FRANZ MICHAEL FELDER AN KASPAR MOOSBRUGGER

lfndenr: 
172
8. März 1866

Lieber Freund!

Hiemit übersende ich Dir die Isabell, ein Mädchen, aus dem was Ordentliches werden kann. Jochum-Verstand und Wäld­lergemüt hat sich in ihr zusammen gefunden. Ich würde be­dauern, wenn Ihr nicht mit ihr zufrieden sein solltet, und da mir das Los der Armen, die ihr alles mitbringt, nahe geht, so bitte ich, mir hierüber recht bald Auskunft zu geben. Warum Du die Marie hinaufgeladen, glaub ich zu erraten, aber das geht nicht! Eher ginge etwas anderes - doch davon später.

Gern war ich selbst gekommen, und mehr gewiß als Ihr bedaure ich, daß mir das jetzt nicht möglich:

1.            Viel Arbeit im Stall

2.            In der Schreibstube

3.            Im Feld

4.            Zweifelhaftes Wetter

5.            Schlechter Weg, den ich

6.            nur einmal gegangen, als der Nebel

7.            so dicht lag, daß ich nichts von der Gegend sah.

Doch genug, das alles wird anders und einmal müßt Ihr mich, [und] wenn Ihr über sieben Berge ziehen würdet, [bei Euch auftauchen sehen].

Die Isabell hatte schon einen Dienst, aber sie hofft, bei Euch viel zu lernen und lang bleiben zu können. Am guten Willen fehlt es gewiß nicht.

Auf meine brieflichen Fragen erhoffe und erwarte ich brief­liche Antwort. Den Julian Schmidt kannst Du herunter­schicken, wenn Du ihn nicht mehr brauchst. Der Artikel in der Feldkircher Zeitung scheint mir von J. A. Simma. Wunder­lich ist er zum Schlüsse genug, warum erwähnt er nicht lieber die Schilderung des Heuziehens? Doch genug! Ich weiß nicht, ob ich Dir [den] Sozialdemokrat schicken soll. Hast Du die Volkswirtschaftslehre von Carey noch nicht bestellt?

Heut war ich schon auf dem Weg zu Dir. Ich möchte gern eine Zeitlang plaudern, aber im Schnee zu Grunde gehen wie unsere Vetter - nein, ich will  noch  länger leben  und verbleibe Dein lebenslustiger Freund

F. M. Felder