felderbriefe.at - Schoppernau http://felderbriefe.at/taxonomy/term/21/0 de VON ANNA KATHARINA FELDER AUS SCHOPPERNAU AN FRANZ MICHAEL FELDER IN LEIPZIG [MIT ZUSATZ VON MARIA FELDER, DER MUTTER DES DICHTERS] http://felderbriefe.at/brief/von-anna-katharina-felder-aus-schoppernau-franz-michael-felder-leipzig-mit-zusatz-von-maria-fe <div><span class="date-display-single">18. August 1868</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Liebes gutes Mindle!</p> <p>Noch in der ersten Aufregung der Freude über Dein liebes durch Uhrenmacher erhaltene Schreiben, setze ich mich an den Schreibtisch, um es zu beantworten. Zwar weiß ich von Neuigkeiten, u. Intreßanten Vorfällen nicht viel zu berichten, doch wird Dir jegliches, u. unbedeutende aus der Heimath lieb sein. Mich durchfuhr es wie Elecktretzität, als ich nur Deine Schriftziige erblickte. Also wohlerhalten durch die u. in der neuen Welt, im Eldorado Deutschlands angekommen. Erholung Ruhe wünschend, all die Empfangenen Eindrücke, u. Bilder zu ordnen, zurechtzulegen, um das Stündlich Täglich neue, nicht eines durch das andere verwischen zu lassen. Es ist für Dich die gegenwärtige, wenn nicht eine immer ange&shy;nehme, so doch eine überaus reiche Zeit, eine Zeit des sam&shy;melns der Erkenntniß des Begreifens. Lebensgenuß, „Lebens"&shy;werth will ich es nennen. Ich meine Deine gemachten und währenden Erfahrungen, natürlich von Deinem Standpunkte aus, die angenehme Thätigkeit der Sinne, dieses ahnen u. blicken in die Vorwelt und Mitwelt, das wirken u. Schaffen so vieler edler Geister, dazu die herrlichen, fremden Menschen Städte, die Sitten u. Gewohnheiten, dieses alles zu sehn u. empfinden, mein ich nur, dieses allein, ist werth gelebt zu haben, weit mehr als 30tausend Gulden erschachern, für Krö&shy;sus u. mithin als brafer rechter Mann zu gelten. O wie gönne ich Dir die Lust diesen reichen Genuß, u. wie dank ich dem lieben guten Hildebrand, daß er Dich auf den Parnaß geführt hat. Hier haben wir schönes Wetter heiße Tage, die uns eigens zum Streue Kratzen u. Heuen gemacht scheinen, den vielen Touristen aber, unser Ländchen, u. unsere Berge lieb&shy;licher erscheinen lassen. Von einigen hatten auch wir die Ehre besucht zu werden. Frau Bergmann sammt Tochter fuhr den 9. Aug. eigens von Schwarzenberg hieher, mit freundlichem Gruß, u. 2 Büchern zu freundlichem Andenken von ihrem Mann, der wie er im Begleitschreiben sagt, seine Lunge scho&shy;nen müsse, damit sie noch ein paar Jahre ihre Dienste thue. Ferner schreibt er, erlaube ich mir Ihnen anzuzeigen, daß ich den Betrag für das Exemplar der mir zugedachten Sonderlinge in der Braumüllerschen Hofbuchhandlung auf meine Rech&shy;nung setzen ließ, u. somit dasselbe nicht auf Ihre Rechnung kommen darf. Nach meiner Rückkehr soll meine „Landes&shy;kunde Vorarlberg" unter die Presse kommen. Dies das we&shy;sentlichste des Briefes. Ich war in der Eagad als die Frauen hier waren. Sie hätten mich gern gesehen, wie sie sagten, war mir auch leid, war mir ebenfalls so gewesen, weil sie aber keine Zeit zum warten ich keine zum Kommen hatte, so werden wir Wahrscheinlich geschiedene Leute bleiben. Der Post wegen war man letzte Woche in Bezau, ich konnte aber biesher nicht bestimmtes erfahren, als daß einer der Bewerber Michel Willam, in Au ein Gropper sei. Ich gedenke aber heute mit dem ungeschlossenen Briefe in der Tasche nach Au, war&shy;scheinlich nach Schnepfau zum Galli, einen Spaziergang zu machen, sollte ich bei dieser Veranlassung näheres über dies od. sonst etwas bemerkenswerthes erfahren, will ichs dem Briefe anschließen. Der Doktor geht täglich zum Heuar Bäßle hinauf weil sie zimlich krank ist, einer der Fremden Buschlo&shy;macher ist gestorben; auch der Säger vom Ritter ist tod, nahe daheim gefunden worden.