AN JOHANN JOSEF FELDER IN ARCACHON

lfndenr: 
243
26. Oktober 1866

Geliebter Freund!

Ich habe Dir heute zwei Briefe zu beantworten, da ich dieselben bereits zusamen erhielt; Die im ersten ausgesprochene Anschicht, vom Hause keinen Kreuzer zu bekommen, ist durch meine Mittheilung schon wiederlegt. Schon heute würde ich Dir die gewünschte und zu Deiner Befreiung nöthige Summe übersen­den, aber bei allem Bemühen gelingt es mir nicht jetzt, vor Kathrinentag (25 November) so viel Silber aufzutreiben. Bank­noten wären schon zu bekommen doch mit solchen wirst Du nichts machen können?? Ich selbst erwarte zwar nächstens von der Redaktion der Gartenlaube sowol als von meinem Verleger in Leipzig Sümmchen zu erhalten mit welchen ich Dir helfen könn­te, doch haben die Ereignisse des vergangenen Sommers derlei Rechnungen sehr unsicher gemacht und wie leid es mir auch thut, ich muß gestehen daß ich keine Hoffnung habe, Dir das Geld früher als in 4 Wochen schicken zu können. Doch am Ende ist damit gar so viel nicht verloren! Du hast gerade noch Zeit, Deine Verhältnisse zu ordnen und Dich zur Heimreise vorzube­reiten.

Und was dann? Wir können uns zwar»noch über diese Fragen Besprechen wenn Du da bist, doch auch jetzt dürfte es schon an der Zeit sein Dich auf Einiges aufmerksam zu machen. Das Anwesen, das nun bereits schuldenfrei Dir und der Schwester gehört, hat 3 Kuhwinterungen Gut Feld, Waldungen, Sommer­weiden u d g I. Nun wirst Du nicht Lust haben, zur Mistgabel zu greifen, doch das müßtest Du nicht, wenn Du auch da bliebest. Den Stall könnten Schwester und Magd besorgen, und zur Feldarbeit hat auch der Vater Tagwerker anstellen müssen und ist doch nicht zurükgekommen. Wärs Dir nicht erwünscht, bei Deinen Lieben und Getreuen, in sichern geordneten Verhältnis­sen bei Deiner Schwester im eigenen Haus zu leben und mit mir Dich an den Errungenschaften deutscher Cultur zu erfreuen. Das Leben ist nicht so leer hier, wie wir Bürschlein in unserer Abge­schlossenheit dachten. Kenntest Du die Geschichte meines Lebens in den letzten 10 Jahren so würdest Du wie mich auch meine Heimath ganz anders ansehen, als wen Du Dich nun an frühere trübe Erfahrungen erinnerst und diese zum Maaßstab Deines Urtheils machst, Hier, in meinem Arbeitszimmer werde ich Dir bald meinen Lebenslauf seit Deiner Abwesenheit erzählen wenn Du ihn nicht schon in der norddeutschen Zeitung gedrukt gelesen hast. Darum für heute nichts mehr von mir, doch noch einige Wort von den Meinigen.

Mein Wible sorgt für unsere 4 Kinder, hilft arbeiten und theilt Meine Freude über meine Erfolge. Wir lesen zusamen die Meisterwerke deutscher Dichter und Denker die anerkannt über den Franzosen stehen und wir freuen uns Dich bald als den Dritten im Bunde hier zu sehen. Du wirst nicht alein bei uns sein, den viele Freunde und Gleichstrebende hab ich hier und ander­wärts in den verschiedensten Schichten der Gesellschaft von den Gelehrten und Poeten in Leipzig, Halle, Koburg u a bis zum Bauersmann von hier gewonnen. Meine Mutter nun 67 Jahre alt ist noch immer gesund und hilft uns durch Rath und That in guten und bösen Tagen. Sie und ihre Schwester freuen sich auf Dein Kommen und lassen Dich recht herzlich grüssen. Das Du kom­men wirst, sobald ich so glücklich bin, die gewünschte Sume auf­zutreiben, ist nun wol keine Frage mehr. Es muß hier alles geord­net werden und alles ist von Deinen Entschlüssen abhängig. Fort köntest Du immer wieder, wenn Du das Haus Deines Vaters nicht anstellen möchtest wenn es Dir hier nicht zum dableiben gefallen sollte was ich aber gar nicht fürchten zu müssen glaube. Noch haben wir keine Kühe verkauft, auch ist nicht einmal das Inventar aufgenommen da ich enschlossen bin mit allem auf Deine Antwort zu warten. Es ist Dein gutes heiliges Recht zu kommen, Deine Verhältnisse selbst zu ordnen, und Deine Sachen in Besitz zu nehmen, es ist das aber auch Deine Pflicht gemeinsam mit der Schwester verhandeln mußt Du und es muß Dich freuen, das endlich Erworbene zu Deinem und ihrem Wohl zu verwalten. Die Objektivität nicht Gemüthlichkeit des letzten Briefes liegt in meinem deutschen Character. Ich wußte, daß es einen Gewal­tigen Eindruck auf das Gemüth meines Freundes ausüben müsse, doch ich wollte Dich Dir selbst in dieser Beziehung überlassen, da ich offen gesagt, in der letzten Zeit zu wenig von Dir wußte um auch mit Dir reden zu könen. Es hat mich daher ungemein gefreut, daß Du mir auch von der entsetzlichen Katastrofe einen Brief schriebst obwol er mir spät erst zugekommen ist. Dein Vater ist im Frieden aus der Welt gegangen. Daß er auch nichts mehr gegen Dich thun wollte, kann ich Dir beweisen. Dein Onkel der s g Kaiser Josef und andere wollten ihn, wieder den Willen Deiner Dich herzlich liebenden Schwester, zu einem Testament zu ihren Gunsten und Deinem Nachtheil bereden. Er aber wies solche Anträge immer zurük und überließ alles mir und meinem Rathe was er sicher nicht gethan hätte wenn die Abneigung gegen uns noch gar so groß gewesen wäre. Sei daher frohen Muthes! Er hat nun die Ruhe die er auf dieser Welt nun einmal nicht finden konnte und er würde sich freuen, wenn er sähe, wie die Tochter und Du sich entschließen, durch friedliches Zusammenstehen alles wieder gut und recht zu machen. Warte also noch geduldig bis ich Dir das Geld schiken kann und schreibe ja sogleich wie­der Deinem Dich aufrichtig liebenden treuen Freund

Felder

Nachschrift

Am 28 Oktober

Es scheint, ob es denn meinen Bemühungen doch noch gelingen könte, Dir das Geld früher zu senden, wenn das auch Deine Heimreise befördern würde schreibe daher so schnell als möglich Deinem

treuen

Post Bezau                                                                  Freund

Vorarlberg                                                                     Felder

von Politik das nächste mal.                                          Litterat