KASPAR MOOSBRUGGER AN FRANZ MICHAEL FELDER

lfndenr: 
470
29. Januar 1868

Lieber Freund!

Den Aufsatz an die Gartenlaube habe ich durchgesehen. Wo die Rede davon ist, daß einige Geistliche die Gewalt über ihre Gläubigen verloren haben, habe ich vor „Gewalt" das Beiwort „volle" gesetzt, wonach nun der Satz die Auslegung zuläßt, daß diesen Geistlichen doch noch einige Gewalt geblieben ist. Wo Du am Ende von zwei „religiösen Parteien" redest, habe ich das Beiwort „religiöse" gestrichen. Ich habe dabei gedacht, Du wollest dem Berchtold doch gar so auf­fallend nicht recht lassen. Unter Deiner Unterschrift im Brief an Pröll habe ich folgendes beigesetzt:

Verehrte Redaktion!

Ich habe den beiliegenden Aufsatz meines Schwagers, der mir selben zur Durchsicht geschickt hat, gelesen, bin voll­kommen mit demselben einverstanden und möchte wie Fel­der, daß er baldigst gedruckt und veröffentlicht werde. Die geehrte Redaktion übt in Wahrheit Humanität, wenn sie sich eifrig der Sache annimmt. Die erzählten Tatsachen können vollkommen erwiesen werden und ich stehe mit Felder für die Wahrheit derselben ein.

Hochachtungsvollst K.M.

Mit dem habe ich Aufsatz und Brief, ohne an ersterem anderes als das Bemerkte geändert zu haben, an die Redak­tion am Montag noch abgeschickt. -

Diese Deine Arbeit ist ein Kind einer glücklichen Stimmung, verrät Kraft und Mut, möge beides Dir dauernd beschieden bleiben. -

Auf den vorigen Brief habe ich eingehend geantwortet und ich fürchte nun nicht mehr, daß Du die Antwort nicht ruhig verdauen könntest. Literaten kämpfen mit ihren Waffen, Juristen mit den ihrigen, jeder mit den seinigen. Hier ist schon ein respektabler Klub von Lassalleanern, von denen Du nächstens in unsern Blättern rumoren hören wirst. Ich sehe es gerne, daß das Volksblatt auf die Lassallesche Richtung eingeht, und ich habe mein Scherflein zu dieser Wendung beigetragen. Meine „Mahnworte", die Du lesen wirst, schickte ich auch ans Volksblatt, teils weil es das verbreitetste Landes­blatt ist, teils um eine Fühlung zu erlangen. Aus dem an­liegenden Brief ersiehst Du das Echo und wie ich's aufnahm. Fürchte nicht, daß ich ein Ultramontaner werde, diese müssen vielmehr Lassalleaner werden. Meine Spekulation ging von Anfang an dahin. Ihr Sturz im Staat weist sie an die Massen, diese aber lassen sich nur durch handgreiflichen Erfolg be­wegen. Lassalles System fußt auf dieser Einsicht. Die Ultramontanen werden sie auch bekommen, und dann kann und wird den Massen geholfen werden. Wie geht's dem Pius? Schick mir die Anlage zurück und schreibe bald. Mit Gruß und Handschlag

K. Moosbrugger

[Am Schluß vorstehenden Briefes vom 29. 1. 68 befindet sich folgender nachträglicher Vermerk von K. Moosbrugger ange­bracht:]

Bevor dieser und der vorgängige Brief an die Adressen kamen, war Felder bei mir. Die Wahl hätte sollen vor sich gehen. Die Rüscherianer verlangten Zulaß gesetzwidriger Vollmachten, tumultuierten über deren Zurückweisung durch die Wahlkommission und warfen Feuer in die Wahlurne. Gleich nach vereitelter Wahl eilte Felder zu mir um Rat. Ich riet ihm, gleich nach Feldkirch zu gehen und beim Staats­anwalt zur Anzeige sich zu melden. Das Weitere melden die folgenden Briefe.