AN RUDOLF HILDEBRAND

lfndenr: 
304
10. März 1867

Lieber Freund

Ich kann heute so wenig zur Ruhe kommen als das Herr­mindle welchem - wie das Wible entschuldigend sagt - wie­der ein Paar Zähne kommen sollen. Es ist wirklich eigen wie der Mensch unruhig und aufgeregt wird wenn er - etwas Neues bekommt. Dann will er seine Lieben um sich haben wie jetzt mein kleines Kind seine Mutter. Ich erfuhr das im­mer, wenn ich einen Brief von Ihnen erhielt. Nur hab ich immer bedauert, nicht auch Ihnen einmal eine Freude machen zu können. Nun endlich, liebster Freund, endlich ist dieser Wunsch erfüllt, denn ich denke Sie und fühle Sie mir so nahe, so - eigen möchte das Wälderbäuerlein gern sagen, daß ich weiß: Meine Mittheilung wird auch Ihnen Freude machen.

Heut hab ich einen Brief von Ernst Keil erhalten. Er schreibt: Vor einigen Tagen hab er durch einen glücklichen Zufall meinen Nahmen erfahren und daß ich ein Freund der Garten­laube sei. Er ersucht mich dann um Beiträge die er mit 100 fl a Bogen zu honoriren verspricht und bittet um baldige zu­stimmende Antwort.

Auch das, lieber Freund, ist ein Wellenschlag von Ihrem Wurf! Nun denke ich zu antworten daß sich ein Aufsatz in Ihren Händen befinde, der vielleicht geeignet sein könnte, denn Sie werden nun „zum Angriff" meine Briefe bei Gosche nicht mehr nötig haben. Für die Zukunft verspreche ich mehr, denn immer noch sind bei den größeren Arbeiten auch so Bröcklein abgefallen, aus denen [sich] vielleicht etwas Ordent­liches geschnitzt werden könnte.

Seit meiner etwas lebensgefährlichen Heimreise von Bludenz sitze ich unermüdet im Zimmer bei Feder und Buch, lasse all die politischen und socialen Fragen beantworten wer will und kann, denn ich hab jetzt mit den Helden meines jetzigen Werkes zu thun, die ich schon etwas genauer kennen lerne. Mein kleines Zimmer und meine Arbeit in diesem werden mir immer lieber. Zwar hab ich meine „Schreiberei" nie als „Handwerk" betrachtet, doch wenn sie auch für mich wenig­stens einen silbernen Boden haben wird, so werde ich doch mit Freuden die meinen etwas schwachen Körper allzusehr anstrengenden s g Würgerarbeiten, Holzziehen udgl einen Tagwerker verrichten lassen da solche hier für 7 Ngr. leicht zu bekommen sind. Ich selbst habe früher für diesen Lohn allerlei gethan nur um die Klassiker und die Gartenlaube zu verdienen. Der aus der Allgemeinen auch in unsere Blätter gekommene Artikel hat mir manchen zugeführt der dem s g Erfolg nachgeht, aber es ist darüber auch, großes Wehklagen entstanden in Israel. Jetzt soll ich gar der Verfasser der „ver­dammten deutschkatholischen Klarstellung" sein, der Pfarrer von hier hat schon Predigten gegen mich und die erfreulich gedeihende Bücherleihanstalt gehalten, doch er klagte letzt­hin es sei nichts mehr zu machen denn die ganze Gemeinde halte jetzt zusammen und zu mir, früher wäre das ganz an­ders gewesen.

Doch genug hievon für heute.

Sie haben mir eine schöne Zukunft eröffnet. Ich werde Ihnen ewig dankbar sein und werde werth zu sein suchen der Hand, die mich hält und führt, während andere mir Gruben graben, mich zu schreken oder zu verloken suchen und mir nur dar­um nicht schaden, weil Sie mich halten und führen. Ich hoffe, daß Sie den Kreis in dem ich lebe, gut genug kennen, um das nicht etwa für eine Schmeichelei zu halten. In den Kämp­fen und Nöthen dieses Jahrs war ich wol versunken, wenn nicht Sie mir festen Boden verschafft hätten. Ich danke dem Himmel daß er mich zu Ihnen führte. Von meinem neuen Werke hoffe ich Ihnen im Sommer schon einiges vorlegen zu können. O wir alle freuen uns recht von Herzen auf die Wochen, die Sie hier verleben werden. Könnten Sie nicht auch etwa Eins der Ihrigen mitbringen, Vielleicht Ihre Tochter? Ich bitte, mir sie und alle recht herzlich zu grüßen. Bei Keil werde ich Sie melden, Sie können ihm dann meinen Aufsatz zustellen wie und wann Sie es für gut halten. Mit tausend herzlichen Grüßen

Ihr ewig dankbarer F M Felder