felderbriefe.at - Kritik Nümmamüllers http://felderbriefe.at/taxonomy/term/259/0 de VON JOSEF BERGMANN AUS WIEN http://felderbriefe.at/brief/von-josef-bergmann-aus-wien <div><span class="date-display-single">9. Mai 1867</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Lieber Herr Felder!</p> <p>Nehmen Sie für Ihre Zeilen vom 29. April, die mir ein Lands­mann überbracht hat, meinen verbindlichen Dank. Leider habe ich diesen Landsmann nicht gesehen, somit auch nicht gesprochen, was mir recht willkommen gewesen wäre, indem ich stets gern Etwas über unsern Wald vernehme. Vorgestern habe ich aus Leipzig her Ihre „Sonderlinge" erhal­ten, bin aber wegen mehrerer Sitzungen, denen ich beizu­wohnen hatte, bisher verhindert worden deren Lectüre anzu­fangen. Indeß sage ich Ihnen für Ihre Gabe meinen schuldi­gen Dank, werde aber bedacht sein für dieselbe etwas Ent­sprechendes zu übersenden.</p> <p>Da ich wegen meines Katarrhs keine Besuche mache, konnte ich auch nicht an der partienweisen Vorlesung Ihrer ersten Publication, nämlich Nummamüllers, Theil nehmen, die bei einer angesehenen u. gebildeten Dame gehalten wurde. Wohl war meine Tochter zugegen, der Vorleser, selbst ein Poet u. Beamter an der kais. Hofbibliothek, war über dieses Lebens­bild ganz entzückt u. erfreute die ganze Gesellschaft. Es steckt in demselben Wahrheit u. eine Frische wie Alpenluft; der Leser soll ausgesprochen haben, er besorge nur daß Sie von der einfachen Natur, die so wohlthuend bezaubert, abirren, u. sich vom vielen Lobe verleitet mehr dem Kunstroman an­heimfallen.</p> <p>Bewahren Sie treu die Eindrücke der Mutter Natur und folgen Sie treu ihrer wahren Stimme!</p> <p>Jener oberwähnte Vorleser, der eine gute Feder führt, will nach meinem Wunsche seiner eingehenden Anzeige Ihrer bei­den Publicationen als Unterlage einen lebensgeschichtlichen Abriß vorausschicken, wann u. wo Sie geboren, u. wie sie zu dieser Richtung u. Ausbildung gekommen, wer und was vor­züglich auf Ihre Entwicklung Einfluß genommen hat. Den Stu­fengang der Lectüre, der nicht gleichgültig ist. Diese Notizen wollen Sie mir, wenn thunlich recht bald in aller Einfachheit zukommen lassen.</p> <p>Leben Sie recht u. verleben Sie einen glücklichen Sommer in den&nbsp; Bergen,&nbsp; in&nbsp; denen&nbsp; ich&nbsp; auch&nbsp; noch&nbsp; einmal&nbsp; vor meines Lebens Ende übersommern möchte! Mit herzlichem Gruße Ihr wohlmeinender Landsmann</p> <p>Jos. Bergmann /:lll. Rennweg Nr. 6:/</p> </div> <div> </div> Josef Bergmann Wien Franz Michael Felder Biographie Einfachheit Kritik Nümmamüllers Sonderlinge felderbriefe.at newsletter Thu, 09 May 2013 07:00:00 +0000 st 171 at http://felderbriefe.at FRANZ MICHAEL FELDER AN KASPAR MOOSBRUGGER http://felderbriefe.at/brief/franz-michael-felder-kaspar-moosbrugger-64 <div><span class="date-display-single">22. Dezember 1865</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Geliebter Freund!</p> <p>Ich habe heute zwei Briefe von Dir zu beantworten Du wirst wenigstens mich entschuldigen, wenn die Antwort auf den ersten etwas kurz wird, und sie wird leider kurz sein, denn von dem Echo des Landtags gibt's weniger als gar nichts zu berichten.</p> <p>„Elende Schoppernauer Philister!" Gelt? Aber halt! Als ich die Berichte bestellte, ich tat das, weil ich früher in Hopfreben war, sagte mir der Bote, daß das von hier bis nach Bezau die einzige Bestellung dieser Art sei. Wir Schoppernauer sind also nicht erbärmlicher als andere, aber immerhin erbärmlich genug. Ich werde nun versuchen, Dir einige Teufeleien, die mit Gewalt fort wollen, mitzuteilen, das andere, die volle Tasche, hoffe ich bald ausleeren zu können.</p> <p>Von der Kathrinentagsgeschichte beim Rößlewirt wirst Du in der Feldkircherin gelesen haben. Es war für die, die von der Sache wußten, ein eigentümlicher Anblick, den Herrn Frühmesser widerrufend und erklärend herumlaufen zu se­hen. - Unser Pfarrer scheint nun auch Dummheiten machen zu wollen. Aber - aber. -</p> <p>Ich habe Dich früher einmal versichert, daß er „auf der Höhe" sei; und prophezeite, daß es nun schnell abwärts gehen werde. „Und siehe, es geschah!" Es hat für einen, der die Ge­dankenmaschinerie seiner Landsleute kennt, auch nicht be­sonders viel Licht gebraucht, um das zu merken. Unser Rüscherle wollte, wie es am letzten Sonntag in einer Predigt, die ich an seinem Platz um alles nicht gehalten hätte - in­direkt aussprach, die Gemeinde in den Sack bekommen! Doch genug, die Predigt ist eine Verteidigungsrede, die ich Dir ganz erzählen muß. Für jetzt nur so viel.