</p> <p>Zum großen Leidweßen des Pfarrers u. seiner Getreuen kam der zur Predigt letzten Sonntag erwartete Bischof nicht nach Schoppernau, u. alle Vorbereitungen, wovon die, daß Pfarrer u. Köchin eine ganze Stunde am Bett, wo er schlafen sollte herzurichten, die winzigste war, waren umsonst, nicht einmal der Sekretär liß sich erbeten, davon Gebrauch zu machen. Von der Predigt eines Bischofs hätten sich die Leute etwas versprochen, nicht so aber Oberhausers Kaspar, der schaden&shy;froh war über das mißlunge[ne] Projeckt, weil wie er gehört habe auch der Bischof über Lesen u. Zeitgeist referire, u. er dieses alles nicht noch einmal als Orackel gesagt wünsche. Wir alle gesund u. wohl an Dich denkend, von Dir redend, wünschen Dir ferner alles liebe u. Gute, edle u. schöne, grüße uns die Hildibrandische Famile, alle die auch an uns denken nach uns fragen. Sei unsertwegen ohne Sorgen, wir arbeiten mit Lust und Willen, mit frohem Muth, u. der schönen Hoff&shy;nung Dich einst wieder in unserer Mitte zu haben, Erzählend von all den Herrlichkeiten der schönen Welt. Bis dahin bleib ich Dein treues Wible</p> <p>Anna Katharina</p> <p>Ich als Muter</p> <p>Ich Grüße euch Herzlich u. wann ihr ein Genusleben haben so eilen nicht so stark nach Haus damit ihr wider in Schop&shy;pernau ein fröllich Leben haben.</p> </div> <div> </div> Anna Katharina Felder Schoppernau Franz Michael Felder Tue, 18 Aug 2015 07:00:00 +0000 st 213 at http://felderbriefe.at AN JOSEF FEUERSTEIN IN BEZAU http://felderbriefe.at/brief/josef-feuerstein-bezau-7 <div><span class="date-display-single">2. April 1869</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <div> <p>Lieber Freund!</p> <p>Mein Gesundheitszustand hat sich bisher nicht gebeßert, er gleicht wohl schon einem Krankheitszustand, wie du schon daraus siehst, daß ich eine fremde Hand an dich schreiben lassen muß. Ich liege im engen dumpfen Gado, hustend, frierend, schwitzend, raisonirend u. dann wieder schwach zum Versinken. Es soll mir an der Lunge fehlen, u. das Dökterle will mich in kurzer Zeit wieder herstellen. Das ist gut, denn das Kranksein behagt Keinem, am wenigsten aber dem, dem schon gesund so viel fehlt und dem Unthätigkeit Verzweiflung wird.</p> <p>Ich habe übrigens ziemlich guten Appetit, kann ungeduldig sein u. glaube daher durchaus nicht, daß ich jetzt hier in diesem Loche den Geist aufgeben werde. Habt also keine Sorgen um mich. Dein Bericht über die Versammlung vom letzten Montag war mir sehr interessant. Ob ich bei der nächsten Versammlung sein werde, ist mehr als zweifelhaft. Da müßt ihr euch schon anderweitig decken u. abwarten ob mir überhaupt das Glück eurer Gesellschaft so bald wieder gegönnt ist. Die erwähnte Sennerei f. d. Verein ist nun gesichert.</p> <p>So - und jetzt habe ich recht genug dictirt. Es steckt nichts mehr in meinem wirbeligen Kopf, als ein Gruß an Deine Frau, u. das Gefühl, daß ich in Hunger u. Kummer, in Noth und Tod verbleibe</p> <p>Dein treuer Freund Franz Michael Felder</p> <p>&nbsp;</p> </div> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Schoppernau Josef Feuerstein Thu, 02 Apr 2015 07:00:00 +0000 st 727 at http://felderbriefe.at FRANZ MICHAEL FELDER AN KASPAR MOOSBRUGGER http://felderbriefe.at/brief/franz-michael-felder-kaspar-moosbrugger-28 <div><span class="date-display-single">1. April 1869</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Lieber Freund!</p> <p>Mein letzter Brief war überhaupt mein letzter, seitdem liege ich im Gado lungenkrank darnieder.</p> <p>Herr Dr. Dünser machte mir den Antrag, Herrn Dr. Greber in Bezau beizuziehen, wenn ich nicht immer Besserung spürte trotz zunehmender Schwäche, so würde ich von demselben Gebrauch gemacht haben.