felderbriefe.at - Kaspar Moosbrugger http://felderbriefe.at/taxonomy/term/124/0 de KASPAR MOOSBRUGGER AN FRANZ MICHAEL FELDER http://felderbriefe.at/brief/kaspar-moosbrugger-franz-michael-felder-14 <div><span class="date-display-single">21. März 1869</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <div> <p>Lieber Freund!</p> <p>Den Brief vom 3. und die Sendung vom 14. d. Ms. habe ich erhalten. Habe auch alles aufmerksam durchgelesen. Bei Lesung der letzten Kapitel der Biographie kam ich aus der ruhigen Beschauung des schönen künstlerischen Gebildes und konnte heftiger Rührung nicht mehr Meister werden. Nach­dem ich derselben einen reichlichen Tribut gespendet, über den wohl niemand erstaunter war als mein Bart, der die Zeit einer Sündflut gekommen wähnen mußte, will ich nun bei wiedererobertem Objektivismus die Gedanken niederschrei­ben, die sich sofort einstellten. -</p> <p>Die Erzählung bildet ein einheitliches, volles Ganzes und wäre um jede Zeile schade, die man streichen wollte. Eines fließt aus dem ändern, und ist das Frühere die Bedingung des Spä­tem. Die Sprache ist in merkwürdig hohem Grade seelisch und reißt den hingebenden Leser mit Gewalt in all die Leiden und Freuden des Sprechenden. Diese Meisterschaft der Sprache und des Satzbaues ist in Deinen frühern Werken noch nicht vorhanden. Der Ton, der das Ganze durchzieht, ist ein elegischer. Trotz der milden und versöhnlichen Stim­mung wird doch den meisten Lesern diese gewaltig sich hin­ziehende Seelenmarter peinlich sein. Es ist dies die Marter des „Gedankens", der sich selbst genügen will. Für denkende Erzieher sind wahre Schätze in dem Werk. Merkwürdig sind die Notizen aus dem Tagebuch vom Jahre 1859 und geben viel zu denken. Die Krisis, die die Versöhnung herbeiführt, ist furchtbar, und macht es ihre Eigenart, daß sie nämlich eine rein elementare ist, begreiflich, daß die Versöhnung eigent­lich nur in der Welt des Gedankens und des Gemütes vor sich geht. Hier ist der Punkt, wo unsere Anschauungen über Natur, Seele und Geist oder, um konzentrierter zu reden, über „Gedanken" und „Idee" auseinandergehen. Daß Du in Deiner Jugend auf Deine Gedanken- und Gefühlswelt gedrängt wurdest, lag in den Umständen, und hast Dich tapfer, ja heldenmäßig gehalten. In unserer Familie regierte nie das „Gedankenmäßige", sondern vorherrschend die Idee. Ideen sind in der Welt, die weder von unserm Denk- noch von unserm Gefühls- noch überhaupt von unserm Daseins­apparat erzeugt werden, sondern einfach da sind und uns unmittelbar packen. Solche Ideen sind die Idee des Schönen, des Guten, des Wahren, der Tugend, der Freiheit, die spe­zifisch christlichen Ideen und in unserem Fall die Idee der christlich-germanischen Familie. Bei uns werden die meisten Menschen vorherrschend durch Ideen geleitet, bei den sog. Liberalen vorherrschend durch Gedanken, das Richtige wäre die vernünftige Durchdringung beider. Bei den Weisen sind die Gedanken ideenvoll und die Ideen gedankenvoll. Unser Vater war ein frommer, kräftiger Germane, die Mutter von demselben Stoff, und beiden erwuchs die entsprechende Nachkommenschaft. Über alle kam die Macht des christlich­germanischen Wesens, die alle beherrschte und als Familien­geist - Familienidee - verband. Diese Macht lag in keinem väterlichen oder mütterlichen Gedanken und war nicht das Erzeugnis der verschiedenen menschlichen Organismen, die die Familie ausmachten, und doch war sie da und die Bild­nerin und Leiterin des Ganzen. Ich hieß und heiße sie „Idee", und ich und alle ändern Familienglieder können bei all unsern Gedanken- und Gemütsoperationen von dieser Idee nicht absehen, die einmal mit uns verwachsen ist. Wie es uns mit dieser Idee geht, geht es uns und der übrigen Menschheit mit den ändern oben beispielsweise angeführten Ideen. Sie sind einmal unsere Regentinnen, wenn wir von der Vernunft und von unsern Kräften und Fähigkeiten den richtigen Gebrauch machen. - Dies ist beiläufig mein Stand­punkt, und Du wirst finden, daß er von Deinem differiert. Ich möchte aber durchaus nicht beantragen, daß Du an Deiner Arbeit etwas ändern solltest, lediglich zwei Worte möchte ich geändert wissen. Wo Du sagst, die Nanni sei durch saure „Gedanken"arbeit eins mit sich und der Welt geworden, möchte ich sagen, durch saure „Seelen"arbeit, und am Schlüs­se des 19. Kapitels möchte ich statt: Allmacht „des Gedan­kens" setzen Allmacht „der Ideen". - Wenn mir irgend ein Verdienst gebühren sollte, ist es lediglich das, daß ich der Fa­milienidee treu blieb, - ein Umstand, der mich vor morali­schem und physischem Bankrott rettete. - Von hier aus ergibt sich auch meine Antwort auf das, was Du im Brief vom 3. d. Ms. darüber sagst, daß Du das Ideal unserer Sitten schaffen wollest, daß Du zeigen möchtest den Liebhaber, den Gatten, den Vater, die Geliebte, das Weib. Mir kommt vor, Du steckest noch zu stark im Individualismus, in den kleinen Idealen. Wäre die christlich-germanische Familie nicht ein schönerer Stoff, aus dem all diese kleinen Ideale heraus­wachsen und dem allein sie möglich sind. In unserer Zeit handelt es sich um die Restaurierung der Familie, um der täglich mehr um sich greifenden Zerbröckelung und Atomi­sierung der Gesellschaft einen Damm entgegen zu setzen. Um die Familie ziehen sich die weitern Kreise bis hinauf zum Staat, wie wir schon im Ruf und in der Klarstellung an­deuteten. Was Liebhaber, Gatte, Vater, Geliebte und Weib im Bregenzerwald Gutes und Ideales haben, danken sie der christlich-germanischen Familienidee, und ließe sich sicher schön und erhebend ausführen, wie diese Menschen im Kampfe mit den atomisierten Gesellschaftsmenschen siegen und kraft ihrer idealeren Richtung das Recht der Herrschaft und Normierung unserer Verhältnisse erkämpfen, um so das Schlechte und Verworrene in unsern Sitten und Gebräuchen zu verdrängen. -</p> </div> <p>Doch ich fürchte zu ermüden und wollte eigentlich nur wenige Gedanken über die eingangs erwähnten Schriftwerke