</p> <p>Die schönen Tage von Aranjuez sind nun zu Ende. Qui, pro quo?</p> <p>Auf Anraten (?) der Hochw. Kapuziner und des Dekans hat Hr. Rüscher in der [Gemeinde den] löblichen und frommen 3. (Klatsch- und) Betorden St. Franz Serafikus eingeführt. Um Dir den Zweck dieses Ordens in Kürze klar zu machen, schreibe ich eine Stelle aus der erwähnten Predigt, in welcher er „den frommen Schwestern zuliebe etwas sagte, was er gern nicht gesagt hätte", wörtlich her:</p> <p>„Einmal von den Hw. H. Kapuzinern beauftragt, wollte ich Euch zulieb die Sache übernehmen:</p> <blockquote><p>1.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; weil ich mich sonst eben auch in ein schiefes Licht gestellt hätte da draußen.</p> <p>2.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Weil&nbsp; es&nbsp; mir so&nbsp; unlieb wäre&nbsp; als&nbsp; Euch,&nbsp; herzliebe&nbsp; Pfarr­kinder, wenn man da draußen die Gemeinde im Sack hau und beherrschen tat."</p> </blockquote> <p>Nicht wahr, jetzt hast Du einen Vorgeschmack des Ganzen, aber schwerlich eine Ahnung, was das auf die Schoppernauer­haftigkeit für eine Wirkung tat. Ich muß hier unwillkürlich an den Geist denken, der Böses will und Gutes schafft.</p> <p>Die Opposition ist erwacht und gleicht einer Lawine, die nicht nur das Gebüsch, sondern auch den Grund mitreißt. Fast alles will seine Gedanken über folgende Stelle der Predigt aus­sprechen :</p> <p>„In der Gesinnung muß ich als Priester natürlich dafür sein, in der Tat aber wäre ich dagegen"??!</p> <blockquote><p>Das war ein Schuß, davon wird man noch reden in den spätsten Zeiten.</p> </blockquote> <p>Schillers Wilh. Teil.</p> <p>Ursache und Wirkung sind für unsereinen sehr interessant. Mit Deinem letzten Briefe hab ich auch einen von meinem Freunde J. J. Felder, Uhrenmacher, erhalten (meinem Klaus­melker). Er befindet sich in Criactsov [?], so bring ich wenig­stens heraus. Das Heimweh klingt aus seiner Verbitterung heraus und ich sehe von neuem, daß ich ihn richtig gezeichnet habe. Ein braver Bauernknecht wird er just nicht, aber er kann ein Bauernknecht werden.</p> <p>Direktor von Scholl in Stuttgart hat endlich geschrieben. Er hat sich meinetwegen an Wolfgang Menzel gewendet und ihm den Nümmamüller vorgelegt. Menzel sagt: Mein Lebens­bild möge als solches ganz gut sein, doch glaube er kaum, daß damit (und mit ähnlichem) ein größeres Publikum zu gewinnen wäre. Es fehlen und werden vermißt: Eigentümlich­keit, Naturschilderung, treffende Bemerkungen über Glauben und Aberglauben u.s.w. Sollte ich aber auch diesen Forde­rungen nachkommen (nicht wörtlich), so werde man sich für mich verwenden, fügt Hr. v. Scholl aufmunternd bei. Nun die Naturschilderung nimmt auch in den Sonderlingen gerade nicht viel Platz ein, sonst könnte man es mit diesen versuchen, wenn man wollte. Ich möchte aber nach Norden. Ich hätte Lust, an Prof. Hildebrand zu schreiben. Doch wir werden darüber reden, denn ich hoffe doch, wir werden nicht nur zueinander, sondern auch miteinander nach Warth oder zurück gehen. Du könntest es mir vielleicht sonst kaum glauben, daß ich denn so mit der Zeit schon wieder einen Götte werde haben müssen.</p> <p>Gestern sind die Eurigen von Krumbach heimgezogen. Mit dem Milchhandel ist's ein wahres Elend. Im Herbst hab ich einen&nbsp; Brief oder doch ein Stück Brief von einem&nbsp; Käs­händler in die Hände gebracht und bin dadurch auf eigene Gedanken gekommen, die ich samt Anhang gern in einem nur für den Wald berechneten Schriftchen veröffentlichen möchte. Glaubst Du nicht auch, unsere Kühe werden künftig ins Allgäu wandern? (Italien, Norddeutschland.) Ich rede mich oft heiser für unsern Plan, auch die Oberhauser reden sehr verständig mit, und ich glaube nicht ohne Erfolg. Es scheint mit dem Rätzle rückwärts zu gehen, aber