</p> <p>Mache Dir also keine Sorgen und hoffe das Beste. Wenn Du Dr. Hildebrand die Biographie schickst, so melde ihm mein Unwohlsein, von dem er natürlich nichts weiß. Grüße an die Deinigen. Dein Freund</p> <p>F. M. Felder</p> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Schoppernau Kaspar Moosbrugger Wed, 01 Apr 2015 07:00:00 +0000 st 728 at http://felderbriefe.at AN DEN VORORT DER DEUTSCHEN SCHILLERSTIFTUNG IN WIEN [ENTWURF] http://felderbriefe.at/brief/den-vorort-der-deutschen-schillerstiftung-wien-entwurf <div><span class="date-display-single">30. März 1869</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Dem Vororte des Verwaltungsrathes der deutschen Schiller=Stif­tung!</p> <p>Indem ich den unterfertigten Quittungsbogen übersende, erlaube ich mir ein warmes tiefgefühltes Wort des Dankes beizufügen. Seit längerer Zeit auch körperl ich leidend, hatte ich es noch gestern fast für unmöglich gehalten, einige Zeilen zu schreiben. Heut aber kann ich es, denn Freude ist die beste Medicin, und ich muß schreiben um auszusprechen, daß der Beschluß des Verwaltungs­rathes mich mit neuem Muth erfüllt und mit der Hoffnung, daß es meinem Fleiß und guten Willen nun, da ich doch einmal auf­athmen kann, gelingen werde, sich das fernere gütige Wohlwollen des Vorstandes auch ferner zu erhalten</p> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Schoppernau Vorort der Deutschen Schillerstiftung Mon, 30 Mar 2015 07:00:00 +0000 st 724 at http://felderbriefe.at FRANZ MICHAEL FELDER AN KASPAR MOOSBRUGGER http://felderbriefe.at/brief/franz-michael-felder-kaspar-moosbrugger-27 <div><span class="date-display-single">27. März 1869</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <div> <p>Lieber Freund!</p> <p>Ich kann heute nicht so viel schreiben als ich wünschte, denn mich plagt wieder, was noch jedes Jahr um diese Zeit sich einzustellen pflegte. Ich bin unwohl, hoffe aber, daß es nicht bös werde.</p> <p>Daß es Dir kaum interessant sein werde, einen Menschen durch Gedanken und Empfindungen, ohne bestimmtes Ziel erziehen zu sehen, habe ich erwartet. Ich hoffte aber, daß Du mit den Volks- und Landschaftsschilderungen recht zufrieden sein werdest.&nbsp; Daß&nbsp; Ihr mit der Familienidee andere Kerle geworden seid, mir in manchem überlegen, habe ich schon in der Biographie betont, und könnte man da mit mir zu­frieden sein.</p> </div> <div> <p>Gegen die Anschauung, ob die Salzbacherstegkatastrophe durch die Vorsehung eigens herbeigeführt sei, hab ich mich mehrfach verwahrt und wäre schlecht zufrieden mit Schreiber und Korrekturleserin, wenn sich's nicht finden sollte. Tragisch war die Geschichte erst durch die Haltung der Bauern, welche allerlei Ideen bei meinem Anblick, aber keinen Gedanken hatten. Einige z. B. hielten mich für einen Tannberger usw. Ich habe die Geschichte, wie noch manches, so schonend als möglich gegeben.</p> <p>Doch ich fühle mich durchaus nicht zum Schreiben fähig. Der Kopf ist nicht so klar, als er bei einem gedankenblassen Menschen sein sollte, und meine Hand zittert. Wenn ich wieder gesund werde, komme ich hinauf, aber nicht, um eine Verteidigungsrede zu halten. Ich hoffe nämlich, Du werdest mir zugeben müssen, daß alle Ideen aus dem Gedanken, Wort (Logos) oder aus Eindrücken entstanden sind. Gestehst Du das zu, so sind wir eins, sonst streiten wir, daß es klepft. Dein Urteil über meine Arbeit war übrigens viel günstiger, als ich erwartete, und es hat mich recht gefreut. Ich wußte, Du hieltest den Stoff für zu unbedeutend, ich aber bedurfte dieser Selbstschau.