hersetzen. - Ich bin im Herzen erfreut, wenn ich aus Deinem baldigen Ankommen ersehe, daß ich die Bedingung, die Du mir gestellt hast, erfüllt und Dich nicht verletzt habe. Ich habe einmal meine Ideen und muß ihnen bei jeder Gelegenheit treu zu sein suchen, schon aus Dankbarkeit für das unsäglich viele Gute, das mir durch sie zukam. -</p> <p>Wenn Du herkommst, rate ich Dir vor allem, das Werk von Byr ,Anno Neun und Dreizehn' zu lesen. Das wäre ein herr­licher Stoff, den ein vaterländischer Dichter dramatisch zu bearbeiten nicht unterlassen sollte. - Das Weitere mündlich. In baldiger, sehnlicher Erwartung Dein Freund</p> <p>K. Moosbrugger</p> </div> <div> </div> Kaspar Moosbrugger Bludenz Franz Michael Felder Sat, 21 Mar 2015 08:00:00 +0000 st 719 at http://felderbriefe.at KASPAR MOOSBRUGGER AN FRANZ MICHAEL FELDER http://felderbriefe.at/brief/kaspar-moosbrugger-franz-michael-felder-13 <div><span class="date-display-single">26. Februar 1869</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <div> <p>Lieber Freund!</p> <p>Ich danke Dir für Deine Glückwünsche. - Ich bin voll Teil­nahme bei den Leiden, die Deiner Seele aus dem Gefühl der Vereinsamung noch immer erwachsen. Offener Blick auf das harmonische Weltganze, unbedingte Unterwerfung unter den Willen jenes Herrn, dem Welt und Völker sich fügen, freier Verzicht auf Aktivität der Seele, der das Einströmen göttlicher Kräfte ermöglicht /: Bereitlegung der Seele für Gnaden Gottes :/ dürften wohl Mittel sein, Dir das Gefühl des Verwachsenseins mit Gott und seinen Getreuen zu geben, neben welchem jenes Leidensgefühl nicht mehr Platz hat. Menschliche Teilnahme, die Du bei allen Gebildeten unsers Volkes finden wirst und findest, ist etwas, ist viel und kann Dir zeitweilig gute Dienste tun, entscheidend und glück­bringend ist aber nur die Teilnahme des Einen, durch den wir sind und ohne den wir nicht bestehen können. Als man dem Sokrates sagte, er solle für Vermögen seiner Kinder sorgen, erwiderte er, der die Xanthippe zum Weib hatte, ent­weder wandeln sie die Wege des Vaters, dann brauchen sie kein Vermögen, oder sie wandeln andere Wege, dann sollen sie sich auf ihren Wegen forthelfen. - /: Dem Sinn nach zitiert :/ Diese Predigt, die wohl, wie ich wünsche, über­flüssig und nicht am Platz ist, soll meinen Standpunkt dartun gegenüber einigen Stellen Deines werten letzten Briefes, worin ein freundschaftlicher Tadel meiner Haltung enthalten ist. Mögest Du hieraus auch entnehmen, daß das, was ich über den Hamm'schen Brief sagte, nicht als „Verübelung Deiner Freude am Erfolg" zu deuten ist. ­Was Du von dem Denkmal für Dein Wible in Deiner Bio­graphie sagst, erzeugt in mir eine Scheu, diese Biographie im Manuskript zu lesen, die Blutsverwandtschaft und das Familiengefühl werden Ursache sein. Es ist mir daher lieber, wenn Du das Werk nicht schickst. Ob Du es veröffentlichst oder nicht, ist lediglich Deine Sache. In jedem Fall soll es als Erzeugnis des deutschen Volks- und Kunstlebens objektiv gegeben und erfaßt werden. Objektiv gegeben wird es sein, objektive Erfassung ist eher möglich, wenn das Werk vom öffentlichen Markt kommt. -</p> </div> <div> <p>Zu der Sendung von Holland und den Nachrichten von Wien wünsche ich Glück. -</p> <p>Die Augusta ist nun wieder fort von uns, nachdem sie mir bereits Sorgen gemacht, sie stiftete mit ihrem emanzipierten Wesen noch viel Unheil in meiner Familie. Die Theres hatte wegen ihres Antagonismus in der Kindbett viel zu leiden, ist nun aber wieder ganz gut. Jetzt hätte ich für Dich wieder Bett und Platz, und können die Kinder bald ins Freie, weshalb ich in der angenehmen Lage bin, Dich zum baldigen und beliebig langen Besuch einzuladen, ohne daß mir die Furcht kommt, ich könne nicht entsprechenden Aufenthalt gewähren. Wenn Du etwa das interessante Montafon näher kennen lernen wolltest, kann ich auch gute Wohnung und Pflege bei meinem Schwager oder der Schwägerin verbürgen. ­Daß die Isabell von uns fort will, davon weiß ich nichts. Wenn Dir das Mötele die Mariann nicht lassen will, so appelliere einfach an letztere, die wohl über sich selbst, ohne das Mötele oder ihren Vater verletzen zu müssen, verfügen kann. Wenn das Mötele meint, es komme zu kurz, sage ihm, es soll sich an mich wenden, ich wolle es entschädigen. ­Ich habe vor längerer Zeit an meinen Bruder Jakob und den Schröcker Wirt in wichtigeren Tannberger Gemeindesachen geschrieben und weiß nicht, ob die Briefe bei den schlechten Postverhältnissen abgegeben worden, frage gelegentlich nach und schreibe dann, ob ja oder nein. -</p> <p>Im 4. Heft d. Js. der Historisch-politischen Blätter ist ein Dr. Delff anläßlich einer Besprechung des Philosophenkon­gresses in Prag mit originellen, kräftigen Gedanken aufge­treten, die es verdienen, beherzigt zu werden, und nament­lich uns Österreichern und Katholiken von großem Wert sein können.</p> </div> <p>Hier nichts Neues und alles gesund.</p> <p>Schreibe bald wieder oder komme bald.</p> <p>Mit Gruß und Handschlag</p> <p>Dein Freund&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; K. Moosbrugger</p> </div> <div> </div> Kaspar Moosbrugger Bludenz Franz Michael Felder Mariann Thu, 26 Feb 2015 08:00:00 +0000 st 706 at http://felderbriefe.at KASPAR MOOSBRUGGER AN FRANZ MICHAEL FELDER http://felderbriefe.at/brief/kaspar-moosbrugger-franz-michael-felder-12 <div><span class="date-display-single">3. Februar 1869</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <div> <p>Lieber Freund!