AN JOSEF FEUERSTEIN IN BEZAU

lfndenr: 
484
12. Februar 1868

Lieber Freund!

Ich benütze die Gelegenheit, durch meinen Knecht Sprenger einige Zeilen an dich gelangen zu lassen. Die Wahlschlacht ist geschlagen und wir können mit dem Erfolge zufrieden sein indem wir 8 von den unsern in den Ausschuß brachten und unsere vier übrigen keine besonders gefährlichen Gegner sind. Müller wünscht die Vorsteherwahl möglichst schnell und rieth uns heute brieflich dem Frieden zu liebe wenigstens einen Gemeinderath aus der Gegenpartei zu wählen. Merkst du was? Wir sind entschlossen. Wozu kannst du dir denken. Schön ist das brüderliche Zusammenleben und Wirken wie es sich hier jetzt innerhalb der Parteien zu entwickeln beginnt. Davon habt ihr da draußen in euerer Gemüthlichkeit des Friedens wol kaum einen Begriff. Ich möchte nur wissen, welche Eindrücke Müller von hier mitnahm. Ich denke es muß ihm etwas peinlich gewesen sein. Wir blieben auf unserer Auslegung des Gesetzes und kümmerten uns nicht um Müller, die Gegner schienen ein gewaltsames Eingreifen zu erwarten und so hat es denn der gute Mann bei beiden Parteien verdorben. Morgen geh ich nach 14tägiger Un[ter]brechung wie­der an meinen socialen Roman. Ist dir die Haltung des Volksblattes nicht aufgefallen? Was sagst du zum Artikel in der n fr Presse? Und was sonst?

Der Artikel, von dem ich dir sagte soll im Wanderer bereits erschienen sein. Sei so gut und frage auf der Post zuweilen nach und wenn du etwas in die Hände bekommst so behalte es bis du es mir beim Bothen versiegelt zuschicken kannst, denn ich habe Ursache, weder dem Postamt in Bezau noch dem Bothen in Au recht zu trauen.

Lebe wol auf baldiges Wiedersehen in Au. Mit Brudergruß u. Handschlag

Dein Freund F. M Felder