</p> <p>Nannis Lieblingsausdruck war: „Ich hab schwer dran köpfen müssen und hab lang mit aller Mühe kein Gedänkelein funden." Nun weiß ich nicht, wie da die vorgeschlagene Veränderung paßt, besser klingen würde sie. Mach also, was Du willst. Allmacht der Idee ist jedenfalls besser. Ich weiß nicht, wie bald wir über das Werk reden können. Hilde­brand erwartet es mit größter Ungeduld. Sei also so gut, ihm das Manuskript zu schicken. Professor Dr. Hildebrand, Leipzig, Windmühlenstraße 29. Nun aber bin ich müde, da muß es anders werden, bevor Ihr mich auf den Hals bekämt. Mit herzlichem Gruß und in Erwartung gelegentlicher Antwort Dein Freund&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; F. M. Felder</p> </div> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Schoppernau Kaspar Moosbrugger Fri, 27 Mar 2015 08:00:00 +0000 st 723 at http://felderbriefe.at AN RUDOLF HILDEBRAND http://felderbriefe.at/brief/rudolf-hildebrand-14 <div><span class="date-display-single">18. März 1869</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <div> <p>Liebster Freund!</p> <p>Es hat mich recht gefreut, endlich wieder einmal einen Brief von Dir zu Gesichte zu bekommen. Hätte ich nicht jeden Tag die Entscheidung von Wien erwartet, so würde ich nicht so lange geschwiegen haben. Leider kann ich noch immer nichts Bestimmtes melden. In Wien soll mir eine namhafte Summe bestimmt worden sein; nun aber habe dann ein Zweigverein gegen mich geltend gemacht, daß ich ja noch kein Drama schrieb. Bergmann sagt, daß das von vielen Unterstützten gesagt werden könnte. Er nennt das nur eine kleine Verzöge­rung und hofft in Kurzem Erfreuliches berichten zu können. Bergmann und auch andere mir weniger Bekannte aus Wien schrieben mir schon von der günstigen Aufnahme, die Reich und Arm dort findet. Eine Dame schrieb an Apotheker Koff­ler in Dornbirn, daß Halm u Grillparzer für das Buch und seinen Verfasser thätig seien, Georg Scherer in Stuttgart hat mir eine Besprechung in der A. allgemeinen Zeitung verspro­chen, wenn nur Hirzel so gut wäre, ihm ein Exemplar zu schicken. Dr G Seh Langestrasse No. 4 Stuttgart. Unsere Landsblätter haben bereits Besprechungen des Buchs gebracht, die Landeszeitung von R. Bir, die Feldkirchnerin von Elsensohn. Beide sind sehr günstig, ohne jedoch aufs Einzelne einzugehen, und ich wüßte Dir nicht viel daraus zu schreiben. Heinrich Hirzels Besprechung, von der Du schreibst, hab ich noch gar nicht gesehen. Ich hoffe doch, daß er sie mir zukommen lasse.</p> <p>Die holländischen Bände hab ich erhalten und mehr darin gelesen als Du wol glauben wirst. Es ist ja fast alles deutsch und mir macht es ein eigenes Vergnügen, meine Gedanken in diesem Kleide zu sehen. Du solltest uns einmal an dem Holländisch herumkauen sehen wie am Häring dem ich noch ein treues Andenken bewahre. Mit der Bevölkerung lebe ich im schönsten Frieden. Der Kampf, den ich und Rüscher hatten, tobt im ganzen Vorarlberg, nur der Bregenzerwald ist ziem­lich ruhig und ich gewinne mehr und mehr Freundschaft und Liebe. In Bezau bin ich wie daheim und halte mich häufig dort auf. Daß ich nicht müssig bin, wirst Du mir glauben. Besonders thätig bin ich für den dortigen Leseverein und die Landesbibliothek. Ich wurde mit Feurstein und Dr. Greber und noch Zweien zur Leitung gewählt. Vor 14 Tagen hielt ich die erste längere Rede über das Lesen, besonders über die Art, sg. schöne Werke mit Nutzen zu genießen. Ich fand ge­nug Beifall und sogar der Doktortitel wurde mir beigelegt. Auch in anderer Weise suchte ich fürs Gemeinwohl thätig zu sein. In Bezau könnte man gleich aufs ganze Ländchen wir­ken und ich möchte schon dort sein. Jetzt brauche ich Un­ruhe, Leben und das stille Schoppernau hat zuweilen für mich fast etwas Schauerliches. Ich habe mir schon zuweilen