VON JOSEF FEUERSTEIN AUS BEZAU

lfndenr: 
474
1. Februar 1868

Lieber Freund!

Gestern war hier Musikantenball u. ich habe etwas später Polizei­stunde gemacht. Ich hatte Gelegenheit in größerer Gesellschaft, bei welcher auch Bezirksvorsteher Müller anwesend war die Schop­pernauer Wahl in Anregung zu bringen. Die Ansichten waren getheilt, die des Herrn Bezirkvorsteher Müller gründet sich auf § 6. und wenn derselbe bei euch die Wahl leitet, so wird auch nach demselben den Alpmeistern gestattet werden, /u. zwar ohne Voll­macht:/ die betreffende Stimme für die Alpe abzugeben. Dieser Ansicht des H. Bez. wurde aber die Behauptung entgegen gestellt, daß die Alpmeister nicht berufen seien, dieselbe nach Außen zu vertretten, sondern nur im Innern zur Verwaltung der betreffenden Angelegenheiten aufgestellt seien, eine solche gesetzliche oder geselschaftliche Bestimmung wie § 7. sie ausdrücklich verlange liege nicht vor, u. bestehe auch in Wirklichkeit nicht, denn sonst könnten die Alpmeister gültige Verträge abschließen was aber nicht derFall sei. Ob eine gemeine Alpe unter dem Nammen Korporation verstanden sei, wurde auch bezweifelt.

Uebrigens, wenn ich bei der Wahl-Comission wäre, würde ich dafür stimmen, daß die Alpmeister ohne Vollmacht abgewiesen würden, dann steht ihnen gegen die Wahl wieder der Rekurs offen. Ich muß noch bemerken, daß Bez. V. sich geäußert, wenn die Interessenten wollen, können sie auch einen Ändern bevollmächti­gen, als den Alpmeister, was jedenfalls zu einer Demonstration benützt werden könnte. Uebrigens erscheint mir diese Ansicht des H. Bez. inkonsequent. Die Leitung der Wahl hätte ich unter keinen Umständen abgegeben, nur allenfalls gesetzlichen Schutz in Anspruch nehmen. Uebrigens laß dir durch diese Spielereien die Faßnacht nicht verderben; wenn nicht die Verletzung des Uhren­machers wäre, so wäre das Ganze nur eine Angelegenheit die das Monotone des Dorflebens etwas färbt u. Licht u. Schatten wirft. Was machst du denn jetzt u. was war der Grund, daß du gar nichts mehr von dir hören ließest. Es grüßt dich

Dein Freund Josef Feuerstein