FRANZ MICHAEL FELDER AN KASPAR MOOSBRUGGER

Lieber Freund!

Was schon, als ich den letzten Brief schrieb, sich leise regte, ist seitdem in mir zum Ausbruch gekommen, das ist der Grund, daß ich nicht von Bezau aus an Dich schreibe. Ich bin unwohl und habe mich, wenn auch schwer, zum Aufgeben der auf heute bestimmt gewesenen Reise nach Bezau ent­schließen müssen. Wie hart das gegangen, könnte Dir das Wible sagen, aber der Doktor, der mich auch in gesunden Tagen häufig besucht, hat mir ernstlich geraten, mich in Acht zu nehmen, um nicht einen ungefährlichen Zustand zu einem sehr gefährlichen zu machen. Ich werde Feurstein meinen Zustand melden und ihn ersuchen, mich zum Zweck einer ihm etwa nötig scheinenden Verhandlung hier zu be­suchen, wenn mein Magenleiden doch länger als einige Tage mich festhalten und plagen sollte.

Da ich Leib und Seele noch so ziemlich beisammen habe, und mir auch der Appetit nicht fehlt, so hab ich guten Mut und erwarte bald wieder rüstig einstehen zu können für die heilige Sache des Volkes. In der letzten Zeit hab ich fleißig gelesen und manche Lücke in etwas zu ergänzen auszufüllen gesucht. Jetzt freilich würde mich das nur noch fieberischer machen, und es gibt mir nichts Besseres, als auf dem Kanapee liegend alle Viere auszustrecken und als echter Schüler Epiktets alles ruhig gehen zu lassen. Es ist mir das jetzt auch leichter, als man glauben könnte. Doch genug vom kranken Mann!

Deine Schrift wanderte Dienstag nach Bezau und ich ver­sprach, heute nachzukommen. Nun werde ich, wenn Du nichts anderes mehr bestimmst, dafür sorgen, daß sie so schnell als möglich gedruckt wird, doch wohl nicht bei Feur­stein, da sich doch, wie ich glaube, zu viele Fehler ein­schleichen dürften. Das Erscheinen der Zeitung ist noch in Frage gestellt durch Feursteins Unentschlossenheit. Er hat eigentlich noch gar nichts getan. Ich stehe zwischen Dir und ihm wie zwischen Tür und Angel und wer mich die letzten Wochen in einem gemütlichen Zustand glaubte, der - durfte wenigstens unbesorgt sein. Ich habe meinen Freund Uhren­macher nicht gefunden, wie ich hoffte und bin doch zu schwach, ihn aufzugeben. Ich - genug. Feurstein soll zu den Wählern gewählt sein. Ich glaube, er könnte in den Landtag kommen, doch kenne ich die Resultate der Vorwahlen im Ganzen noch zu wenig, um etwas nur ernstlich vermuten zu können. Und jetzt hab ich recht genug geschrieben und gäbe gern etwas, wenn nur auch Feurstein schon abgefertigt wäre. Du siehst, wie trag und selbstsüchtig ich heute bin. Entschuldige mich, es wäre mir z. B. unmöglich, einen Ge­danken eine Minute festzuhalten, und von so einem Men­schen kannst Du auch keinen bessern Brief erwarten, schon dieser hat mich, daß ich's offen sage, Anstrengung genug gekostet.

Ich hoffe, bald Besseres von mir sagen zu können. Bis dahin lebe wohl.

Mit Brudergruß und Handschlag Dein Freund

F. M. Felder