die Kämpfe und Aufregungen des letzten Winters gewünscht um mir selber darin zu entfliehen. Nur im Streben fürs Gemein­wohl finde ich Erholung und wenn ich davon ausruhen will, setze ich mich wieder an den Schreibtisch und erzähle „aus meinem Leben" oder „meine Dorfgeschichte". Welcher Titel gefiele dir wohl besser? Ich muß jetzt nämlich schon an den Titel denken, denn der erste Band, mit meiner Verehelichung abschließend ist fertig. Einstweilen denke ich auch nicht mehr weiter zu arbeiten. Die Abschrift besorgte ein von Feurstein gedungener Schreiber. Letzten Montag schickte ich die Arbeit, 79 Bogen, an meinen Schwager in Bludenz. Er wird sie bald durchgesehen haben und dann sollst Du sie erhalten. Ich bin begierig, was Du zum Ganzen sagst und ob Du es zur Ver­öffentlichung geeignet findest. Ich bin hierüber noch durch­aus nicht eins mit mir selbst. Wer seine Erlebnisse und die Wirkungen derselben dem Volke geben will, der sollte doch wahr sein oder gar nicht schreiben. Ich bin diesem Grund­satze rücksichtslos treu geblieben. Doch heute keine Vorrede, ich werde später eine Eigene zu dem Buche schreiben wenn einmal dessen Veröffentlichung beschlossen sein sollte. Also für jetzt nichts mehr hievon.</p> </div> <p>Wir haben endlich noch ein Bischen Schnee bekommen, so daß wenigstens noch die allernötigste Winterarbeit mit vieler Mühe und Gefahr verrichtet werden kann. Ich selbst quäle mich selten mit solchen Arbeiten, obwol ich die Taglöhner schwer aufbringe. Ich hoffte bisher, meine Einnahmen wür­den sich einmal verbessern. Nothwendig wärs. Doch ich will nicht klagen.</p> <p>Vielleicht ist dir lieb, die Photografie von Au, den Schauplatz von Reich und Arm zu erhalten. Ich schicke sie Dir mit der Bitte, unser Thal ja im Andenken zu behalten. Du bist hier keineswegs vergessen. Feurstein, seine Frau, Dr Greber, die Rößlewirthin, der Schreiner und noch viele lassen Dich grü­ßen. Kurat Herzog bittet recht sehr endlich um Auskunft. Grüße mir Deine Frau, die Kinder, Emmi Hedwig Rudolf u Hugo, den Klub und wer sich etwa sonst noch um mich kümmert.</p> <p>Schreibe auch gelegenheitlich wieder ein paar Zeilen an Deinen einsamen eingeschneiten Freund</p> <p>F M Felder.</p> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Schoppernau Rudolf Hildebrand Wed, 18 Mar 2015 08:00:00 +0000 st 718 at http://felderbriefe.at AN JOSEF FEUERSTEIN IN BEZAU http://felderbriefe.at/brief/josef-feuerstein-bezau-6 <div><span class="date-display-single">16. März 1869</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <div> <p>Lieber Freund!</p> <p>Es hat etwas Tröstliches für mich, daß du meine Liederlich = und Vergeßlichkeit in ihrem negativen Ausdruck vielleicht als Genie­streich bezeichnest. Diese Nachsicht thut wohl, macht mich aber doch nicht so kühn, daß es mir gleichgültig wird, wie ich eine Arbeit in fremde Hände übergebe. Leider fand ich am Montag keine Zeit u. keine Gedanken mehr für den Schluß meines Aufrufs. Es ist euch wohl ein Leichtes, ihn beizufügen und mir bleibt die Beschä­mung dich herzlich darum bitten zu müssen. Hätte ich die Arbeit hier, so wollte ich sie gern vollenden, so aber, da sie mir nicht mehr ganz im Gedächtniß ist, wage ich nur einen Vorschlag zu bringen. Höre!:</p> </div> <p>„Ein Rundschreiben des Herrn u s w Grafen von Belrup[t] nennt es eine heilige Pflicht jedes freien Staatsbürgers u s w Ich hoffe daß jeder Bregenzerwälder die Wichtigkeit der Sache einsehe und in seinen Kreisen für eine so zahlreiche Betheiligung wirke, wie sie unseres Landes würdig und seinen Interessen gemäß ist.</p> <p>Bizau den N N."