VON ANNA KATHARINA FELDER AUS SCHOPPERNAU AN FRANZ MICHAEL FELDER IN BLUDENZ

lfndenr: 
343
20. Mai 1867

Liebes Mindle!

Mit Sehnsucht erwartete ich ein Lebenszeichen von Dir, mit welcher Freude ich daher das liebe Briefchen las, kannst Du Dir denken, wenn ich Dir sage, daß sie weit über den Emp­fang eines Hildebrandischen ging. Was Hildebrand von Dir, oder für Dich wollte, gleich nach Leipzig zu gehen hätte mich in soweit gefreut, als es für Dich gut gewesen wäre, übrigens fühle ich die Lücke sehr, die durch Deine Abwesenheit in der Familie entstanden ist, u. ich bedaure die Weiber, die ihre Männer in die Fremde laßen müssen, und freue mich wieder Deines kommens, was wie ich sehe sobald noch nicht gesche­hen wird, u. ich daher noch länger genöthiget bin, jedem Laf­fen zu sagen, daß Du nicht da, noch nicht kommen werdest, ich aber wieder da u. mir gut gefallen habe. Der Vorsteher u. Oberhausers Kaspar kamen ins Haus etwas besorgt wie mir schien nach Deinem Ausbleiben zu fragen. Durch die daraus entstandenen Muthmaßungen auch villeicht einiger Äuserun­gen wegen Deinerseits, „in den Tagen des Schreckens" ent­stand das Gerücht, daß wir uns um eine neue Heimath umge­sehen haben, fortziehen, u. hier alles verkaufen wollen, die Mutter aber in Marikathrino Stüble bleibe. Der Metzger von Halden, der uns heute den [Bais-Heß] tödtete, wollte es in Au Niederau u. überall gehört haben, u. fand es sehr unprak­tisch für uns, so auch Oberhausers Bäbele, das ich gestern auf dem Gange in die Mühle, um eine Sendung, traf, wir hättens nicht schlechter als andere, geredet werde über Jedermann, nicht Jedermann aber ziehe fort, zwar schade wärs für Schop­pernau, der Herr Pfarrer habe den Betschwestern das Hand­werk gelegt, er wolle selbst gebieten u. verbieten, wo ers für nöthig halte, u. somit werde sich alles wieder läutern u. ins alte gute Geleiß kommen.

Die Erklärung in der Feldkircherin habe ich freudig u. auf­merksam gelesen, u. gefunden, daß er sehr keck u. herausfor­dernd geschrieben ist. Man wird im schwarzen Lager anschla­gen u. loßdrücken gegen die Infamen, die es wagen an ihrem Wissen, an ihrer guten Absicht zu zweifeln, und gar noch das unerhörte, Satisfakzion fordern. Bis jetzt hab ich noch nichts gehört, wies den Herren anschlägt. Die Photografien bin ich sehr begierig zu sehen, Du bist doch sehr gut, daß Du sie gleich schickst, natürlich damit auch wieder Nachricht von Dir. Du bist mir sehr viel im Sinn, ich kann sagen, mein Abend u. Morgengebet, ich sehe Dich immer still in Dich gekehrt, nachdenkend, unruhig, doch Du hast Gesellschaft Zerstreu­ung, wenn Du willst, mehr als zu Hause, u. deßwegen will ich ruhig warten, bis du für gut findest wieder zu kommen, mir ist nur recht was Dir recht ist. Mutter wünschte wegen der Erb­schafts-vertheilung die nächstens vor sich gehen sollte, daß Du hier wärest damit der Vorsteher nicht nothwendig würde, doch diese Woche wird noch gewartet.

Beiliegende Zettel von Feuerstein u. Strobel glaubte ich Dir schicken zu müssen. Vorigen Sonntag wurde mir ein Zettel­chen überbracht, von einem Auer der in der Schweiz arbeitet, der darin die Sonderlinge von Dir so billig als möglich, zuge­schickt wünscht, mit dem Bemerken, daß, wenn sie gefallen mehr nachgeschickt werden müßten. Ich übersandte ihm den Titel u. Preis des Buchs, die Adresse Stettners auf einem Zet­tel, weil ich nichts besseres zu thun wußte, weil ich es nicht direkt schicken konnte, wie es kürzlich ein Torist, der mir begegnete es auch von mir kaufen wollte. Sonst nichts Neues, als Frieden od. eigentlich keinen Krieg, bei uns Geldverlegenheit, doch das ist etwas altes. Koarado Buob hat aber Geld, u. somit bekommen wir auch. Lislars Jodok ist im Himmel u. wirklich jetzt läutets Aloisilosans die Scheidung. Mit 100010 Grüßen

Dein Wible.

Wir hätten nun Leber u. Lunge u. Saufleisch, u. Du nicht hier, was man nicht alles versäumen kann.

Das Feld ist bestellt, u. in 14 Tagen, oder noch früher wird man nach Hopfreben ziehen.