KASPAR MOOSBRUGGER AN FRANZ MICHAEL FELDER

lfndenr: 
468
26. Januar 1868

Lieber Freund!

Auf Deinen gestern nachts erhaltenen Brief noch mit heutiger Post folgendes: Wie ich die Sache auffaßte und im letzten Brief mitteilte, war eben Deine Ruhelust mitten im Kampf, ja als der Kampf recht angehen sollte, d. h. Ende Juni und anfangs Juli d. Js. der Grund, daß wir sofort in die ungünstige Position im Land gerieten, die Dir nun lästig ist. Du warst eben, als es galt, zu ruhelustig, das war der Fehler. Nicht daß Du im Frühling fort bist, tadle ich, aber daß Du mitten im Kampf ruhesüchtig Dich zeigtest und so uns zur Untätigkeit verurteiltest, das ist's, um was sich mein Brief dreht und worüber ich in Deinen langen Auseinandersetzungen kein Wort finde. Wenn Du den Brief auch gelesen hast, hast Du ihn, wahrscheinlich, weil Deine Ruhe noch keine eisige ist, dem Inhalt nach nicht ruhig zerlegt. Du irrst, wenn Du meinst, ich betrachte die Niederauer Geschichte isoliert, ich sehe sie und anderes vielmehr als Folge des Übermuts unserer Gegner an, der sich infolge unserer traurigen Haltung im Kampfe auf ganz natürliche Weise bilden konnte. Was ist's, wenn man Dir sagt, Du stehest als Lügner im Protokoll zu Bezau? - Denke ruhig nach. -

Die Mosaik schickst Du mir einfach zurück. - Wenn wir zusammen kämpfen sollten, müssen wir ein gleiches Pro­gramm haben und fest zusammenstehen zum Schutz und Trutz. Wie reimt sich die Rücksendung meines Programms, ohne es eines Wortes zu würdigen, mit dem allem Anschein nach noch bestehenden Wunsch, mich an Deiner Seite zu haben? Oder hast Du es bei abhanden gekommenem Ruhe­stand mir konfusionsweise retourniert? Jedenfalls bedenk­lich.-

Übrigens sehe ich nicht ein, wie Ihr unsrer Hilfe im jetzigen Stadium der Sache nötig seid. Wendet Euch unverhohlen und entschieden ans Gericht in Bezau. Dort wird Euch jetzt gewiß geholfen werden. Ihr werdet nur dann ohne gesetzlichen Schutz sein und bleiben, wenn Ihr das Amt ignoriert. Zuerst suche man die nächste Hilfe, dann die weitere. Sollte wider alles Vermuten das Amt seine Schuldigkeit wieder nicht tun, kann man ja durch die Öffentlichkeit einen Druck üben, wozu ich unter allen Umständen bereit bleibe, wenn Du nicht wieder Ruhe gebieten solltest. Überhaupt soll es an mir nicht fehlen, wenn ich Euch wo immer verhilflich sein kann. Was Du vom Kämpfen für die heilige Sache des Volkes und nicht für die Führerschaft sagst und davon, daß man den vierten Stand nicht in die Hand der Ultramontanen spielen soll, verstehe ich in der von Dir gewählten Form nicht. Die Gründe, aus welchen man die Wahl zum Vorsteher ablehnen kann, sind im § 19 der Gem.Ord. angeführt. Mit 100 Fl. kann man sich auch frei machen.

Wie geht es dem Bruder Pius? Dem Berchtold habe ich ver­sprochen, nicht indiskret zu sein. Du wirst nicht Anlaß geben, daß er mich tadeln könnte. -

Also klage gegen Rüscher, auch der Vorsteher sollte klagen. Machet Euch die Gesetze zunutze, lasset das leere Lamen­tieren, packet die Gegner und führet sie hin vor die Gerichts­schranken, damit ihnen ihr Lohn werde und jedem, was ihm gebührt. -

Mit Gruß und Handschlag Dein Freund

K. Moosbrugger