</p> <p>Heim gekommen bin ich glücklich und mein Befinden hat sich wenigstens nicht verschlimmert. In Au traf ich geistliche Gesell­schaft und erlebte interessantes. Hier soll es vielen öd gewesen sein ohne mich. Gestern hab ich wieder gefederfuxet. Meine Tage spinnen sich nun wieder ruhig und gleichmäßig ab. Mit herzlichem Gruß an Margreth und euch alle dein Freund</p> <p>F M Felder</p> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Schoppernau Josef Feuerstein Mon, 16 Mar 2015 08:00:00 +0000 st 717 at http://felderbriefe.at AN JOSEF VON BERGMANN IN WIEN http://felderbriefe.at/brief/josef-von-bergmann-wien-0 <div><span class="date-display-single">13. März 1869</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <div> <p>Verehrtester Herr Bergmann!</p> <p>Ich danke Ihnen herzlich für Ihre 2 Briefe, die mir schon als Beweis Ihrer herzlichen Theilnahme wichtig und werth wären. Dieselben eröffnen mir aber auch die Aussicht, daß mir doch einmal etwas herausgeholfen werde aus der Tiefe, in die ich mich augenblicklich gedrückt fühle. Schon diese Hoffnung ist mir Wohlthat, ohne sie sähe ich mich im Dunkeln und müßten bald auch meine Arbeiten von dem angekränkelt werden, was jetzt an meinem Herzen nagt. Es ist gut, wenn mir hülfreiche Hände sich entgegenstrecken. Aber nach dem Inhalt Ihrer werthen Briefe darf ich ganz bestimmt hoffen, daß mir denn doch endlich einige Erleichterung werde, die ich so dringend bedarf. Ich weiß nämlich ziemlich bestimmt, daß auch erzählende Schriftsteller sich der Unterstützung des Vereins zu erfreuen haben.</p> <p>Im verflossenen Halbjahr seit dem Tode meiner lieben Frau wars mir bange, vorwärts zu blicken in die Zukunft. Lieber wollte ich in der Beschäftigung mit der Vergangenheit meine Kräfte wieder zu gewinnen suchen. Ich machte mich daher an die Ausarbeitung meiner Selbstbiografie die mir ein wahrer Trost ward, indem ich da recht deutlich sah, wie mir oft auch die ausgesuchtesten Hinder­nisse wieder Wohlthat geworden sind. Sie dürfen aber nicht glauben daß etwa diese Arbeit nur meiner Selbstbespiegelungs­sucht diene; vielmehr war ich bemüht in meiner „Geschichte" ein treues Bild der Heimat zu geben, deren Zustände sich in meinem Leben spiegeln. Der erste Band wird dieser Tage fertig. Er schließt mit meiner Verehlichung ab.</p> <p>Vorläufig denke ich diese Arbeit nicht weiter zu führen. Ich möchte lieber eine kleine Abhandlung „Über Spruch und Brauch" schrei­ben. Ich glaube, beide zusammen müßten ein treues Bild des geschilderten Stammes geben. Aus den Sitten und Redensarten meiner Heimat müßte sich das Gesellschaftsideal herausschälen lassen, den Bregenzerwälder wie man ihn als Sohn, Liebhaber und Gatten will. Ich möchte Ihre Meinung über diesen Plan mir gern erbitten.</p> </div> <p>Auch trage ich den Plan zu einer größeren Erzählung in mir herum. Wenn ich nur frei von den allerquälendsten Sorgen daran arbeiten könnte! Sie geben mir die Zuversicht, daß das doch noch einmal wird. Ich danke Ihnen herzlich für alles was Sie meinetwegen thun und verbleibe herzlich grüßend</p> <p>Hochachtungsvoll</p> <p>Ihr</p> <p>Franz M. Felder</p> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Schoppernau Josef von Bergmann Fri, 13 Mar 2015 08:00:00 +0000 st 714 at http://felderbriefe.at FRANZ MICHAEL FELDER AN KASPAR MOOSBRUGGER http://felderbriefe.at/brief/franz-michael-felder-kaspar-moosbrugger-25 <div><span class="date-display-single">3. März 1869</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <div> <p>Lieber Freund!</p> <p>Ich danke Dir herzlich für Dein wertes Schreiben. Du hast Deine Worte gesprochen, die in meiner Seele nachklangen.