Lech erfuhren wir mit Staunen, daß es am Montag abends zwei Männer am Flexen schon verlawinet habe, die aber beide bald wieder frei gemacht worden sind. Gestern war natürlich nichts zu fürchten und wir schritten heiter der Stuben zu. Mich ärgerte nur, daß die Stiefel (Überleder) das Wasser des geschmol­zenen Schnees durchließen, weshalb ich am Lech schon meine nassen Socke gegen trockene des Wirtes umtauschte und in Stuben die eingetauschten von der freundlichen Wirtin wieder trocknen lassen mußte. In Stuben erfuhren wir, daß es auf dem Arlberg am Montag abends 23 Pferde und einen Mann mit Schnee überschüttet und eingemacht habe und daß der Mann nur mit genauer Not noch gerettet werden konnte. Wir erfreuten uns unserer Handlungsweise, wonach wir am Montag das Montagsgeschäft (Hochzeit) und am Dienstag das Dienstaggeschäft (Heimreise) vorgenommen haben. Wir erkannten, daß alles zur rechten Zeit getan sein will. Von Lech zur Stuben war ein leidlicher Weg, da die Lecher mit Schlitten um Proviant gefahren waren. Am Flexen waren schon große Schneemassen zusammengerutscht. In Stuben kamen [wir] nach 12 Uhr an, und weil mein bestelltes Fuhrwerk nicht dort war, benützten wir ein anderes, und halb beim Klösterle kroch uns das meinige dann entgegen. In Dalaas traf ich die Theres und den Julius bei meiner Tante Marie und wir blieben noch bis ca. 6 Uhr. Als wir aufbrachen, fing es an zu schneien und zu winden und das Unwetter vergrößerte sich derart, daß das Pferd nicht mehr vorwärts wollte. Das war in stockfinsterer Nacht bei eisiger Straße der unan­genehmste Moment auf meiner ganzen Reise. Beim nächst­erreichbaren Wirtshaus kehrten wir ein und warteten das Unwetter ab. Nach 8 Uhr kamen wir dann gesund und wohlerhalten heim. In Bludenz hatte es gar nicht geschneit, und merkwürdiger Weise konnten wir mit dem Schlitten bis Bings. Daheim nach gehöriger Labung und Wärmung erzählte mir mein Weibchen, daß es nachts vorher mit dem Himmel geweint, statt geschlafen habe. Während meiner Abwesen­heit ist hier ein Kanzlist (Lutz) gestorben. Mit freundlichem Gruß Dein Freund</p> <p>K. Moosbrugger</p> </div> <div> </div> Kaspar Moosbrugger Bludenz Reise Schnee Tue, 10 Jan 2012 08:00:00 +0000 st 284 at http://felderbriefe.at