die Nuhle [?], deren sich auch ihre Brüder annehmen. Heut hab ich im Sinn, wenn es sich schickt, auch mit dem Knechtle zu reden. In der Gschwinder-Angelegenheit danke ich Dir für Mit­teilung und Rat. Ich werde nichts zu widerrufen haben, da ich ihnen die Köpfe nicht warm machte. Ich gab ihnen vor den Feldern Recht und dabei bleibe ich! Wenn ich mich ver­bindlich mache, Dir einen Stadel zu decken, und Du bauest ein Haus, was geschieht dann? Freund, so handelten wir nicht. Daß es mir auch darum zu tun ist, das Abholzen des Buch­walds zu hintertreiben, wirst Du wissen. Und ich bin auch ein Wälder und kann rechnen. Wenn schon nicht gar so gut als Koarado Bub, der mit seinen Schwägern immer noch nicht im reinen ist. Dem Pfarrer ist [es] bei dem Streit auch nicht nach Wunsch gegangen, doch davon wie auch von vielem anderen in 14 Tagen.</p> <p>Schicke mir die Hefte gelegentlich einmal herunter. Jetzt&nbsp; lese&nbsp; ich&nbsp; den&nbsp; „berühmten"&nbsp; Roman&nbsp; Schwarzgelb.&nbsp; Der Hintergrund ist dick gezeichnet, aber gut, schade daß von der Handlung gilt, was ich einmal über Drahtfiguren gesagt habe. Die Sonderlinge werden sich mit Beginn des neuen Jahres mit verbissenem Grimm gegenüberstehen und einander Pos­sen spielen wollend, es sich selbst tun, wodurch sie dann den im elften Kapitel erfolgenden Schluß herbeiführen, aber leider ist alles nur Entwurf und ich werde noch lange zu kratzen haben, bis genug schönes blaues Postpapier verdeckt ist. Die Kronenwirtin ist eine Betschwester geworden. Wir alle wünschen Euch allen von Herzen Glück zum neuen Jahr.&nbsp; Lebe wohl&nbsp; und besuche bald&nbsp; Deinen treuen&nbsp; Freund</p> <p>Franz M. Felder</p> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Schoppernau Kaspar Moosbrugger Kritik Nümmamüllers Rüscherle Schoppernauer Mon, 02 Jan 2012 14:00:00 +0000 st 283 at http://felderbriefe.at FRANZ MICHAEL FELDER AN KASPAR MOOSBRUGGER http://felderbriefe.at/brief/franz-michael-felder-kaspar-moosbrugger-47 <div><span class="date-display-single">26. Juni 1864</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Geliebter Freund!</p> <p>Daß mich Dein letztes Schreiben gefreut hat, brauche ich Dir wohl nicht zu sagen. Es braucht einer nicht gerade stolz zu sein, um sich zu freuen, wenn sein „Kind" auch ändern Leuten gefällt. Etwa acht Tage vor Deinem Schreiben habe ich einen anonymen Brief erhalten, in welchem der Verfasser meine Schreibart lächerlich machen will. Mehr davon zu sagen ist unnötig; ich habe ohne viele Mühe herausgebracht, daß der Brief vom Alt-Vorsteher Kleber zu Schwarzenberg kommt, der ihn wahrscheinlich nicht ohne Wissen und Willen des ehmaligen Kaplan Sieber geschrieben hat. Die wichtigste Neuigkeit ist, daß unser Pfarrer in etwa 14 Tagen von hier fort und nach Altenstadt kommt, welches um so mehr bedauert wird, weil statt seiner Pfarrer Kohler vom Lech hieher kom­men soll, welcher früher Grenzjäger gewesen (Vorurteil). Letzte Woche besuchte mich der Auer, Egger, Andelsbucher u.s.w. -Adel, und lud mich ein, andere Hosen anzulegen und mit nach Schröcken zu gehen, was ich auch tat. Die Geliebte des Wirts war auch dabei, es wurde einen Tag gesungen, getanzt und geplaudert. Die Isabell ist immer die Alte, ja sogar immer älter, ich bin immer noch bei ihr in Gnaden. Mit der Wahlberechtigung von Haag Hanso Maatis Buobo ist es nach meiner Ansicht nichts. Hopfreben zahlt die Steuern gemeinsam und hat einen eigenen Meister, ich glaube daher, daß man nur diesen Meister als stimmberechtigt an­nehmen werde, wodurch nicht viel gewonnen wäre (wenig­stens diesmal). Wenn Maatis ihre Güter allein hätten, dann wäre es etwas anderes. Das ist meine Meinung, doch werde ich auch mit ändern darüber reden und Dir dann wieder schreiben. -</p> <p>Vom Bergmann in Wien habe ich am 8. Mai einen Brief erhalten. Er dankt mir für das ihm im April Zugesendete und verspricht mir, mich diesen Sommer in Schoppernau zu be­suchen. Mein Büchlein, schreibt er, habe allen seinen Freun­den gut gefallen. Professor Häfele*) habe eine Besprechung an die Redaktion der österreichischen Wochenschrift1 ge­schickt, die demnächst erscheinen werde. Pfarrer Kohler hat letzthin aus seinem Buch den Auer Herrn einiges vorgelesen. Der Kurat fand es nicht gut, der Doktor</p> <p>*)&nbsp; Häfele lebt in Salzburg, hielt sich diesen Frühling in Wien auf. Er ist ein Hohenemser.