</p> <p>Meine Selbstbiographie wird in wenigen Tagen fertig. Auch die Abschrift ist von Albinger in Bezau bis auf wenige Bogen besorgt. Ich schließe mit meiner Verehelichung ab. Der Tod meiner Nanni wird gar nicht erwähnt. Du siehst Nanni lebend, schaffend, singend, Du hörst ihre Ansichten über Menschen und Zustände und ihre Gedichte. Die Kapitel, die von ihr erzählen, sind die heitersten. Sonst hat das Buch manches Trübe, weil sich alle heimatlichen Zustände in meinem Leben widerspiegeln und dort mit ihren Wirkungen umso schärfer hervortreten, wo ich selber noch nicht recht fest war. Ich habe mich durch diese Selbst- und Umschau von vielem befreit. Auch ungemein anregend war sie. Manche neue Seite unseres Gesellschaftslebens hat sich mir gezeigt, manches war mir klar, und ich legte es zurück, da ich es dort nicht gehörig ausführen konnte. Ich habe mich strenger Wahrheit beflissen. Ich schone niemand, aber ich übe die Gerechtigkeit in liebe­voller Weise, das heißt mit dem Hinweis aufs Allgemeine und auf das Überlieferte. Noch bin ich nicht eins mit mir, ob ich die Arbeit veröffentlichen soll. Feurstein nennt sie rücksichts­los mein bestes Werk. Das finde ich nun gerade nicht, aber ich glaube doch, daß es trotz seiner Einfachheit manches Schöne und Gute in den 25 Kapiteln bringe. Die Schilderung meiner Knabenzeit, meiner Spiele, der ersten Schuljahre ist sehr breit. Ich kam dabei auf einen ganz eigenen Gedanken, der mir immer lieber wurde und mich nicht mehr ruhen läßt. Ich muß ihn Dir schon mitteilen, obwohl ich's eigentlich nur durch sofortige Ausführung ganz könnte. Daß der Bregenzerwälder durch die Sitte, den Brauch erzogen wird, ist klar, und er hat da nichts vor ändern Bauern voraus als - gerade die Eigentümlichkeit unserer Sitten oder doch vieler derselben. Nun frage ich mich: Wozu wollen diese ihn machen? Mein Senn in den Sonderlingen tritt als ein Ideal auf; aber wie ist er geworden. Ich möchte das Ideal unserer Sitten schaffen: Möchte zeigen den Liebhaber, den Gatten, den Vater, die Geliebte, das Weib. Alle unsere Bräuche greifen in die Entwicklung des Einzelnen ein, sogar das Fen­sterlen und Hineinreden, der Visis [?] (Bettler), das Ge­störtwerden auf dem Strich. Man hat mich ersucht, im Lese­verein in Bezau eine Rede zu halten, ich möchte versuchs­weise über dieses Thema sprechen. Ich habe auch Lust, es gründlich zu bearbeiten. Sowohl die erzählende als die wissenschaftliche Form - letztere natürlich nicht zu streng gehalten, müßte sich dazu eignen und ich glaube, daß mir das Volk und die Gelehrten dafür dankbar wären, besonders da diese Arbeit immer schwerer und für einen Spätem ganz unmöglich wird. Ich möchte hören, ob Du mich verstehst und was Du dazu sagst. Die Selbstbiographie solltest Du doch lesen, da ich mit Dir sowohl über Einzelnes als über die Veröffentlichung des Ganzen sprechen möchte. Mir ist nun die Aufgabe geworden, J. Feldkirchers Gedichte herauszugeben. Wie ich eben erfahre, will mir die Familie die Handschriften gern unentgeltlich benützen lassen, wenn die­selben ins Volk kommen sollen.</p> </div> <div> <p>Buchhändler O. Janke [?] in Berlin hat mich um Übersen­dung der Liebeszeichen gebeten, weil er sie in der bei ihm erscheinenden „Roman-Zeitung" abdrucken will. Mir fiele da ein hübsches Honorar ab.</p> <p>Entschuldige, daß ich so viel von mir selbst melde. Jeder redet gern von seinem Tun, ich kann es hier nicht und habe alles allein. Es war so schön, als ich alles mit dem Wible gemein hatte. Es war wirklich meine Ehhälfte und fühlte sich sogar mit mir leidend glücklich. Sie hatte teil an allem meinem Schaffen und war doch weniger blaustrumpfig als manche, die nie aus dem Kaffeesatz herausgezogen wird. Feurstein will meine Gedichte in der Mundart sammeln und herausgeben, um im kleinen zu versuchen, ob mir nicht der Selbstverlag vorteilhaft wäre, zu dem er mir die nötige Unter­stützung anbietet. Ich habe schon mehrmals zu diesem Zweck gearbeitet, und es liegen einige gemütliche Gedichte vor, die ich Dir einmal sende.