</p> <p>Der Bub, der mir am 1. d. Ms. geboren wurde und seit gestern für immer Ferdinand Martin heißt, rumorte in seinem Käfig schon seit einem Monat derart, daß wir nie vor seinem Ausbruch sicher waren, was der Hauptgrund ist, daß ich jetzt erst zu meinem Schreiben an Dich komme. Ein Kerl, der solches Spektakel macht, bevor er eigentlich ist, verdient es, daß man ihn von Angesicht zu Angesicht kennen lerne, bevor man zur Tagesordnung übergeht. Nun alles in Ordnung ist, will ich über Deine werten Briefe vom 11. und 23. Dez. 1868 und 29. v. Ms. antworten, kann aber wieder nur flüchtig sein. ­Über ,Arm und Reich' habe ich nur weniges flüchtig hinge­worfen und wollte ich keine förmliche Kritik geben. Dazu braucht es offenbar mehr, als ich zu leisten vorhatte. Deine Einwendungen gegen das von mir Gesagte waren mir inter­essant und gehen mir, wie der Buchinhalt, viel im Kopf herum. Vielleicht kocht sich noch etwas darüber aus. ­Neulich hatte ich mit zwei jungen Geistlichen aus der Brixner Schule, deren einer von Egg und hier Kooperator ist, einen anregenden Disput über das Buch, war mir aber nicht mög­lich, sie zu überzeugen, daß Du eher die Licht- als die Schat­tenseiten der Wirksamkeit ihrer Schule hervorkehrst, und sie davon abzubringen, daß Du es auf Darstellen des Schattens abgesehen. -</p> </div> <div> <p>Den Brief von Hamm lege ich bei, der hauptsächlich inter­essant ist, weil er von einem österreichischen Ministerialrat kommt. Merkwürdig ist mir, daß die Liberalen, wie ich aus dem Urteil des Hirzel in der Zürcher Zeitung, aus dem des Byr in der Landes- und aus dem des Elsensohn in der Feld­kircher Zeitung sehe und aus dem Hamm'schen Schreiben entnehme, die Tendenz und Tragweite des Buches absolut mißverkennen. -</p> <p>Ich wünsche Dir den besten Erfolg beim Schillerverein, und wird voraussichtlich ergiebig geholfen werden. - Bei unserm Lese- und Bildungsverein bin ich allerdings von Anfang an mitbeteiligt gewesen. Er hat jetzt 52 Mitglieder und 32 Gäste. Letztere sind solche Beteiligte, die gegen Erlag von monat­lich 10 Kr. ö. W. an den Benefizien des Vereins teilnehmen und aber von Beschlußfassungen ausgeschlossen sind. Der Verein regiert sich durch alle Mitglieder selbst und hat nur zur Besorgung der Manipulationsgeschäfte einen Vorsteher und 4 Ausschüsse, ist durchaus demokratisch. Weil der Magi­strat durch Zuweisung eines Lokals und sonst sich Verdienste um den Verein erworben, wurde der Bürgermeister Wolf Vorsteher. Wie wenig die Fabrikanten bevorzugt werden, ergibt sich daraus, daß nur Andrä Gaßner, der 50 Fl. zum Verein spendiert hat, in den Ausschuß kam, und zwar mit den wenigsten Stimmen. Die ändern Ausschüsse sind Dr. Bickel, Oberlehrer Muther und ich. Da wir nach der jetzigen Beteilung über 3 bis 400 Fl. ö. W. jährlich zu verfügen haben, können wir für reichhaltige Lektüre sorgen und haben bereits soviel Zeitungen und Zeitschriften /: alle durch Mehrheit der Stimmen der Mitglieder gewählt :/, daß wir förmlich an Über­füllung leiden. Es können sich Liberale, Ultramontane und Demokraten satt essen, letztere freilich am wenigsten, sind aber von Haus aus an magere Kost angewiesen. - Der Lärm, der über diesen Verein in den Zeitungen geschlagen wird, geht von den Liberalen aus, die sich überhaupt keck vor­drängen. Sie drängen sich auch zu Vorträgen, die jedermann gestattet sind, heran und wollen Proselyten machen. Daß sie rührig sind, muß man ihnen lassen, und daß sie ihre besten Kräfte ins Feld schicken, auch, aber für Bludenz werden sie doch nicht gefährlich. Höchstens können sie es zu einer Spaltung bringen und zu einem Rückzug der völlig ohn­mächtigen Ultramontanen. Wenn es hier einmal eine Aufrüt­telung gibt, die einen Namen hat, werden ganz andere als liberale Losungsworte ausgegeben. Das Volksblatt erhalte ich seit Neujahr wie Du und bin schon zweimal zum Mitarbeiten aufgefordert worden, wobei Vonbank die sonderbare Ansicht aussprach, ich und die Unterschreiber des Programms seien zum Arbeiten einfach verpflichtet. Ich habe ihm noch nicht geantwortet. -</p> </div> <p>Sei so gut, beiliegenden Brief dem Bruder Pius zu geben. ­Dir und den Deinen alles Gute zum Neuen Jahr. Mit Gruß und Handschlag Dein Freund&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; K. Moosbrugger</p> <p>Wenn Du zu mir kommen willst, bist immer Gast, kann aber nicht verschweigen, daß die Zimmer meines jetzigen Quar­tiers alle nahe beisammen sind und es fast unmöglich ist, Ruhe zu haben, da ich bereits selbneunt bin. -</p> </div> <div> </div> Kaspar Moosbrugger Bludenz Franz Michael Felder Tue, 03 Feb 2015 08:00:00 +0000 st 698 at http://felderbriefe.at KASPAR MOOSBRUGGER AN FRANZ MICHAEL FELDER http://felderbriefe.at/brief/kaspar-moosbrugger-franz-michael-felder-10 <div><span class="date-display-single">4. November 1868</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <div> <p>Lieber Freund!</p> <p>Auf Deine zwei letzten flüchtigen Briefe flüchtig folgendes: ,Arm und Reich' habe ich erhalten und danke für die Zu­sendung. Ich habe das Buch auch bereits gelesen, und blieb die Stimmung hiebei eine harmonische. Nach meinem Dafür­halten ist der Hauptwert der ästhetische. Trefflich sind die Schilderungen der Natur und ihres Einflusses auf die Stim­mungen des Gemüts, desgleichen die reinen Seelengemälde, die durch das kühne Einbeziehen der Traumwelt nur ge­winnen. Hiebei ist mir mehrfach das gelehrte Werk ,Ge­schichte der menschlichen Seele' von Schubert eingefallen, das Du lesen solltest. Merkwürdig sind einige Dialoge, die wahrhaft dramatisch wirken, z. B. des Krämers mit der Zusei, des Mathisle mit der Dorothee. Sitten, Gebräuche und Volks­charakter sind getreulich und schön dargestellt. Die weibliehen Figuren schöner und vollendeter als die männlichen. Die interessanteste die Schwester der Zusel, das Weib des Andreas und nachträglich des Hans. Die Schilderung im Wider Wäldle gemahnte mich an Ähnliches /: Wahnsinnartiges :/ bei Shakespeare, dem besten Seelenkenner. Vortrefflich ist auch der Seelenzustand der Dorothee nach dem Besuch beim Vater wiedergegeben und bleibt merkwürdig, daß nur in diesem Mädchen die eigentliche Lage der Armen zum Be­wußtsein gekommen ist. - Hansjörg ist ein mir fast unver­ständlicher Charakter, sowie teilweise Jos, ähnlich wie Klaus­melker in den Sonderlingen. Krämer und Hans verstehe ich und gehen mir ein, auch Pfarrer und Kaplan, nur weiß ich die letzte Rede des Kaplan mit