AN KASPAR MOOSBRUGGER IN BLUDENZ [ENTWURF]

lfndenr: 
527
27. April 1868

Lieber Freund!

Von meinem Übergang so ziemlich wieder hergestellt, war ich immer mit meinem Roman beschäftigt. Ich lebte mich ganz in ihn hinein und aus unsern elenden Dorfhändel heraus drum sag ich Dir von den Letzteren nur, daß Rüscher es immer buntertrieb, biserdie Achtung auch seiner Berufsgenossen verlor. Mit solchem Gegner nun mag ich nichts mehr haben und überlasse ihn der strafenden Gerechtigkeit. Er ist im Anklagezustand, und ich wurde bereits, ohne geklagt zu haben, zu einer Einvernehmung über die jüngsten Thatsachen vom Staatsanwalt vorgeladen. Bei dieser Gelegenheit sah ich in Bezau ein Bischen vom Frühling, der hier noch immer nicht kommen will.

Mein Roman ist eben fertig geworden. Ich freue mich der Arbeit, in der ich manches vermied, was mir später an den Sonderlingen mißfiel. Ich will das nicht lobend erwähnen, weil ich glaube, daß es auch von Dir gefunden werde. Daß Die Helden keine Grübler mehr sind hast Du schon gesehen und wol auch daß das Ganze nirgends von des Gedankens Blässe angekränkelt erscheint. Du hast ja den ersten, jetzt etwas veränderten Theil gelesen, aus dem der zweite mit dem tragischen Schlüsse ganz natürlich heraus wächst.