VON KARL PRÖLL AUS GRAZ Gartenlaube für Österreich

lfndenr: 
388
Fehlt
11. Juli 1867

Hochgeehrter Herr!

Der rühmlichst bekannte Herr Verfasser der „Sonderlinge" wird hoffentlich keine Sonderbarkeit darin finden, dass wir ihm den Ausdruck unserer tiefsten Sympathie aussprechen als dem neuesten Opfer einer verblendeten Verfolgungswut. Hoffentlich wird dieser traurige Akt nur dazu beitragen, Ihren jungen Ruhm noch mehr emporzuheben, Ihre so bedeutende Kraft zu stählen.

Längst schon im Begriffe, mit Ihnen anzuknüpfen (wir schrie­ben in dieser Richtung an Herrn Dr. Ad. Pichler) gab uns die­ser seltene Vorfall endlich Gelegenheit, Ihren Aufenthalts-Ort zu erfahren. Wir beeilen uns, Ihnen eine Probe Nr unseres mit veränderter Tendenz erscheinenden Blattes zu übersenden u. Sie hiebei zu bitten, wenn Ihnen dieselbe entspricht, uns gütig Ihre Mitwirkung zu sichern; zu sichern einem vaterlän­dischen, vom ernstesten Streben u. echtesten Freiheitssinne begleiteten Unternehmen, zu sichern dieselbe Ihren Sie hochachtenden Freunden u. geistig Verbündeten. Bedingungen bitten wir uns mit Rücksicht auf unser noch jun­ges, mit vielen Schwierigkeiten kämpfendes Unternehmen, nicht zu schwierig zu machen.

Wollten Sie uns Skizzen aus Ihrer Heimat, oder einen offenen Bericht über die letzten persönlichen Vorgänge, die mit Ihrer Vertreibung in Beziehung standen, einsenden u. uns hiedurch Waffen gegen die unverbesserlichen Verketzerer u. Verfolger jeder freieren Richtung liefern, so würden wir Ihnen zum höchsten Danke verpflichtet sein. Für die Redaktion

Karl Pröll