seinem frühern Auftreten ohne ein inzwischen eingetretenes Läuterungsstadium nicht in Ein­klang zu bringen. -</p> </div> <div> <p>Interessant ist mir die Erklärung der Weiberherrschaft im Bregenzerwald; da aber der Grund ihrer Entstehung noch nicht entfernt ist, muß sie wohl als noch bestehend ange­sehen werden und ist daher mehr Zufall, daß die schließlichen Heiraten im Buch dennoch zustande kamen. Mein Gerechtig­keitsgefühl ist überhaupt am wenigsten befriedigt worden. Diese armen, gutmütigen Burschen können aus sich gar nichts und haben ihr anscheinend besseres, späteres Los nicht dem raschen Verschwinden des Krämers /: Gerechtigkeit :/ zu danken, sondern der Gutmütigkeit der Töchter und des Hans, wobei es zweifelhaft bleibt, ob dieser Hans seine im Taumel der Hochzeitsfreuden gemachte Zusage nicht ebenso uner­füllt lasse, wie ähnlich frühere. Auf der Krone in Au wird die Arbeit wohl trotz der erzählten Vorgänge noch verkauft wie früher, und ich fürchte, daß Hansjörg und Jos auch unter den Verkäufern sind, und wenn sie Kinder haben, wette ich darauf, daß diese sich sorgfältig einen anständigen Käufer aussuchen. -</p> <p>Ich komme aber vom Himmel des Ästhetischen unvermerkt auf die harte Erde der Praxis und sehe, daß ich von der eingangs gewollten Flüchtigkeit bald abgekommen wäre. -</p> <p>Es würde mich sehr freuen, wenn Dein Schreiben an Hamm einen Erfolg hätte. Den Zeitungsartikel habe ich noch nicht erhalten. Ich bin begierig, wie [es] dem Felder in Alber­schwende geht. Das Barometer-Mindle [?] hat mir den letzten Brief nicht gebracht, er kam ohne Briefmarke auf der Post an, und ich mußte deshalb 111/2 Kr. zahlen, was ich nur zum Zeichen der Diskretion des Rößle bemerke. In dem­selben lagen nicht zwei Briefe, wie Du schreibst, sondern nur einer von Hildebrand do. 4. September. Von der Käsvereinsversammlung schrieb mir Jakob mehreres, was mich sehr gefreut hat. Schicke mir gelegentlich den Brief von Mayer, da ich doch antworten sollte, und den der Admini­stration der Volkszeitung. - Fabrikant Gaßner hat Reich und Arm gelesen und gesagt, daß es ihm sehr gut gefalle, was ich glaube. Dr. Bickel ist am Lesen. -</p> </div> <div> <p>Halte mir das Gesagte nicht für ungut. Ich war wirklich ge­spannt auf Deine Lösung der sozialen Frage und habe teil­weise mit derselben bereits gerechnet. Diese Lösung kann ich aber nicht als Lösung ansehen und muß das Buch als für die bürgerlichen Leser und Ästhetiker allerdings geeignet, nicht aber als dem armen Arbeitsmann sonderlich dienlich ansehen. Unsere Bourgeoisie /: die Krämer :/ hat die Staatseinrich­tungen und Gesetze für sich, und es kommt wohl nicht vor, daß das Gewissen sie ins Feuer treibt wie Deinen Krämer. Die Weltgeschichte weist kein einziges Beispiel auf, daß eine privilegierte Klasse so freiwillig abgetreten ist. Warum ist aus der Verschwörung beim Jos nichts geworden? Das wäre wohl nicht ästhetisch gewesen wie der Stuhl des Mathisle /: Hilde­brand :/. -</p> <p>Baldiges Schreiben und die Sendung erwartend Dein Freund</p> <p>K. Moosbrugger</p> </div> </div> <div> </div> Kaspar Moosbrugger Bludenz Franz Michael Felder Tue, 04 Nov 2014 08:00:00 +0000 st 654 at http://felderbriefe.at KASPAR MOOSBRUGGER AN FRANZ MICHAEL FELDER http://felderbriefe.at/brief/kaspar-moosbrugger-franz-michael-felder-9 <div><span class="date-display-single">2. Oktober 1868</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <div> <p>Lieber Freund!</p> <p>Dein Schreiben vom 24. v. Ms. ist mir sehr erfreulich, da ich sehe, daß Du wieder auflebst. Ich bin begierig auf die Zusendungen, die Du erwähnst, insbesonders auf den Hilde­brand'schen Brief, da ich die Gründe hören möchte, nach denen jetzt Deine Selbstbiographie rätlich wäre. Nach den Erfahrungen, die ich auf dem Gebiet des Geistigen gemacht habe, gewinnt der Mensch, der Stärkung und Hebung sucht, diese mehr, wenn er sich in das Höhere, Allgemeine, Göttliche vertieft als in das eigene Ich, mehr in der Hingabe, in der Opferung des Ich als in dessen Selbstbeschauung. Wenn bei letzterer auch klar wird, wie uns Gott wunderbar und liebe­voll geleitet hat, so ist das mehr eine Erweiterung des Wissensbereichs als eine Vermehrung der geistigen Kraft. Wie der physisch ermüdete Mensch seine Kräftigung im Schlaf sucht und findet, so der geistig müde die seine im Selbst­verzicht, in der Hingabe. Unsere Aktivität ist im großen und ganzen nur dann eine glückliche, wenn wir die hohe, gott­ebenbildende Kunst der Passivität gelernt und geübt haben. -</p> <p>Die Frau des Feurstein in Bezau hat unter anderm meiner Schwägerin in Schruns davon geschrieben, daß man jetzt erst, nachdem der Schmerz Dich so heimgesucht, von Dir Schönes und Großes erwarte. Ähnlich scheinen Deine Freunde die Sache anzuschauen. Ich muß sagen, mir, subjektiv, kommt diese Anschauung hart, peinlich vor. Möge sie Dir in besserem Licht erscheinen. -</p> <p>Nach Götzis kann&nbsp; ich der bereits angeordneten Verhand­lungen am 6. und 8. d. Ms. wegen nicht gehen. Ich muß abbrechen, weil die Post geht. Mit Gruß und Handschlag Dein Freund&nbsp;&nbsp; K. Moosbrugger</p> </div> </div> <div> </div> Kaspar Moosbrugger Bludenz Franz Michael Felder Thu, 02 Oct 2014 07:00:00 +0000 st 645 at http://felderbriefe.at KASPAR MOOSBRUGGER AN FRANZ MICHAEL FELDER http://felderbriefe.at/brief/kaspar-moosbrugger-franz-michael-felder-8 <div><span class="date-display-single">28. August 1868</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <div> <p>Lieber Freund!</p> <p>Auf den so traurigen Brief vom 25. d. Ms., den ich soeben erhalte, beeile ich mich, Dir zu sagen, daß ich Dir die Isabella so lange überlasse, als Ihr in der bedrängten Lage seid. Hoffentlich wird das Wible bald wieder gut und ist dann alles wieder recht. Wenn Ihr sie nicht mehr nötig braucht, so schickt sie, bis dahin wollen wir hier uns helfen, wie es geht. Ich teile mit Dir den Schmerz über diese ernste Krankheit, die Gott bald wieder heben möge. Ich wünsche Euch, insbe­sonders dem Wible, Mut und Ausdauer und baldige Besse­rung. Ich hoffe, daß Ihr alle erreichbaren Mittel anwendet und daß Du, wenn ich in etwas behilflich sein kann, ohne Rück­halt es mir sagst. -</p> <p>Recht baldige, bessere Nachricht erwartend, Dein Freund</p> <p>Kaspar Moosbrugger</p> <p>Den Brief meiner Theres habe ich nicht gelesen, nehmt ihn in keinem Fall übel auf.