FRANZ MICHAEL FELDER AN KASPAR MOOSBRUGGER

lfndenr: 
479
9. Februar 1868

Lieber Freund!

Ich habe Dir erzählt, was ich bis Bregenz erlebte, wie wenig Zeit mir dort auch zum Briefschreiben blieb. Deine beiden Briefe hab ich hier gefunden. Natters Brief erzählte Dir, was während meiner Abwesenheit geschah oder besser geschehen sollte. Der Pfarrer wollte meine Partei rasch im entscheiden­den Augenblicke gewinnen. Der Versuch scheiterte glänzend, und man steht sich erbitterter gegenüber als je. Am Freitag wurde gewählt. Wir blieben bei unserer Auslegung des Ge­setzes, was Müller, sonst eben nicht in der besten Stimmung, sich gefallen lassen mußte. Es erschien die ganze Gemeinde. Trotz der guten Schlittbahn fehlte kaum ein Mann als der Uhrenmacher, dessen Zustand sich noch wenig gebessert hat. Jede Witwe war durch einen Bevollmächtigten vertreten. Ich habe die Leute noch nie in der Aufregung gesehen. Man hieß den Tag einen großen. Im dritten Wahlkörper verloren wir mit 31 Stimmen gegen 33, im zweiten gewannen wir mit 15 gegen 8, im ersten mit 8 gegen 6 Stimmen. Wir 8 werden also 4 Gegner im Ausschusse haben. Neugewählt sind von unserer Partei: Kaspar Oberhauser, Aberer Lehrer, Bernhard Moosbrugger. Sage der Isabell, die ändern 4 seien Burgs Josef, Niederauer Dokus, J. Josef Feurstein und J. Josef Willi, dann wird sie Dir sagen, was da zu erwarten ist. Der Rößlewirt selbst ist durchgefallen. Zu einem Protest wird's nicht mehr kommen, denn Müller, die Stütze der Partei, ist natürlich dagegen. Müller hat mich, als ich in Bezau war, sogleich aufs Bezirksamt holen lassen. Er sagte, um mich gleich zu be­eidigen. Er scheint schon im Besitze der von mir in Feldkirch gemachten Angaben gewesen zu sein. In Feldkirch wurde ich nicht beeidigt, und ich hörte die Äußerung, daß die Sache mit einem Scheißer nach Bezau kommen müsse. Ein zweiter Scheißer wird folgen. Am Freitag nämlich war gerichtliche Kommission beim Uhrenmacher. Ich hörte das Urteil des Dr. Greber. Er findet die Sache noch schlimm, die Verletzung entschieden schwer, aber er sagt: Das Amt hätte eben früher etwas tun sollen, da die Wunde jetzt wohl noch vorhanden und schlimm genug, aber doch nicht mehr genau zu unter­suchen sei. In Feldkirch wurde mein Ansuchen, die Sache wem anders zu übergeben, rundweg abgeschlagen, sonst hätte ich mir von Müller nicht mehr rufen lassen. Die Verbrennung der Stimmzettel hab ich in Feldkirch auch angezeigt. In der Neuen Freien Presse vom 4. Februar wirst Du davon gelesen haben.

Heut und gestern hab ich den erwähnten Bericht für Seyffer­titz ausgearbeitet. Du sollst nächstens eine Abschrift erhalten. Mein Artikel, den Du letzthin gelesen, soll, wie mir Pröll schreibt, nach Wien gewandert sein und nach seiner Angabe muß er schon im Wanderer stehen, mit dem Pröll befreundet ist. Er bedauerte, die Sache zu langsam in seinem Blatte bringen zu können. Die Sache müsse gleich in die Öffentlich­keit, drum habe er sich auf diesen Weg gewendet, da er so am meisten seinen Zweck zu erreichen und meinen billigen Wunsch zu erfüllen meine. Bei ihm brauche so ein Abdruck zu lang. Vonbun soll eine gar nicht günstige, mehr ironisie­rende Kritik geschrieben haben. Nächstens mehr. Mit Gruß und Handschlag Dein Freund

F. M. Felder