</p> <p>sagte nichts. Von Stettner hab ich die Abschrift des schon erwähnten Artikels der Europa erhalten. Es ist kein Zeichen dabei, doch kommt er, glaube ich, von Professor Hildebrand in Leipzig. Er lautet:</p> <p><em>Zwei neue Dorfgeschichten.</em></p> <p>Die Europa hatte öfters Gelegenheit, gegen die Richtung zu sprechen, welche der Volksroman eingeschlagen hat, gegen die Ausartung, die uns Bäuerinnen und Bauern, Holzschläger und Viehmägde in idealisiertem Sonntagsstaat und mit nobel­sten Sentiments bis an die Kehle gefüllt, vorführt. Zwei neue Dorfgeschichten: ,Nümmamüllers und das Schwarzokaspale' von Franz M. Felder, Lindau, Verlag von Stettner und ,Almen­rausch und Edelweiß' von Hermann Schmid, Berlin, Otto Janke, erquicken durch die kerngesunde Natürlichkeit, die beide erfüllt. Da sehen wir Menschen, die Schwielen an der Hand bekommen, wenn sie arbeiten, und denen die Haut naß wird, wenn es regnet. Felder erzählt von dem Leben und der Natur des Bregenzerwaldes und versetzt seine Erzählung in eine Zeit, wo das moderne Leben in diesen abgelegenen Winkel hineinzugreifen begann. Durch diesen Umschwung begünstigt, arbeiten sich zwei brave Familien aus der Armut empor und helfen zuletzt dem ganzen Dorf weiter. - Schmid hat das bairische Gebirg zum Schauplatz gewählt. Jäger und Wildschützen, arme und reiche Bauern bilden die Gegensätze, aus denen sich die Konflikte von selbst entwickeln. Als Erzähler steht Schmid vielleicht höher als Felder, in der Porträtierung des Gebirgslebens wie es ist, nehmen beide dieselbe Stelle ein, und diese Stelle ist eine sehr achtbare.</p> <p>Europa 1864, Fo. 5.</p> <p>Das ist genug, vielleicht hast Du später Gelegenheit, mir auch die von Dir gefundene Besprechung zu verschaffen. Mein Weiblein hat fast Lust, in diesem Jahr eine freundliche Einladung Stettners zu benützen und nach Lindau zu reisen, sein Mann würde mitgehen, und Du würdest dann jedenfalls mit einem Besuche - beehrt werden. Ingenieur Willam wird, wie mir Bergmann mitteilte, schon bald wieder in den Bregenzer­wald kommen.</p> <p>Die Kühe geben nicht viel Milch, woran mehr das schlechte Wetter als Futtermangel schuld ist. -</p> <p>Ich habe leider heut nicht Zeit, Dir mehr zu schreiben, denn ich muß nach Hopfreben. Du wirst auch diesen Zeilen meine Eile ansehen. Schreibe bald wieder Deinem Freund</p> <p>F. M. Felder</p> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Schoppernau Kaspar Moosbrugger Hosen Kritik Nümmamüllers Musik felderbriefe.at newsletter Tue, 13 Dec 2011 08:00:00 +0000 st 255 at http://felderbriefe.at KASPAR MOOSBRUGGER AN FRANZ MICHAEL FELDER http://felderbriefe.at/brief/kaspar-moosbrugger-franz-michael-felder-31 <div><span class="date-display-single">20. Juni 1864</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Lieber Schwager!&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p> <p>Ich bin nun ein Dornbirner geworden, wie Du wohl wissen wirst. Ich wohne im 2. Haus ober dem Mohren. Mein nun bald geboren werden sollender Bub wird also zum 2. Mal wieder ziemlich an der Stelle auf die Welt kommen, wo er es nach Deinem Dafürhalten das erstemal tat. Mein Weibl ist übrigens noch ganz rührig und die Übersiedlung hat ihr eher wohl als übel getan. Ich meinerseits freue mich der Orts­änderung und bin auch bezüglich meiner Amtsstellung mit der Wandelung ganz zufrieden. Ich bin in meinem frühern Rang und Gehalt, hier aber definitiv. Ich habe eine hübsche Woh­nung mit drei Zimmern und einem Kämmerlein für die Magd. Wenn Du also nach Dornbirn kommst, wirst Du bei mir ordentlich Quartier finden. - Hier besteht ein wohlbestelltes Lesekasino, woran ich mich selbstverständlich beteilige. Ich las daselbst in dem Wochenblatt der Wiener Zeitung in einem Artikel aus Tirol mit dem Zeichen Z. (wahrscheinlich Zingerle) eine Meinung über Dein Werkl, und zwar eine Dir sehr gün­stige. Einsender bespricht die literarischen Erscheinungen in Tirol, in neuer Zeit nämlich, und