</p> <p>&nbsp;</p> </div> </div> <div> </div> Kaspar Moosbrugger Bludenz Franz Michael Felder Thu, 28 Aug 2014 07:00:00 +0000 st 616 at http://felderbriefe.at KASPAR MOOSBRUGGER AN FRANZ MICHAEL FELDER http://felderbriefe.at/brief/kaspar-moosbrugger-franz-michael-felder-7 <div><span class="date-display-single">22. August 1868</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Lieber Freund!</p> <p>Anliegend übersende ich Dir: 1) Ein Manuskript von Dr. Von&shy;bun, 2) den Brief des Holländers, 3) den mir von der Admini&shy;stration des Telegrafen zugesendeten Brief samt meiner Antwort, 4) einen Brief von Professor Mayer. - Zugleich mit diesem Paket übergebe ich der Post unter Kreuzband 4 Num&shy;mern des Arbeiterblattes, 2 Nummern des Telegrafen und die Ankündigung eines sozialen Romans. &shy;Das Manuskript hat mir Dr. Vonbun kürzlich geschenkt. Es ist der Aufsatz, der bald nach unserer Unterredung mit Von&shy;bun im letzten Winter zustande kam. Er schickte denselben wieder an die Feldkircher Zeitung, die ihn aber nicht aufnahm und dem Autor auf seine Rückforderung sofort wieder behän&shy;digte. Es ist ein merkwürdiges Schriftstück. Wenn die Literaten schließlich zu solchen Produktionen gelangen, so kann man sich, meine ich, leicht trösten, kein Literat vom Tag zu sein. Was sagst Du dazu?</p> <p>Den Holländer Brief habe ich dem Bickel und Gaßner zu lesen gegeben, er freute sie wie mich. Man sollte denselben im Vaterland bekannt machen. Welch herrliches Gemüt be&shy;sitzt dieser Holländer! -</p> <p>Der Brief der Administration des Telegrafen, der Mayer'sche und die Kreuzbandsendung beziehen sich auf das Politische. Ich ersuche Dich, diese Sachen zu lesen, Dir das jetzige österreichische Parteiwesen zu vergegenwärtigen und Dich sofort zu erklären, ob und wie Du auf dem von Mayer angedeuteten Gebiet aktiv zu werden bereit bist oder was überhaupt Deine Meinung ist. -</p> <p>Meine Meinung will ich mit demokratischem Freimut her&shy;setzen: Ich bin Sozialdemokrat und hoffe, es zu bleiben. Meine Bemühungen, eine sozialdemokratische Partei in Vor&shy;arlberg ins Leben zu rufen, sind bekannt. Ich wollte es nicht auf Grund einer materialistischen Lebensanschauung, wie dies bei der Sozialdemokratie sonst leider der Fall ist, sondern auf Grund der christlichen Weltidee. Ich wendete mich daher nicht an die durch die materialistische Bourgeoisie materia&shy;listisch gewordenen Massen, sondern an die Leute, die ich für die allumfassende christliche Idee mehr empfänglich hielt. Der Erfolg war leider ein sehr geringer. Die Leute, die da mit dem Christentum groß tun und bei denen jedes zweite Wort „Katholizismus" ist, sind so engherzig und so selbstzufrieden, daß vielleicht noch leichter die liberalen Bourgeois' aus ihren Begriffs-Kerkern herauszubringen wären. Ich war letzten Sonntag bei dem Kasinofest in Nenzing, wo bei 3000 Men&shy;schen und die Koryphäen unserer sog. Ultramontanen waren und letztere laut und vernehmlich sprachen, aber nicht ein Wort fiel für die Armen, Hilfsbedürftigen. Die reine Reaktion ist da Losung, und alles läuft darauf hinaus, die ultramontane Bourgeoisie zu stärken und zu organisieren, um so der liberalen Bourgeoisie Meister zu werden. Die Herren in beiden Lagern wollen eine Welt für sich, die große Welt&shy;strömung ist für sie wie nicht vorhanden. Genauso scheint mir die Stellung der „Ultramontanen" und „Liberalen" in ganz Cisleithanien zu sein und - nur große Katastrophen können eine Änderung zum Bessern herbeiführen. Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage. Bei diesem Sachverhalt sehe ich es meinerseits für eine zwecklose Kraftvergeudung an, jetzt in unserm Sinn weiter aktiv zu sein, und ich überlasse es Dir und dem Mayer oder wer will, die Initiative zu weiteren Schritten zu ergreifen. Wenn Ihr aber etwas Ordentliches anfangen und mich dabei haben wollt, so bin ich immer am Fleck. Aber Entschiedenheit möchte ich und halte daher dafür, daß man möglichst die Sache auf die Spitze treiben sollte. Die Liberalen und die Ultramontanen sollen ad absurdum geführt werden. Feursteins Haltung bei der letzten Wahl gefällt mir daher gar nicht. Fetz, Euer Kandidat, würde kein Wässerlein trüben. Ich halte ihn für einen ultramontanen Advokaten im Sinne der Gesichtspunkte. Die wohlfeile Be&shy;handlung, die er Feurstein, Dir und Deinen Mannen zuteil werden ließ, paßt zum Geschäft, und ich muß bekennen, daß die hiesigen ultramontanen Wahlmänner bei weitem nicht in dem Grade als Maschinen gebraucht wurden wie Deine Freunde. Ich vermisse bei Euch Energie und die für Demokraten so nötige Entschiedenheit. Wieviel besser stünde unsere Sache, wenn unser Frühlingsprogramm entschieden aufrecht erhalten worden wäre, wie es in Szene gesetzt wurde, da nun zwei Männer des Programms im Landtag sitzen. Ich schreibe mir keine Schuld zu, wenn diese Männer wieder auf Seite der ultramontanen Bourgeoisie gezogen werden und unser Einfluß auf sie aufhören sollte, wenn unsere Sache also auch im Landtag unvertreten bleibt, aber Konsequenz schreibe ich mir zu, wenn ich mich freue, daß Männer, die mit uns dasselbe Programm fertigten, vom Volk erhoben wurden, und es ist anzuerkennen, daß das Volk den Instinkt fürs Richtige hat, und es ist total unschuldig, wenn die Dinge anders kommen, als sie nach seinem Instinkt kommen sollten. - Im Bregenzerwald hat die demokratische Idee gesiegt, und zwar die christlich-germanische, und denen zum Trotz, die sich Demokraten nennen, sogar das Schicksal hat sich für sie erklärt, wenn diese Idee in Berchtold aber