VON MARTIN ILG AUS WIEN

lfndenr: 
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15. März 1868

Euer Wohlgeboren!

Vor allem bitte um Vergebung daß ich es wage Ihre kostbare Zeit in Anspruch zu nehmen, wenn es auch nur die wenigen Minuten betrifft, diese Zeilen durchzulesen. Als s. Z. ich erfuhr: Nümma­müller u. schwarze Kasperle sei erschienen, bestellte mirs direct in Lindau. Nachdem ichs mit vielen Vergnügen gelesen, lieh ich das Werkchen den Professoren am hiesigen k: k: academi u. Schotten­gymnasium welche „sämtl." sich lobend darüber aussprachen. Dann ruhte daßselbe in m. Bücherschrank, wo ich bedeutende Menge bey 3000 andere Bände habe; auch über Vorarlberg u. Tyrol fast alles nur, was zu verschaffen ist. Ihre Sonderlinge - dann kl. Nov. in östr. Gartenlaube machten den Schluß. Vor ca 10 Tagen erschien im Wanderer an Stelle wo ansonsten Feuilleton - Platz angewiesen: Über Schoppernau - diesen Artikel gab ich Freund Rit. v. Bergman, wie überhaupt wir gegenseitig alles austauschen, wo was erscheint das - Landl - betreffend... Gestern schickte mir der Hr Landsmann ihm geliehene Feldk. u. Bregenzer Landeszeitung retour, mit inneliegendem Zettel u. dieser kl. winzige Gegenstand ist eigentlich mit Veranlassung m. Schrei­bens.

Da m. Sohn Albert die Ehre hat mit E. W. in Correspondenz zu stehen,  glaubte wohl  keinen  Fehlgriff zu thun,   persönlich  als Landsmann an E. W. ein Schreiben zu richten - Ich geborner Dornbirner war 1836-37 Lehrer im Schrekenü 1838-1839 Lehrer in Riezlern im Walserthal (-.eigentlich Schwende:) Ich begab mich dann aber nach Wien an das k. k. polit. Institut commerzielle Abtheilung u. bin nun seit 1844 thätig im kaufmännischen Leben. Außer Hr Bergmann besuchen mich die Landsleute Willam (:aus Bremen Au:) Rüscher aus Bützau früher Spaarkassa Beam. Eng. Keßler etc. etc.

Im Jahre 1861 am 2. August sah ich nach 20jährig Abwesenheit wieder m. unvergeßliches Landl. Meine l. Frau u. beyde Söhne hielten Mittag im Gasthaus zur Krone in Schoppernau - ließen Wagen, Koffer etc. dorten um beym herrlichsten Wetter über Hopf­reben nach Schreken zu gelangen!! welch herrliche Erinnerungen­von Dornbirn reisten wir Bad PfäffersZürich-Schafhausen Regens­burg Passau etc. in unser Wien. Nun will ich denn doch zum Schlüsse eilen; aber bleibt mir noch übrig zu erwähnen, daß ich auch mit vielem Interesse in der Leipzig erscheinenden Garten­laube las was Hr Dtor Hildebrand über E. W. Wirken geschrieben u. da in dem von E. W. an m. Sohn gut. gesandtem Briefe v. Woche die Grenzbothen Juniheft erwähnt wird pto. Geburtsjahr 1839 habe mir dieß gleich bestellt.

Noch erlaube mir zu erwähnen, daß falls ich E. W. hier am Platze mit was immer dienen könnte, ich Sie bitte zum Voraus überzeugt zu seyn, daß dieses herzlich gerne geschehe. Sollten E. W. einmal einige freye Zeit gewinnen, würde es mich recht freuen nur Paar Zeilen zu erhalten; meine Adresse ist ganz einfach mein Nahmen u. Wien - Straße No ist nicht nothwendig.

Hochachtungsvoll empfielt sich Martin llg

gewesenes Lehrerle von Schreken u. Schwende