VON JOSEF FEUERSTEIN AUS BEZAU

lfndenr: 
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7. August 1866

Lieber Freund!

So eben habe ich in der Alg. Zeitung den Artikel die Roch­thaler Pionir gelesen u. ist in Folge dessen u. Deine[r] mir mithgetheilten Ansichten, dem Genossenschaftswesen meine Aufmerksammkeit zugewannt worden und wird in Folge des­sen in mir der Wunsch rege durch dasselbe betreffende Schrif­ten mit den innern Grundsätzen der Verwaltung u. sonstiger Prinzipen näher bekannt zu werden. Ich möchte Dich daher ersuchen, mir sich mit diesem Gegenstand beschäftigende Schriften mitzutheilen.

Bevor ich über das Ganze ein richtiges Uhrtheil zu fällen im Stande bin, scheint mir, Du habest die Sache gerade an der

schwirigsten Stelle angegriffen; denn der Käsehandel ist theils wegen des Kredits den man den auswärtigen Handlungshäu­sern gewähren muß, möglichen Verlusten sehr ausgesetzt, u. wenn dieß sich ereignen würde so erlitte die ganze Verbin­dung einen argen Stoß u. würde möglicher Weise auch die Auflösung derselben herbei führen.

Wäre des nicht besser gethan, wenn man nach dem Beispiele der Pionire zuerst im kleinen u. sicher vorgehen würde. Wenn man Consum Vereine gründen würde aber vorerst ganz im kleinen d. h. nur mit ein par Gegenständen z.B. Salz, Kaffee, Gerste. Welch eine Menge Salz bedarf der Bregenzerwald, u. wie werden die Bauern übervortheilt, oft bei einem einzigen Sake um zwei Gulden! beim Kaffee ist es das Gleiche auf das Pfund 4 bis 5 Kreuzer also 10 bis 12 Prozent u. hiezu der oft­malige Umsatz in 1 Jahre.

Ein Verlust nach irgend einer Seite ist eine Unmöglichkeit, u. so schiene mir es ließe sich in dieser Beziehung viel leichter u. sicherer vorgehen; der Consum Verein wäre für das Volk eine Schule genoßenschaftlichen Strebens und man könnte so nach u. nach auf schwirigere Unternehmungen wie der Käse­handlung übergehen.

Dieß ist so meine unmaßgebliche Ansicht u. ich bitte Dich mir nun auch die Deinige mitzutheilen. Die Briefe vom Christian Moosbrugger lege ich bei ohne daß ich Zeit habe sie durch­zusehen. Mit freundschaftlichem Gruß

Josef Feuerstein