nicht die entsprechende Verkörperung findet, so ist eben die groß&shy;artige Unlauterkeit aller unserer Parteibestrebungen schuld, welche nur Katastrophen herbeiführen kann. &shy;Das ist nun beiläufig meine Meinung, und wenn sie Dich unangenehm berührt, so schreibe dies meinem hartgesot&shy;tenen Demokratismus zu, der keine Schonung kennt, wo es sich um Recht und Wahrheit handelt. Ich schaue nun dem Weltlauf zu und warte ruhig ab, wie die materialistischen Massen und Parteien aufeinander platzen. Wenn Ihr Euch aufrafft und mit Kraft und Entschiedenheit für die Idee, die mich beherrscht, auftretet, so bin ich, wie gesagt, mit Freuden dabei. - Jetzt will ich noch etwas anführen, was Dir wohl in dem Ideengang der Literatur, in dem Du Dich dermalen bewegst und bei Deinen selbstgeschaffenen Idealen abstrus vorkommen mag, aber zur Klarstellung gehört, die einmal unvermeidlich ist. Aus meiner- ich muß jetzt wohl so sagen - Klarstellung spricht eine große Sehnsucht nach einem Konzilium und nach der Scheidung der Kirche von der Nationalität und dem Staat. Meine Klarstellung wurde ge&shy;schrieben, als von einem Konzilium noch kein Wort ver&shy;lautete. Als ein solches sofort von dem Papste, der gleich bei seinem Regierungsantritt entschieden mit der Demokratie ging, in einer Art ausgeschrieben wurde, die die Absicht, die Trennung von Staat und Nationalität durchzuführen, durch&shy;blicken ließ, war meine Freude eine innige und große, wie Du begreifen mußt, wenn Du die Klarstellung jetzt wieder liest. Bei Besprechung der fraglichen päpstlichen Bulle sagt der Univers in einem von dem berühmten Veuillot unter&shy;zeichneten Artikel unter anderem: „Wenn man die Blicke in die Zukunft wendet, so erschaut man die kirchlich-katho&shy;lische Organisation der Demokratie. Auf den Trümmern der ungläubigen Monarchien sieht man zahlreicher die Menge der Nationen erstehen, die untereinander frei und gleich sind und einen allgemeinen Bund in der Einheit des Glaubens unter dem Vorsitz des römischen Oberhirten bilden, der gleich sehr Schützling und Beschützer der ganzen Welt ist. Es wird ein heiliges Volk geben, wie es ein heiliges Reich gab. Und diese getaufte und geweihte Demokratie wird das voll&shy;bringen, was die Monarchien nicht vollbringen konnten und wollten." Die Aufstellung dieses Ideals war mir natürlich wieder ein Labsal, und ich erkläre es für ein vollberechtigtes, weil von der kirchlichen Weltidee gefordertes. Wie das Christentum Realität hat, wird dieses Ideal Realität erlangen. Wenn ich nun mit den Ideen, die meine Broschüren trugen, sozusagen ganz allein im Lande dastehe und meine eigene Partei bilde, so werde, hoffe ich, wenigstens ich von dieser Partei nicht abfallen, der die großartigen Weltereignisse so merkwürdig recht geben. -</p> <p>Jetzt will ich noch das Gedicht hersetzen, das ich am 14. d. Ms. dem Thurnher geschickt habe:</p> <blockquote><p>An August Thurnher</p> <p>als er am 10. Aug. 1868 zum Landtagsabgeordneten</p> <p>erwählt wurde.</p> </blockquote> <p>Es schwebt Dein Bild mir vor, - Glut in allen Zügen,</p> <p>Das Auge Feuer, die Haltung stramm, die Faust geballt,</p> <p>Die Lippen lispeln dumpf: „jetzt brechen oder biegen".</p> <p>So war's, als byzantinische Intrige Dir galt.&nbsp;</p> <p>&nbsp;</p> <p>Es war das Bild des Stark'n von Manneszorn verklärt,</p> <p>Das Bild des deutschen Streiters, den wälsche Tück' bezwang,</p> <p>Dem alles sie genommen, was den Streiter ehrt:</p> <p>Das Vaterland -, so zogst Du fort, kein Laut, kein Klang.&nbsp;</p> <p>&nbsp;</p> <p>Die Freunde reichten stumm, vom Schmerze übermannt,</p> <p>Zum Abschied Dir die Hand, die Losung tief im Herzen:</p> <p>„Jetzt brechen oder biegen, der Frevel wird entmannt,</p> <p>Der Frevel vor Gericht! - was schwarz ist, muß man schwärzen."</p> <p>&nbsp;</p> <p>Das höchste Tribunal ist zu Gericht gesessen,</p> <p>Das Tribunal des&nbsp; Volks hat seinen Spruch getan:</p> <p>„Nicht duldet Volkes Majestät ein solch Vermessen,</p> <p>Nicht kennt es blinden, feigen Ostrazismus an.&nbsp;</p> <p>&nbsp;</p> <p>Unwert des deutschen Namens, ehrlos sei erklärt</p> <p>Ein jeder aus dem Volke, der solch Griechentat</p> <p>In deutschem Lande übt, doch sei ihm nicht verwehrt</p> <p>Ein großer Akt, - der Akt der Sühn' vor'm hohen Rat -&nbsp;</p> <p>&nbsp;</p> <p>Ins Vaterland, ins teure, sei zurückgerufen</p> <p>Der Mann, der stets des Volkes Fahne hochgehalten,</p> <p>Er freue auf des Volkes Thrones höchsten Stufen</p> <p>Des Sieges sich, des Rechts und deutscher Männer Walten."&nbsp;</p> <p>&nbsp;</p> <p>Es schwebt Dein Bild mir wieder vor, ein schön'res Bild:</p> <p>Im Antlitz Herrscherruh, im Auge Harmonie,</p> <p>Die Rechte sanft erhoben, der Mund spricht ernst und mild:</p> <p>„Germane sei stets frei und beug' den Nacken nie." -</p> <p>&nbsp;</p> <p>Dieses Gedicht hat bei dem Überwuchern des Römertums in allen Rechts- und öffentlichen Verhältnissen nur eine ideelle /: instinktive :/ Berechtigung, und würde der bei diesen Vorgängen zu Tage getretene germanistische Volks&shy;instinkt von den realen Tagesmächten, dem römisch-heidnischen Kunstwesen, alsogleich überfahren. Bei Thurnher trat richtig der in diesem Brief schon vorgesehene Fall ein. Wenn es da eine Entschuldigung gibt, ist es die Tatsache des allge&shy;meinen geistigen Bankerottentums, welches alles mit den Ver&shy;hältnissen entschuldigt. Diese Verhältnisse zeichnet schön und wahr ein germanistischer Gelehrter in einem an mich gerich&shy;teten Brief, in dem er sagt: „Wenn Sie alles auf den Kampf zwischen dem Romanismus und dem Germanismus zurück&shy;führen, so ist gerade das zwischen uns ein intimer Be&shy;rührungspunkt. Der Kampf gegen das Römertum in unserm Innern und Äußern ist der Kern meines Weltinteresses, ich kämpfe ihn jetzt auf dem Katheder Tag für Tag gegen das lateinische Römertum und das französische Römertum. Jenes sitzt uns auf dem Nacken, dieses auf der Nase, es ist ein Wunder, daß wir noch da sind und uns noch ein wenig wehren können. Am schwersten aber wehrt sich's gegen das deutsche Römertum, in dem unsere Studierten, und die nicht allein, zu einem großen Prozentsatz ersoffen sind. Ja, es wird uns von Jugend auf in unser Inneres hineingeflößt und gestopft, ehe wir einen Maßstab haben, an dem wir's wert&shy;messen könnten. Unser ganzer Staats- und Kirchenbegriff ist ein Stück Römertum, der unselige Gedanke einer Geister&shy;uniform, der Tausenden so bestechend ist, - Herrschenden und Beherrschten."