AN RUDOLF HILDEBRAND

lfndenr: 
463
21. Januar 1868

Lieber Freund!

Ich vergaß das letzte mal Dir zu schreiben, daß mir, oder eigentlich Herrn Quellmalz nur Nr 33 des Ausland Jahrg. 1866 fehlt. Meine Bestellung hab ich widerrufen, fürchte aber daß es nur wenig helfen werde. Sonst alles ziemlich beim Alten. Rüscher nennt den Uhrenmacher u das Dökterle ziemlich deutsch Betrüger, die „Krankheit" des erstem Verstellung. Das Dökterle hat gerichtliche Hülfe gegen Rüschers Verleum­dungen gesucht. Es findet die Verletzung bedenklich und verlangte zur Ehrenrettung gegen Rüscher eine amtliche Commission, bisher vergeblich.

Für den Wahltag fürchte ich weniger weil sich alles zu fürch­ten scheint; man wird sehr ängstlich und vorsichtig sein. Übrigens  erfahre   ich   eben,   daß   Rüscher  höchstselbst  die Stimmzettel für den Sonntag austheilt! - ! Ich habe die jüngsten Erlebnisse in gedrängter Kürze zusam­mengestellt  und  der geharnischte Artikel  geht mit diesem Brief an die Redaction der österr Gartenlaube ab. Ich sehe nicht ein, was ich noch verderben könnte; am Mon­tag schreib ich nicht, wenn nichts besonderes vorgefallen ist. Lebt wol ihr da drunten. Mit Gruß u Handschlag

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