er erweist nun Dir die Ehre, Dich gleich hinter Professor Pichler zu besprechen, und aus der Zusammenstellung ergibt sich, daß er Dich demselben für ebenbürtig hält. - Dies will nun bei dem Namen, den Pichler in der literarischen Welt hat, nicht wenig sagen. Beide, Zingerle und Pichler, waren meine Professoren. Über meine Einsendung an Stettner schrieb mir dieser, er habe bisher der­artige Produkte mit politischer Färbung nicht verlegt und habe sie einem geeigneteren Verleger zugeschickt. Über das Wei­tere wolle er mich benachrichtigen. Nun weiß ich nicht, was geschehen ist oder geschieht. Es ist mir ziemlich gleichgültig. - Hier ist in zwei Alpen eben die Klauenseuche ausgebrochen und wird nun dies den Wäldern wieder eine sehr unange­nehme Neuigkeit sein. Das neue Gemeindegesetz wirst Du nun kennen; und ich frage Dich daher: Haben Haghansomatis als Realitätenbesitzer im Gemeindebezirk Schoppernau (Hopf­reben) bei den dortigen Wahlen eine Stimme oder würde diesfalls anderes Recht sein, wenn sie ihren Teil abgesondert besäßen, nämlich vom übrigen Vorsäß? ­Grüße mir Alles aufs Freundlichste und schreibe bald Deinem Freund</p> <p>K. Moosbrugger</p> </div> <div> </div> Kaspar Moosbrugger Dornbirn Franz Michael Felder Kritik Nümmamüllers felderbriefe.at newsletter Mon, 12 Dec 2011 14:00:00 +0000 st 254 at http://felderbriefe.at AN JOHANN JOSEF FELDER IN BORDEAUX http://felderbriefe.at/brief/johann-josef-felder-bordeaux-2 <div><span class="date-display-single">20. April 1864</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Lieber Freund!</p> <p>Auf ein im vorigen Winter an Dich abgegangenes Schreiben habe ich vergebens eine Antwort erwartet. Im Dezember 1863 schikte ich Dir ein Exemplar meines „Nümmamüller" - u zwar auf Anrathen des Herrn Stettner in Lindau unfrankirtzu, der Hr Stett­ner meinte: „Du werdest es dann um so sicherer erhalten -" und ich meinte, die wenigen Batzen oder Franken werdest Du nicht ungern zahlen. Jedoch</p> <blockquote><p>Der Mensch denkt</p> <p>Und Seppel lenkt.</p> </blockquote> <p>Ich war nicht angenehm überrascht, als ich am 6 ten Febuar meine Sendung wieder zurük erhielt, u dafür 4 Gulden 30 Kreuzer zahlen mußte. Ich verzog das Gesicht, seuftzte ein wenig u zahlte, doch nahm ich mir vor, Dir einstweilen nicht mehr zu schreiben, den ich dachte Entweder Du magst mit keinem Bregenzerwälder mehr etwas zu thun haben, oder Du hast Deinen Aufenthaltsort verlassen ohne mich davon zu benach­richtigen, in beiden Fällen würde das Schreiben vergebens sein, Nun aber habe ich durch Vetter Hans erfahren, daß Du wenig­stens noch lebendig u gesund bist, daher wage ich es noch ein­mal, Dir einen Brief zuzuschiken, u zwar einen frankirten, wen es nichts kostet, bist Du villeicht so gut ihn zu lesen Ich u die Meinigen sind gesund u wohl, Ein Glük ist es für mich daß ich jetzt ein eigenes Schreib- und Lesezimer habe, in dem ich jede freie Stunde zubringe u arbeite, denn in der Stube hantieren zwei gesunde Buben (junge Räbis) daß man zuweilen sein eigen Wort kaum hört. Auch Dein Vater u Deine Schwester sind wohl, die Mutter (?) jedoch ist etwas kränklich u dürfte villeicht nicht mehr manches Jahr zu leben haben. In unserem Dörfchen hat sich im allgemeinen nichts, in den einzelnen Häusern dagegen sehr viel geändert; doch würdest Du mir schwerlich danken, wenn ich Dir alle Mädchen welche geheirathet haben, alle Weiber, welche gestorben sind, aufzählen wollte. Franz Jochum ist von Wien zurükgekommen u hat diesen Winter größtentheil bei mir verlebt. Er läßt Dich recht freundlich grüssen.</p> <p>Mein Büchlein wird, scheint es günstig aufgenomen, die vorarl­berger Landeszeitung, die S.T. Gallen Blätter, der Bothe für Tirol u Vorarlberg haben sich lobend darüber außgesprochen u die Europa eine weitverbreitete norddeutsche Zeitung hat mich mit Herrmann Schmid, einem der beliebtesten neuen Schriftsteller ­verglichen. Von Herrn Jos Bergman kais Rath und Custos in Wien habe ich eine freundliche Einladung zu ändern Arbeiten erhalten, die ich dann auch wirklich im Laufe dieses Winters vollendete.