</p> <p>Wenn ich im Gedicht und im Brief von „Volks"wahlen rede, wirst Du wohl nicht bestreiten, daß Fetz und Staatsanwalt entschieden größere Niederlagen erlitten hätten bei wirk&shy;lichen „Volks-", d. h. allgemeinen Wahlen und ihre Gegner mit ganz anderer Majorität gesiegt hätten, ein Beweis, wie angemessen der Volksnatur eigentlich unser Programm wäre. Eben erhalte ich von Mayer ein Dutzend Fotografien ä 25 Kr. ö. W., die ich bezahlt habe und hier beilege. Ein Stück gab ich der Augusta Rhomberg, Tochter des Jakob, meiner weitschichtigen Base, die sich jetzt bei mir aufhält und Dich hoch ehrt. Ich schreibe Dir den Betrag zu dem Übrigen. -</p> <p>Das von Mayer erwähnte Werk von Jörg habe ich und ist jedermann, der eine gründliche Belehrung wünscht, bestens zu empfehlen. Ich habe es ausgelehnt, kostet nur 1 Fl. 50 Kr. Linter [?] ist Kommissär, Leiß Sekretär, Deigentesch [?] Disponibel. In Bezau bleiben nur zwei Konzeptsbeamte beim Gericht. Es werden 23 Aktuare und bei 70 Kanzellisten in Tirol und Vorarlberg disponibel. Über die Besetzung der Bezirks&shy;hauptmannschaften schlägt man sich die Hand überm Kopf zusammen. Wir richterliche Beamte bekommen jetzt eine viel schönere und freiere Stellung. -</p> <p>Den Brief der Administration, den des Mayer und das Manuskript Vonbuns bitte ich mir wieder zurückzusenden. Nichts für ungut. Schreib mir bald, etwa soviel, als ich eben Dir schrieb, und donnere nur drauf los, wenn es Dir drum ist. Mit Gruß und Handschlag Dein Freund</p> <p>K. Moosbrugger.</p> </div> <div> </div> Kaspar Moosbrugger Bludenz Franz Michael Felder Fri, 22 Aug 2014 07:00:00 +0000 st 608 at http://felderbriefe.at KASPAR MOOSBRUGGER AN FRANZ MICHAEL FELDER http://felderbriefe.at/brief/kaspar-moosbrugger-franz-michael-felder-6 <div><span class="date-display-single">11. August 1868</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <div> <p>Lieber Freund!</p> <p>Eben erfahre ich telegrafisch, daß ich als Adjunkt mit bes­serer Zahlung hier bleibe. Bitte, dies den Meinigen und wer es wissen will, mitzuteilen. Die Wahlschlacht ist ge­schlagen und Thurnher ist mit 30 Stimmen von 46 gewählt. Der Staatsanwalt erhielt trotz eifriger Agitation und trotz seiner glänzenden Kandidatenrede nur 10 Stimmen. Die Ultramontanen hielten stramme Disziplin. Diese Wahl wird im Lande viel Redens geben. - Daß Fetz gegen Berchtold unterlegen ist, wußten wir gestern schon. Fetz ist mir von den Studienjahren her bekannt. Er besitzt ein sehr umfangreiches Wissen. Seine Kandidatur war mir schon lange bekannt, und es wundert mich, daß uns Feurstein nicht schon in Bezau davon gesagt hat, was er doch hätte tun können. ­Thurnher ist zum Konzipisten bei der Statthalterei in Inns­bruck ernannt mit 800 Fl. Gehalt. Ich werde 900 Fl. haben. Du siehst, man behandelt uns nicht wegwerfend. Ich erhalte nun lebendigere Fühlung mit den Vorgängen im Landtag und in den Regierungskreisen.</p> <p>Das Nenzinger Kasinofest vom nächsten Sonntag wird zwei­felsohne bedeutend Aufsehen erregen. Die Gegensätze sind hier sehr schroff und werden immer schroffer. Wir neutrales Publikum im Städtle reden davon, eine Vereinigung ohne politische Färbung zur gegenseitigen Bildung und Unterhal­tung zu gründen.</p> <p>Zu Deinen Erfolgen in Deutschland gratuliere ich und freue mich derselben mit Dir. Baldiges Schreiben erwartend, mit Gruß und Handschlag Dein Freund</p> <p>K. Moosbrugger. Freundlichen Gruß an Isabella!</p> <p>&nbsp;</p> </div> </div> <div> </div> Kaspar Moosbrugger Bludenz Franz Michael Felder Mon, 11 Aug 2014 07:00:00 +0000 st 605 at http://felderbriefe.at KASPAR MOOSBRUGGER AN FRANZ MICHAEL FELDER http://felderbriefe.at/brief/kaspar-moosbrugger-franz-michael-felder-5 <div><span class="date-display-single">6. August 1868</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <div> <p>Lieber Freund!</p> <p>Sei freundlichst auf vaterländischem Boden und in der lieben Heimat wieder gegrüßt. Wenn ich mir aus meinen Sturm­und Drangperioden nach den Kreuz- und Querzügen in der großen weiten Welt das Daheim wieder vorstelle, komme ich zu der Annahme, daß Du jetzt in behaglichster Stimmung mit erhöhter Lebens- und Strebenslust in Deinem Schop­pernau der Süßigkeiten des Daseins Dich erfreust. Glück auf. -</p> <p>Ich konnte vom Amt nicht los werden, um Dir entgegenzu­kommen, ich mußte daher in der Alltäglichkeit fortwaten und den Hundstagen meinen Schwitztribut als ein Gefesselter dar­bringen. - Ich muß Dir anzeigen, daß ich beim Auspacken meiner Reisetasche bei der Rückkehr von Euch das Manuskript des Arbeiters in Friedrichshafen nicht mehr hatte. Wenn es nicht auf Krumbach oder Warth liegen geblieben ist, muß ich es für verloren ansehen. Ich überließ die Packsachen dem Weib, und sie weiß gar nichts von diesem Manuskript, das ich in Hopfreben doch in die Reisetasche getan habe. Sollte nun dasselbe nicht mehr zum Vorschein kommen, so werde und muß ich es dem Eigentümer bezahlen. Frage daher bei den Unsrigen an, und wenn sie nichts wissen, so sei so gut, dem guten Proletarier zu schreiben, er soll sich wegen Entschädigung an mich wenden, zu der ich erbötig bin. ­Wir haben jetzt auch im Amt die liebe Not wegen der das Land durchbrausenden Agitationen und können noch lange nichts Besseres erwarten. Die Festgäste von Wien kehren wieder zurück, und ich lache sie aus, daß sie sich so aufgeführt haben, daß man sie im großen Vaterlande nirgends mehr einlasse. Ich nehme nämlich an, daß die großen Städte ebenso vernünftig sein werden wie Leipzig. Mayer wird heuer nicht heim kommen. Hier kandidiert der Staatsanwalt für den Landtagssitz, wird aber wohl gegenüber dem Thurnher nicht durchdringen. Er suchte auch mich auf und ließ sich in eine interessante Diskussion ein. Ich erklärte mich für diesen Fall neutral. - Nun erzähle mir etwas von Deutschland und der wiedergefundenen Heimat. Mit Gruß und Handschlag Dein Freund</p> </div> <div> <p>K. Moosbrugger.