KASPAR MOOSBRUGGER AN FRANZ MICHAEL FELDER

lfndenr: 
287
30. Januar 1867

Lieber Freund!

Auf Dein vorletztes Schreiben hin habe ich gleich nach Bezau einen Brief abgehen lassen, welcher, da poste restante darauf steht, dort liegen wird. Da Du zu meinem großen Bedauern unpäßlich geworden bist, habe ich dem Feurstein gestern ge­schrieben, er soll, falls er die Klarstellung noch bei sich hat, jenen Brief abholen und das Manuskript nach der im Brief angegebenen Richtung richtigstellen und die Drucklegung sofort besorgen, d. h. befördern. Falls er das Manuskript nicht mehr hat, soll er den Brief an Dich abgängig machen. In diesem Fall ersuche ich Dich zu beurteilen, ob die Druck­legung ohne weiters und ohne Rücksicht auf die von mir beantragten Änderungen vor sich gehen soll. Meine Meinung ist, die allfallsigen Änderungen seien zu wenig wesentlich, als daß die Drucklegung noch mehr verzögert wird, als sie es bereits ist. Die Broschüre sollte jedenfalls längstens bis 9. in den Händen der Adressaten /: Pfarrer, Zeitungsredaktionen und Landtagsabgeordneten :/ sein. Ich glaube, es vollzieht sich bis dahin schon derart viel, daß man es merkt, daß die Broschüre nicht neuesten Datums ist. Sollte sich die Druckung noch mehr verziehen, müßte unbedingt eine Nachschrift bei­gesetzt werden, denn schon haben wir Nachricht von dem Ausbruch der Ministerkrisis und Kaisersfeld soll ernannt werden.

Es ist mir fast als ob man fluchen sollte, daß unsere Sachen so schneckenartig vor sich gehen. Wenn man geht, soll man recht gehen, nicht so natur- und sachwidrig. Das Gesetz wegen der geheimen Abstimmung ist sanktioniert. Gestern war hier Wählerversammlung, und man sagte mir hiebei, wenn ich kandidiere, komme ich in den Landtag. Ich lehnte aber ab. Dr. Bickel kommt wieder und ist ein guter Bahn­brecher für uns. Ich würde im Landtag zu entschieden auf­treten und daher in unfruchtbare Opposition kommen, was unserer Sache vielleicht nicht förderlich wäre. Ich sehe, daß auf dem von uns betretenen Weg unsere Ideen still, aber nachdrucksam und auf wenig gefährliche Weise ins Volk kommen.

Ich wünsche Dir baldigste Besserung und mir je ehere Nach­richt über das endliche Erscheinen unserer Schriften. Mit Gruß und Handschlag Dein Freund

K. Moosbrugger