AN JOHANN JOSEF FELDER IN BORDEAUX
Mein theurer Freund!
Mein theurer Freund!
[...] Wie viel hätten wir uns zu sagen! Denn ich habe auch viele Erfahrungen gemacht; ich darf sagen, ich bin nicht mehr der ich war. Ich habe die ernsten Seiten des Lebens kennen gelernt. Ich hatte viel zu kämpfen mit mir selbst und dem Schicksal, doch ich habe Ruhe gefunden, nachdem ich mich ganz mit Herz und Seele an ein liebes Wesen anschmiegen durfte.
Mein theurer Freund!
[...] Als wir vor vier Jahren Abschied nahmen, Himmel, eher hätte ich ans Sterben gedacht, als daran, einmal einen so kalten Brief von dir zu erhalten. O, ich hätte dir so viel mitzuteilen, aber größter Gott, wenn ich an deinen Brief denke, kann ich nichts tun, als mich und dich beklagen ...
Theurer Freund!
[...] Meine Zeit vergeht mir zu schnell mit Bauernarbeit, Singen, Beten und Schindelmachen für den gesamten Adel in Schoppernau und auch für mich. [...]
Lieber Freund
[...] Wie traurig lebt sich's doch auf der Welt ohne ein Wesen, das Freud und Leid mit uns teilt; kein Glück der Menschen ist vollständig, wenn er nicht dem ihm vom Schöpfer und Erhalter des Alls ins Herz gelegten Drang, sich mitzuteilen, folgen kann und darf.