</p> <p>Nun aber genug von mir. Es wäre mir ungemein lieb, auch von Dir wieder einmal etwas zu vernehmen. Das, was Du mir in Deinem letzten Briefe zu übersenden versprachst, habe ich nicht erhalten. Kommst Du nicht bald einmal zur „Stubat"? Bist Du noch unverheirathet? Solche Fragen hätte Dein Freund noch viele.</p> <p>Von Politik mag ich Dir nicht schreiben u die Tagesgeschichte wird Dich wenig intressiren Du wirst mich daher entschuldigen, wen ich für heute mich kürzer fasse, als es sonst Deines plauder­haften Freundes Gewohnheit ist.</p> <p>Wenn eine Antwort von Dir mich überzeugt haben wird, daß auch Du Deinen alten Freund noch nicht vergessen dan werde ich mit Freuden und öfter schreiben, als dieses bisher der Fall gewesen ist.</p> <p>Meine Mutter u meine Nannj (so heißt Mein Weibchen) lassen Dich grüssen, den Deinen habe ich nichts davon gesagt daß ich Dir schreibe. Dein Vater ist jetzt Abonnent einer Zeitung, die ihn, nebst anderer Lektüre (Ich thue auch das Meine) etwas freisinni­ger gemacht hat, die Augen Deiner Schwester sind weder besser noch schlimmer geworden. Siberles Mariannele hat schon 3 Kin­der Beim Michele ist noch alles im Alten. Und nun lebe wohl!!</p> <p>Mit Brudergruß und Handschlag Dein alter und immer älter wer­dendes Freundchen</p> <p>Franz Michael Felder</p> <p>Am Rand: Lieber Freund! Deinen Brief nach Wien habe ich erhal­ten u. Dir eine Antwort in Kraut französisch geschickt; ob Du es empfangen, weiß ich nicht. Ich bin schon längere Zeit hier u. bereite mich auf die Rigorosen vor. In Bälde werde ich vermuth­lich in irgend einer Kanzlei stecken. Schreibe auch mir einmal wieder ein paar Zeilen, ich werde Dir dann auch mehr schreiben, als hier auf einem schon fast voll geschriebenen Blatte Platz hat. In der Hoffnung, daß Du gesund u. glücklich bist, harrt auf baldi­ge Nachricht von Deinem Befinden im Lande der Gallier Dein alter Freund</p> <p>Fr Jochum.</p> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Schoppernau Johann Josef Felder Kritik Nümmamüllers Sun, 11 Dec 2011 14:00:00 +0000 st 456 at http://felderbriefe.at AN KASPAR MOOSBRUGGER IN SCHRUNS [ENTWURF] http://felderbriefe.at/brief/kaspar-moosbrugger-schruns-entwurf-0 <div><span class="date-display-single">14. März 1864</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Geliebter Freund!</p> <p>Beinahe ein Vierteljahr lang hast Du Dich mit einem Räuber u. Dieb beschäftiget, nun kommt Dein alter ehrlicher Freund u. bittet Dich, ihm auch wenigstens ein Viertelstündchen zu schenken. Wirst Du ihm, auch wenn er von seiner Dorfge­schichte, oder vilmehr einer Recension derselben sprechen will, diese Bitte versagen? Ich hoffe nicht! - ?</p> <p>Es scheint beinahe, als ob ich vom Schiksal dazu verurtheilt worden sei, durch Ärtzte unglücklich (?) gemacht zu werden. Vor 23 Jahren hat mich so ein Schüler Äsculaps um das eine Auge gebracht, nachdem er zu viel des Weines in sich aufge­nommen hatte, u. jetzt will mir ein solcher den mühevoll errungenen Kranz von Loorbern, u. wälderstrumpfweißen Kirschblüthen mit bittersüßem - Stinkkraut umgeben u. bede­ken gerade als ob im letzten Herbst nicht er mir, sondern ich ihm - auf den Schuh gestanden sei.</p> <p>Die „recht freundliche u. anerkennende" Besprechung des Hrn V. in Fo 29-30 der Landeszeitung habe ich mit gebührender Gedult u. aufmerksamkeit gelesen, bin dort, wo das Geld Wohlstand bringt, glüklich vorbei gekommen u. habe end­lich den „gesinnungstüchtigen Autor" gefunden, ohne mei­nen „durch Wälderarbeit (aber nicht, wie es hier scheinen könnte in der Fremde) erworbenen Wälderhumor" (Seite 49) zu verlieren. Dann schritt ich als „Herr Felder" so schnell „als (mir? -) möglich" in den Stall, wo ich gern etwas länger ge­blieben, wenn ich nicht, um die „im hellen Lesezimmer" ver­wöhnt gewordene Nase zärtlich besorgt, ihm sogleich wie­der zur Thüre hinaus nachgegangen wäre. Was daran Schuld war, daß ich nichts davon hörte, wie der Müller „seine Nach­barn zusammenrief", Schuld sei, könnte mir Hr V als Artzt leicht sagen - wenn ich nur bei ihm wäre u. ihm meine merk­würdig großen Ohren zeigen könnte.