</p> <p>Ende dieser Woche will Isabell Euch und die Ihrigen be­suchen. Sie sei bestens empfohlen. -</p> </div> </div> <div> </div> Kaspar Moosbrugger Bludenz Franz Michael Felder Wed, 06 Aug 2014 07:00:00 +0000 st 604 at http://felderbriefe.at VON JOHANN KASPAR OBERHAUSER AUS SCHOPPERNAU AN FRANZ MICHAEL FELDER IN LEIPZIG http://felderbriefe.at/brief/von-johann-kaspar-oberhauser-aus-schoppernau-franz-michael-felder-leipzig <div><span class="date-display-single">12. Juli 1868</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <div> <p>Lieber Freund!</p> <p>Deinen Brief vom 6ten d. hab ich gelesen, u. daraus ersehen, daß Du Dich in Leipzig sehr wohl befindest, was mich u. alle Unsrigen von Herzen freut. Wie es scheint bist Du im Geiste auch beim Heuen, aber das geht nicht so gut als Du Dir einbildest, es Regnet alle Nachmittage wenn man das Dürre aufnehmen sollte, da erwüscht es uns dann daß es eine Art hat. Du schreibst, Du müssest in Leipzig viel von den Bregenzerwäldern erzählen. Das scheint mir doch eine Ähnlichkeit mit jener Anektode von den 2 Wäldern im herrschaftlichen Stalle zu haben. Das von den Geistlichen in Au ein Katholisches Kasino gegründet wird, weist Du schon, doch könnte Dier etwas näheres intreßant sein, heute vor 14 Tagen wahr nähmlich die erste Zusammenkunft in der Krone in Au, ich u. Koarado Bub sind auch hinunter um zu sehen wie es da zugeht. Da wahren am „Ministertisch" die 3 Geistlichen von Au Dr. Dünzer u. der Vorsteher von Au als anregende u. leitende Personen gegen­wärtig. DerPfr. Birnbaumer hielteine lange Anrede andieziemlich zahlreiche Versammlung, in welcher er die Nützlichkeit, ja die Notwendigkeit, des zu gründenden Vereins klar u. überzeugend darstelle. Das Program ist gesellige u. bildende Unterhaltung, wissenschaftliche Vorträge gemeinschaftliche Zeitungen zu halten u. eine gemeinsame Bibliotek zu gründen, u. als letzten Endzwek ließ er deutlich heraus leuchten, daß die Kasinobrüder, unter der Fahne des Konservatismus auf dem Wahlfelde, gegen den Liebera­lismuß zu kämpfen haben. In dieser Rede sagte der Pfr. viel Zutreffendes von der Notwendigkeit der Volksbildung u.s.w. Aber die Lieberalen überhaupt nannte er Ante=Katholiken u. den Lieberalismus Ante=Christentum, da kann man sich denken was das für Folgen nach sich zieht, er hätte gründlich erklären sollen, wie er mit seinen Lieberalen verstanden sein wolte, dadurch hätte man die sogenannten Lieberalen in Au und Umgebung wenigstens in religiöser Beziehung nicht um das Vertrauen der Mitbürger gebracht. Doch das ist diesen Herren gleichgültig, sie müssen ja zuerst das Erdreich der Gemeinden auflockern um das Embrio der Zwiespalt hinein zu legen u. nachher, in dem sie zu helfen scheinen, blinde Kämpfer für ihre Parteiintreßen zu gewinnen. Es wurde dann ein profisorisches Comite aus 5 Mitgliedern, nähmlich Herr Pfr Birnbaumer, Herr Kurat Herzog, Herr Kaplan Sieber, Herr Dktr. Dünzer u. Herr Postmeister Gropper gewählt, das die Statuten zu entwerfen hat. Heute ist Statuten Beratung im nähmlichen Lokale. Nach dem dann die Statthaltereibewilligung eingeholt ist, erfolgt die Wahl zum definitifen Vorstande, u. ist der Verein ins Leben getretten. Merkwürdig ist, daß der Verein auf die Grundgesetze fußend, von der Päpstlichen Alocution verdammt u. die bürgerlichen Gesetze der Mitglieder nicht in die Bibliotek aufgenommen werden, noch besprochen werden dürfen, da nach dem schon ausgesprochenen Programme nichts vorkommen darf was gegen die Kirche oder von derselben nicht gebilliget ist. Die Alocution bringt eine große Verwirrung in die Leute. Herr Pfr. Rüscher setzte die Schoppernauer in Spannung, indem er am letzten Sonntage in der Kirche aus Bischof Rudegiers Hirtenbrief sagte, u. ihn wegen seiner Schärfe u. wahrhaft apostolischen Sprache lobte, er sprach die Hofnung aus, am heutigen Sonntage einen Hirtenbrief, über die neuen Gesetze, von unserem Bischof vorlesen zu können, wobei er dann, wenn etwas nicht recht verständlich sein sollte, Gelegenheit haben werde, es recht deut­lich zu Erklären, auf dieses hin erwartete man heute eine rechte Kraft Brühe; aber der, vergleichsweise, gemäßigte Thon, in wel­chem Gaßner Schrieb, legte eine Dämmung auf die polter Saiten u. so steht jetzt der bessere Theil wieder in normalem Zustand. Die Landeszeitung verhält sich sehr Regierungsfreundlich zu der Alocu­tion. Felders Verhandlung in Feldkirch wahr am 8 Juli, er wird Dir das Resultat selbst schreiben. In der Wahlangelegenheit ist noch nichts Öffentliches geschehen. Bär Mari hat am Freitag einen Engel gebohren, welcher heute in geweihte Erde Begraben worden ist. Deine Base Serafina ist gestern auch von Ihrem Leiden erlöst u. in die Wohnung der Seligen aufgenommen worden, deren Leichnam Morgen in der Ahnengruft beigesetzt wird. Sonst ist so viel ich weiß alles beim Alten, schaue nur Du die Herrlichkeiten u. Schönheiten des menschlichen Geistes recht an, damit Du uns wenn Du wieder kommst, recht viel zu erzählen weist u. bringe Reich u. Arm sauber Gedruckt mit nach Hause, damit wir uns an Deinem gelungenen Werke mit Dir erfreuen können. Es grüßen Dich meine Schwestern u. mein Bruder Josef freundlich, Johann Josef Sennet in der Alpe Oberen, und auch unsere Mutter läßt Dich grüßen und von Herzen Dein Freund:</p> </div> <p>Joh. Kaspar Oberhauser.</p> </div> <div> </div> Kaspar Moosbrugger Schoppernau Franz Michael Felder Sat, 12 Jul 2014 07:00:00 +0000 st 592 at http://felderbriefe.at