</p> </div> <div> <p>Ich arbeite überhaupt sehr fleißig und suche mich in jeder Form auszudrücken. Bereits denke ich wieder an ein größeres Werk, in dem Du sehen dürftest, daß ich mich auch den Zeitfragen nicht verschloß, doch das steht noch im Weiten. Im Fasching war Elsensohn in Bezau, machte den Großen und zog mit seiner Braut herum. Die Titel fangen auch bei uns zu gelten an. Die Kasinos scheinen schlechte Geschäfte zu machen.</p> <p>Nächstens werde ich Dir die Statuten unseres Lesevereins in Bezau und die Leseordnung schicken. Die Geistlichen sind bereits dagegen. Der Pfarrer von Bizau, Vonbank, war der erste. Im Fasching ging's absonderlich lustig zu, ich habe viel gesehen und wenig genossen.</p> <p>Das Mötele jammert, meine Magd müsse heim. Ich könne ja Deine Isabell anstellen, da sie im März doch gehe. Ich glaube das nicht und wünsche es nicht. Übrigens macht mich das Gerücht bereits zu einem Hochzeiter mit dem Mädchen, daneben tauchen aber auch drei andere Mädchengestalten auf, größer und voller [?], aber unter ihnen gefiele mir Mariann doch am besten. Will gern sehen, ob sie mir den Sommer bleiben darf oder heim zur Mutter muß, um dort ­Magd zu sein.</p> <p>Das Mädchen ist mir - offen gesagt - recht lieb. Es tut den Kindern Gutes, kommt mit der Mutter ordentlich aus und hat auch Verständnis für das, was es mir vorliest. Wir beide sind wie Bruder und Schwester, aber oft drückt mich sein un- sicheres Wesen, dann sag ich mir schaudernd: So wird ein</p> </div> <p>Stiefkind!</p> <p>Lebe wohl und schreibe bald.</p> <p>Mit Gruß und Handschlag</p> <p>Dein einsamer Freund</p> <p>F. M. Felder</p> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Schoppernau Kaspar Moosbrugger Tue, 03 Mar 2015 08:00:00 +0000 st 711 at http://felderbriefe.at AN KASPAR MOOSBRUGGER IN BLUDENZ [ENTWURF] http://felderbriefe.at/brief/kaspar-moosbrugger-bludenz-entwurf-0 <div><span class="date-display-single">27. Februar 1869</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <div> <p>Lieber Freund!</p> <p>Ich möchte Dir dießmal einen ziemlich langen Brief zukommen lassen, aber ein Unwohlsein, wie es fast jedes Jahr um diese Zeit sich einstellt, dürfte mich früher ermüden lassen. Anfangen aber will ich doch und sehen wie es geht. Dein Urtheil über meine letzte Arbeit, die Dir besser gefällt als ihr Held, habe ich mit Interesse gelesen. Ich habe schon in meiner Arbeit bedauert und bedaure mit Dir nochmahls, daß ich eigentlich nach dem Tode des Vaters und bis zum Schluß des ersten Theiles allein stand mit meinen Gedan­ken und nur durch kleine Erlebnisse geistig bereichert wurde. Der Segen eines warmen Famillienlebens ist auch schmerzlich genug gelebt, besonders in den letzten Kapiteln wo ich mehr mit den Deinen verkehrte. Ich könnte manche Stelle dafür anführen, kürzere und längere. So glaube ich euch gerecht geworden zu sein, mir aber war ich gerecht, indem ich mich auch gab wie ich war, als Gesichts und Gedankenmenschen. Ich halte so eine Schilderung dieser Richtung, wie die Richtung selbst, wenigstens für berechti­get, hielte ich sie aber für unberechtigt so würde ich darum doch meine Vergangenheit meine Vergangenheit nennen müssen. Daß ich mich besonders hoch stellte, kann man wohl nicht sagen, ich zeigte vielmehr zuweilen recht anschaulich, wie der Gedanke bettelarm wurde, und ich mich an Greifbares halten mußte, z. B. wo ich als Bischer nach Lindau reiste.</p> </div> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Schoppernau Kaspar Moosbrugger Fri, 27 Feb 2015 08:00:00 +0000 st 708 at http://felderbriefe.at