</p> <p>Nun thut V mir die Ehre an, 21 Zeilen aus meiner „lebensbild­lichen Dorfgeschichte" abzuschreiben u. ich muß ihm hier wie a,n ändern Orten gestehen, daß er alles gehörig zu benüt­zen weißt was ihm paßt - u. das Andere benützt er dadurch, daß er es nicht benützt. Nun weiter! doch - wir sind am Ende unserer Pilgerschaft angelangt, wir scheiden. Hr V geht seines Weges, trifft Herrn K. Hagen, u. fällt nun wie das auch „weit hinten in Schruns" Sitte sein wird, über seinen bisherigen harmlosen Begleiter her, u. tadelt - was? alles, was der gute Tropf in seiner Unschuld gesagt hat u. - deine Nase ist nicht so fein; mag kein Pech anrühren, um sich nicht zu besudeln.</p> <p>Als Schreiber (Macher) von „sehr nützlichen Novellen" suche ich allem auch dem nicht gerade Angenehmen eine „schöne Seite" abzugewinnen oder wenn das gar nicht gehen will, so suche ich mir eine gute Lehre für ein - anderes Mal daraus zu nehmen. So habe ich zum Exempel von einem Beispiel gestern beim Lesen des vorhin Erwähnten fest vorgenommen, nie mehr zu tadeln, ohne deutlich zu sagen „was u. warum". Diesem Vorsatz treu fahre ich nun, unter Anrufung Deiner Gedult u. zur Ehre der - Wahrheit fort im</p> <p>2ten Theil</p> <p>„Um recht aufrichtig zu reden, bedaure ich, daß ich, daß ich im ganzen Buche keine einzige Sage fand/' Der Mensch kann oft in ganz wunderbare Verhältnisse - Stel­lungen u. - Lagen kommen. Wenn Herrn Vo. das Unglück (?) passirt sein sollte, den 5ten Bogen meiner „Lebensbild­lichen" zu - verlieren so würde ich das sehr bedauern, denn durch obige Stelle könnten recht bösdenkende Menschen zu dem Aberglauben gebracht werden, Hr V. wolle keine Sagen gelten lassen, als die für ihn gesammelt u. mit kleinen Anfangsbuchstaben - gleich den Schriften der großen Brüder Grimm, gedrukt worden sind.</p> <p>Die Belehrung, daß die Streiche des Schwarzhannes keine Sagen sind, werde ich gut aufbewahren, bis einer irgend­woher kommt u. sie holt denn ich brauche sie nicht. Die wenigen Sagen die vorkommen, (warum müssen es denn viele sein?) sind theilweise nur angedeutet, weil ich wußte, daß sie ähnlich auch an ändern Orten vorkommen. Vollständig u. so viel ich weis neu ist die Sage Seite 7, andere sind kürzer 76-77-85 u. 92. Sollte Hr V diesen Bogen nicht mehr besitzen, so werde ich ihm mit Freuden zu verschaffen suchen. ­Die Lieder sind natürlich gut weil nicht ich sie gedichtet (gemacht) habe, (Seite 122) es kann Recensenten daher doch nur erwünscht sein daß im ganzen Werke mehr gesungen (nämlich Seite 13 - 30 - 33 - 85 - 108 - 122 u. 180 also sieben Mal) u. gesprochen wird, als geschildert u. dargestellt, von letzterem Vorwurf später denn ich möchte noch gerne wis­sen: Warum die Ünsche Hrn V noch nicht hoch genug ist, u. er sie noch um 1000 Fuß höher macht, dem so schmerzlich beklagten Mangel an (von ändern Kritikern schon so oft weg­gewünschten) Naturschilderungen wird nach meiner beschei­denen Meinung dadurch doch nicht abgeholfen. Die Frauen­tracht fehlt nicht. Seite 87 ist davon die Rede, denn ich wollte sie am Sonntag zeigen, weil die Werktagsjuppe etwas roth u. farblos ist u. etwas Stallgeruch fast nicht zu vermeiden ge­wesen wäre. Die Strümpfe sind Seite 87 nicht Kirschblüthen­sondern schneeweis, so habe ich die Tracht kurz gezeichnet, wer mehr will lese Oppermann, dort findet er alles - sogar roühe Strümpfe, welche ich aber noch nie „erschielt" habe. Und nun kommt auch noch das Schappale welches ich end­lich Seite 121 glücklich gefunden habe u. zwar nicht in einer alten Schachtel, sondern es glänzt auf Mi kies Haubt, da dieses am schönsten Tag seines Lebens an Kaspales Seite zum Trau­altar schreitet. Wohl ihm, denn reinen Herzens u. würdig des Schmuks der Jungfrau geht es dem schönsten Glück entgegen. Hier wollte ich das Schappale und seine Bedeutung zeigen. Doch genug hievon.</p> <p>Daß viel gesprochen wird, bemerkt Hr V sehr richtig u. ich hätte wirklich dieß wenigstens für keinen Tadel angesehen, wenn mich nicht eine spätere Stelle darauf aufmerksam ge­macht haben würde. Ich lasse diesen Tadel auch gelten, denn nach meiner Ansicht lernt mann die Menschen am besten aus ihren Reden kennen, - wenigstens die in bukolischer (?) Na­türlichkeit auftretenden Wälder. Herr Vonbun hat also hierin ganz recht u. bin überhaubt, das Bishergesagte ausgenom­men, ganz mit ihm einverstanden, u. werde nun hier in Schop­pernau den Frohnhof aufzutreiben suchen um zu sehen, womit ein feiner Satiriker mein Werkchen vergleichen würde. Zwar schade um die edle Zeit! einige Stunden zu opfern um ein Werk zu lesen mit welchem Hr. V das Meinige vergleichen mag! Doch das sind Vorurtheile und: „Komm u. sieh!" sagte Jesus zum Nathanael, als dieser fragte: Ob denn von Nazareth auch etwas Gutes kommen könne. O eine schöne Antwort, so schön, daß jedem durch Vorurtheile hintenangesetzten zu wünschen wäre, auf solche Fragen so antworten zu können. Das ist so beiläufig, was ich über diese Rezension denke. Ich habe daraus manches gelernt, habe darin recht schöne Sätze gefunden, die die im Nümmamüller bei weitem übertreffen an Feinheit u. noch Mehrerem. Meinen Wälder Humor habe ich deßwegen auch nicht verloren, wie Dir diese Zeilen eini­germaßen gezeigt haben werden. Anfangs, ich gestehe es, machte mir die Stelle, wo von den Sagen die Rede ist, ein wenig Galle jetzt aber ist es gerade die, die mich am meisten freut, u. die ich daher als Glanzpunkt auch gehörig hervor­heben zu müssen glaubte.</p> <p>Wenn Herr Vonbun Dich fragen sollte ob ich mich u. wie ich mich über seine Kritik geäusert, so sage ihm was Du willst von dem hier Geschriebenen, sage ihm meinetwegen alles, lese ihm, wenn Du willst, diesen Bogen vor. Ich hoffe, er werde als Mann seine Sprache auch dann nicht beleidigend finden, wenn andere dieselbe reden. -?</p> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Schoppernau Kaspar Moosbrugger Gesang Kritik Nümmamüllers felderbriefe.at newsletter Thu, 08 Dec 2011 08:00:00 +0000 st 84 at http://felderbriefe.at KASPAR MOOSBRUGGER AN FRANZ MICHAEL FELDER http://felderbriefe.at/brief/kaspar-moosbrugger-franz-michael-felder-26 <div><span class="date-display-single">23. Dezember 1863</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Lieber Freund!</p> <p>Endlich komme ich einmal dazu, Dir zu schreiben. Ich benütze die erste freie Stunde hiezu. Seit einigen Wochen war ich ungewöhnlich stark angestrengt wegen einer bedeutenden Raubgeschichte. Ich hatte es mit einem gehörigen gesetzlich so zu nennenden Räuber zu tun, d. h. ich war Untersuchungs­richter. Ich habe den Räuber zu Stande gebracht, aber ich mach auf nichts weniger als auf Anerkennung Anspruch. Im Gegenteil, die landsässigen Beamten werden mich umso­mehr zu verdrängen suchen. Doch das sind Gemeinheiten, ich habe Dir noch nie von so was etwas gesagt und ich will auch nichts mehr sagen. Ich bin mit Dir beinahe in derselben Lage, d. h. objektiv - die Leute wollen nichts von dem wissen, was wir leisten. Der Unterschied ist aber der, daß Du Dir die Haare ausreißen willst, während ich von den Leuten im vorhinein nichts erwartete und zum ganzen Plun­der lache. Mache es gscheiter auch so. Der Mensch ist mit soviel Kraft ausgerüstet, daß er bei guter Ökonomie derselben die Welt gemütlich um sich herumtragen lassen kann. Kon­zentriere Dich in Dir selbst. -</p> <p>Wer ist der J. F. in der Landeszeitung, der Dein Werk be­sprochen hat? Der Dr. Vonbun hat sich über Dein Opus beiläufig so geäußert:</p> <p>„Ungemein&nbsp; reell, zu&nbsp; reell, zu wenig Ästhetik,&nbsp; man&nbsp; müsse etwas idealisieren, wenn man&nbsp; in der Literatur zu Geltung kommen wolle.&nbsp; Da sei&nbsp; zu viel&nbsp; Stallgeruch.&nbsp; Auerbach&nbsp; und Gotthelf bringen diesen Geruch nicht mit in die Stube. Das sei&nbsp; vielleicht&nbsp; der&nbsp; einzige&nbsp; Grund,&nbsp; daß&nbsp;&nbsp; Dein&nbsp;&nbsp; Werk&nbsp;&nbsp; in&nbsp;&nbsp; die deutsche Literatur nicht aufgenommen werde." Diese Kritik ist meiner Ansicht nach für Dich ganz günstig. Vonbun versprach, in der Landeszeitung sich auszusprechen. Er arbeitet jetzt an dem&nbsp; Buch, das der Landwirtschaftliche Verein für die&nbsp; Lehrer der Sonntagsschulen Vorarlbergs zu­sammenstellen will. Mein Weibl und ich sind gesund. Mit Gruß, Dein Freund</p> <p>K. Moosbrugger</p> <p>&nbsp;</p> </div> <div> </div> Kaspar Moosbrugger Schruns Franz Michael Felder Kritik Nümmamüllers felderbriefe.at newsletter Sun, 04 Dec 2011 08:00:00 +0000 st 242 at http://felderbriefe.at